{"id":109,"date":"2011-01-01T11:53:58","date_gmt":"2011-01-01T11:53:58","guid":{"rendered":"https:\/\/zelking.com\/2011\/01\/01\/sierndorf-und-das-geschlecht-zelking\/"},"modified":"2011-01-01T11:53:58","modified_gmt":"2011-01-01T11:53:58","slug":"sierndorf-und-das-geschlecht-zelking","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/?p=109","title":{"rendered":"Sierndorf und die Herren von Zelking"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 16px;\"><u><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Ein Beitrag aus Sierndorf<\/span><\/strong><\/u><strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><\/strong><\/p>\n<p> \t<span style=\"font-family: Arial;\"><strong> <\/strong><span style=\"font-size: 14px;\"><strong>Diplomarbeit von Frau (Mag. phil.) Ute Bixa<\/strong><\/span><\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><strong>Titel der Diplomarbeit<br \/> \t<\/strong><br \/> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong>&bdquo;Die Portr&auml;tb&uuml;sten&nbsp; des Wilhelm von Zelking und der Margaretha von Sandizell in der Sierndorfer Schlosskapelle&rdquo;<br \/> \t<\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">Verfasserin Ute Bixa<\/p>\n<p> \t<\/span><\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><strong>&nbsp; Angestrebter akademischer Grad Magistra der Philosophie (Mag.phil.)<\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">Wien, im April 2008<\/span><br \/> \t<\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<p> <\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Studienkennzahl lt. Studienblatt: A 315<br \/> \tStudienrichtung lt. Studienblatt: Kunstgeschichte<br \/> \tBetreuer: Dr. Friedrich Dahm<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">1. Vorwort<\/span><\/strong><\/p>\n<p> \t<span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Die vorliegende Arbeit versucht eine Ann&auml;herung an die portr&auml;thaften B&uuml;sten der Chorempore in der Schlosskapelle zu Sierndorf. Nicht die stilistische Einordnung oder die Frage nach der K&uuml;nstlerwerkstatt sollen im Vordergrund stehen, denn dazu gibt es bereits einiges an Material, welches im Zuge der Erstellung eines Forschungstandes aufzuarbeiten sein wird. Zentrales Anliegen dieser Befassung ist es zu kl&auml;ren, unter welchen Voraussetzungen und aus welcher Motivation heraus Wilhelm von Zelking sich und seine Frau lebensgro&szlig; und wahrhaftig an derart prominenter Stelle im Kirchenraum abbilden lie&szlig;.<br \/> \tDie gesellschaftlichen, politischen und religi&ouml;sen Rahmenbedingungen der Stiftung sollen zur Kl&auml;rung dieser Fragen beitragen. Zu diesem Zweck wird es notwendig sein, die Biographie des M&auml;zens nachzuzeichnen und sie im Licht der Entwicklung des Nieder&ouml;sterreichischen Adelstandes an der Wende des Mittelalters zur Neuzeit zu hinterfragen.<br \/> \tAuf welche Art und Weise repr&auml;sentierte der Adel seinen Status an der Zeitenwende? Wie beeinflusste der aufkommende Humanismus den Lebensweg des jungen Adeligen? Welche Wirkung hatten das Kaiserhaus und die davon ausgehenden Impulse auf die St&auml;nde?<br \/> \tDar&uuml;ber hinaus wird zu ergr&uuml;nden sein, in welchem Lebenszusammenhang die Portr&auml;tb&uuml;sten in Auftrag gegeben wurden. Passt das g&auml;ngige Schema der Darstellung von Macht und Memoria am Grabmal des Stifters zum vorliegendem Werk? Gibt es Vorbilder f&uuml;r ebenbildliche Stifterportr&auml;ts au&szlig;erhalb der traditionellen Begr&auml;bniskultur?<\/p>\n<p> \tAusgehend von jenem hier nur kurz umrissenen Spannungsfeld soll versucht werden, ein m&ouml;glichst klares Bild des Auftraggebers, seiner Zeit und vor allem seiner Intentionen zu zeichnen. Wer war also dieser Wilhelm von Zelking und was bewegte ihn dazu, eine der selbstbewusstesten Ich-Darstellungen der Epoche zu hinterlassen?<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">2. Wilhelm von Zelking &ndash;<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><strong><span style=\"font-size: 14px;\"> Versuch eines Lebensbildes<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Anliegen dieses ersten Abschnittes der vorliegenden Arbeit ist es, einen Einblick in die komplizierten gesellschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenh&auml;nge der Entwicklung des nieder&ouml;sterreichischen Landadels an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit zu geben. Denn nur unter Ber&uuml;cksichtung dieser vielf&auml;ltigen Bezugssysteme lassen sich die Bedeutung und die Intention des zu untersuchenden Kunstwerkes erl&auml;utern. Die hier angewandte Vorgehensweise ist deduktiv. So wird prim&auml;r versucht das Leben des Wilhelm von Zelking anhand von &uuml;berlieferten Urkunden, Testamenten, Kaufvertr&auml;gen und Inschriften schrittweise zu rekonstruieren. Ausgehend von diesen pers&ouml;nlichen Lebensdaten wird der Versuch unternommen, ein Bild des nieder&ouml;sterreichischen Adels um 1500 zu zeichnen. Aufschluss &uuml;ber die Stationen im Leben des Zelkingers geben &uuml;ber wenige erhaltene Prim&auml;rquellen hinaus die Aufzeichnungen Friedrich KERNS, welcher 1872 die gesammelten &bdquo;Regesten, Grabschriften und Notizen zur Genealogie und Geschichte der Herren von Zelking&ldquo; im Jahrbuch Adler ver&ouml;ffentlichte. Als Quelle diente Friedrich KERN das 1635 als Verlassenschaft abgefasste &bdquo;Inventarium Weillendt des Hoch- und Wohlgebornnen Ludtwig Wilhelbm Hernn von und zu Zelking, zum Weinberg auf Leonstein, Tornbach undt Wardtberg&ldquo; in welchem ein Teil der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Dokumente erfasst und mit einer kurzen Beschreibung versehen wurde.<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Dieses Inventar wurde nach Erl&ouml;schen des Geschlechtes Zelking auf 1.) F. KERN, Regesten, Grabschriften und Notizen zur Genealogie und Geschichte der Herren von Zelking, in: Heraldisch genealogische Zeitschrift. Organ des heraldisch genealogischen Vereins Adler, II, Wien 1871<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1873.<br \/> \t2.) E. KHAINACH\/J. GEYMANN\/H. von PECKHOUEN, Inventarium und Beschreibung des Ludwig Wilhelm Herrn von und zu Zelking, zum Weinberg, auf Leonstain, Tornbach und Wartberg Herrn der Herrschaften T&uuml;ernstain und des Thales Wochau als letzen dieses Namens Verlassenschaftt in Ligunden und Varenden St&uuml;ckh G&uuml;lt vnd G&uuml;etern, auch gefundnen Paarschaft Schulden und Gegenschulden auf beeden G&uuml;etern Th&uuml;ernstain und Zelckhing, o. O. 1635 Anordnung des landmarschallischen Gerichtes in Wien zur Ordnung des Erbes angelegt. Die Verzeichnisse enthalten jedoch nur jene Urkunden, die zur Kl&auml;rung der Erbangelegenheiten von Bedeutung waren. Heute befindet sich das Inventar in der Handschriftensammlung der &ouml;sterreichischen Nationalbibliothek.<br \/> \t3.) Eine weitere f&uuml;r die Rekonstruktion des Lebenslaufes des Wilhelms von Zelking unentbehrliche Quelle stellt WISSGRILLS handschriftliches Manuskript dar. Der wirkliche k. u. k. Hofsekret&auml;r Franz Karl WISSGRILL ver&ouml;ffentlichte 1794 den ersten Band seiner Genealogie &bdquo;Schauplatz des nieder&ouml;sterreichischen lands&auml;ssigen Adels vom Herren- und Ritterstande vom XI. bis zum Ende des XVIII. Jahrhundertes&ldquo;.<br \/> \tDer Abdruck seiner alphabetisch fortlaufenden Auseinandersetzung mit den nieder&ouml;sterreichischen Adelsfamilien endete vorerst 1824 mit dem f&uuml;nften Band, der die Historie der Adelsfamilien bis einschlie&szlig;lich zum Buchstaben L wie Lempach ver&ouml;ffentlicht. Nach WISSGRILLS Tod &uuml;berlie&szlig; seine Witwe das handschriftlich vollst&auml;ndig ausgearbeitete Manuskript dem Nieder&ouml;sterreichischen landest&auml;ndischen Archiv. Die heraldische Gesellschaft Adler begann WISSGRILLS Nachlass aufzuarbeiten und publizierte in den Jahren 1872 bis 1890 Wissgrills Aufzeichnungen von Lempruch bis Puchheim. Heute befinden sich die handschriftlichen Aufzeichnungen WISSGRILLS im Nieder&ouml;sterreichischen Landesarchiv in St. P&ouml;lten.<br \/> \t4.) Auch Alois Freiherr von STARKENFELS Forschungen zum I. ZIBERMAYR, Die St. Wolfgangslegende in ihrem Entstehen und Einflusse auf die &ouml;sterreichische Kunst, Linz 1924, S. 95. &Ouml;NB Cod. 14886.<br \/> \t5.) F. WISSGRILL, Schauplatz des nieder&ouml;sterreichischen lands&auml;ssigen Adels vom Herren- und Ritterstande vom XI. bis zum Ende des XVIII. Jahrhundertes, Wien 1794<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1824.<br \/> \t6.) F. CZEIKE, Historisches Lexikon Wien, Bd. 5, Wien 2004, S. 666f.<br \/> \t7.) F. WISSGRILL, Schauplatz des nieder&ouml;sterreichischen lands&auml;ssigen Adels vom Herren- und Ritterstande vom XI. bis zum Ende des XVIII. Jahrhundertes, in: Heraldisch genealogische Zeitschrift. Organ des heraldisch genealogischen Vereins Adler, II &ndash; XX , Wien 1872<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1890.<br \/> \t8.) N&Ouml; Landesarchiv Handschrift 93-104, ober&ouml;sterreichischen Adel tragen wertvolle Hinweise zur Genealogie der Familie Zelking bei.<br \/> \tDer Vater Wilhelms von Zelking, Christoph II. von Zelking, war in erster Ehe mit Margaretha von Pottendorf verheiratet. Dieser am 7. Juli 1466 geschlossenen Verbindung entstammten vier Kinder: Hans VII., Veit, Barbara und Margarethe. Apollonia von Polheim wurde Christophs von Zelking zweite Gemahlin. Sie gebar ihrem Mann die S&ouml;hne Wilhelm II. und Wolfgang, sowie die Tochter Anna. Wiederholt wird der am 4. August 1482 geborene Wilhelm als j&uuml;ngster Sohn Christoph von Zelkings bezeichnet. So etwa bei WISSGRILL &bdquo;Herr Wilhelm von Zelking, zu Hainburg, Sierndorf, der j&uuml;ngste Sohn Herrn Christoph II. von Zelking,<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ldquo;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> wie auch bei STARKENFELS &bdquo;Wilhelm II., Christophs II. j&uuml;ngster Sohn&ldquo;. Im Testament des Vaters vom 28. Oktober 1490 wird Wilhelm jedoch als Drittgeborener der vier S&ouml;hne genannt.<br \/> \tItem da got vor sey ob mein sun der nu im neuntn jar ist, genant Wilhalm, der annder im alter sein wurd, der doch yetz der drit und noch ain kind ist. Diese Position als Dritter in der Erbreihenfolge hatte von vornherein weit reichende Konsequenzen f&uuml;r die Planung des Lebenslaufes des jungen Mannes. Denn in der fr&uuml;hen Neuzeit bestand ein grunds&auml;tzlicher Zusammenhang zwischen Erbe und Heirat. Die Heirat hatte die &ouml;konomische<br \/> \t9.) A. von STARKENFELS, Ober&ouml;sterreichischer Adel, in: Gro&szlig;es und allgemeines Wappenbuch, N&uuml;rnberg 1904, S. 674<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">691.<br \/> \t10.) Ebenda, S. 688.<br \/> \t11.) F. WISSGRILL, Genealogische Collectanen, o. O., o.J., S.76. (N&Ouml; Landesarchiv Handschrift 101)<br \/> \t12.) STARKENFELS, Adel (zit. Anm. 9), S. 689.<br \/> \t13.) Testament des Christoph von ZELKING, 28. Oktober 1490, N&Ouml;LA Privaturkunden 4090, im Original eingesehen von der Verfasserin, im Folgenden zitiert nach F. OBERCHRISTL, Der gotische Fl&uuml;gelaltar zu Kefermarkt, Linz 1923, S. 5.<br \/> \tUnabh&auml;ngigkeit zur Voraussetzung und nur wer einen eigenen Haushalt f&uuml;hren konnte, durfte an eine Familiengr&uuml;ndung denken. Je unsicherer und kleiner die wirtschaftliche Basis war, desto h&ouml;her wurde das Heiratsalter. So hatten die nachgeborenen S&ouml;hne im Gegensatz zum Erstgeborenen oft nur geringe Chancen auf eine Heirat. Folglich standen Wilhelms Chancen auf Heirat und Familiengr&uuml;ndung von Geburt an eher schlecht. Im Testament des Vaters wurden umfassende Vorkehrungen zur Erziehung und<br \/> \tBerufsausbildung der beiden j&uuml;ngeren S&ouml;hne getroffen:<br \/> \tItem ich will das dy eltern mein zwenn sun nichtz sullen versetzn noch verkauffen gewalt haben, untzt dy j&uuml;ngern zwenn sun auch zu irn vogtparn jarn komen sein neben inn das sol nu mein swager herr Pernhart von Polhaim des ain gewalt haben zu ainem pfaffen zemachen und des anndern mein swager herr Wolfganng von Polheim zu ainem hofman zemachen mag, sy aber mein sun der Wilhalm bey inn baidn aus reden, das er ain frummer hofman beleib, das lass ich auch beschehen; der dritt und junigst mein swager Weigkhart von Polheim der rat zu hofwerich und freylich nicht zu priesterschafft als ich woll an im ermerkht hab, ist mein mayung, ob unnder meinen sunen allen viern ir ainem will trueg geistlich zu werdn zu priester, dem schaff ich zerung tausent reinisch guldein zu lernung der kunst der latein, davon der gots lob entspreusst und zwayhundertt phund phennig j&auml;rlicher g&uuml;lt auf sein lebbtag auf meinem gelassen guet ihres vaterlichen erbs, er hab beneficium oder nicht.<br \/> \tDie f&uuml;r den Vater erstrebenswerteste Versorgung der S&ouml;hne aus zweiter Ehe sah demnach vor, den beiden unter Obsorge ihrer Onkel m&uuml;tterlicherseits die Ausbildung zum Priester beziehungsweise Hofmann zu erm&ouml;glichen, wobei Christoph aber nicht eindeutig festlegte, welcher der S&ouml;hne zum Pfarrer ausgebildet werden soll. Geht man von der Reihenfolge der Nennung aus <\/span><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash; <\/span><span style=\"font-size: 14px;\">erst Wilhelm, dann Wolfgang beziehungsweise den einen zum Pfaffen zu machen, den anderen zum Hofmann zu machen <\/span><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash; so<\/span><span style=\"font-size: 14px;\"> betrifft der Passus<br \/> \t14.) Vgl. B. BASTL &bdquo;Adeliger Lebenslauf&ldquo;. Die Riten um Leben und Sterben in der fr&uuml;hen Neuzeit, in: Ausst. Kat., Adel im Wandel, Rosenburg 1990, S. 377f.<br \/> \t15.) OBERCHRISTL, Kefermarkt (zit. Anm. 13), S. 6.<br \/> \twahrscheinlicher den zuerst genannten Wilhelm. Dieser konnte somit als junger Mann nicht selbstverst&auml;ndlich mit einer sp&auml;teren selbstst&auml;ndigen Haushaltsgr&uuml;ndung und einer darauf folgenden Verm&auml;hlung rechnen. Sollte Wilhelm der ihm zugedachte Lebensweg nicht entsprechen, so gew&auml;hrte ihm der Vater als m&ouml;gliche Alternative dazu eine Karriere als frommer Hofmann.<br \/> \tF&uuml;r denjenigen der S&ouml;hne, der sich f&uuml;r das Priesteramt entscheiden mochte, stiftete er die entsprechenden Mittel, um die lateinische Sprache zu erlernen.<br \/> \tNoch lange Jahre bevor das Testament des Vaters vollstreckt und somit die Weichen f&uuml;r Wilhelms zuk&uuml;nftiges Leben gestellt wurden, erhielt der Knabe eine umfassende Ausbildung. Grunds&auml;tzlich erkannte Christoph von Zelking die Wichtigkeit der Beherrschung von Fremdsprachen f&uuml;r den Werdegang seiner S&ouml;hne. Zur Bedeutung standesgem&auml;&szlig;er Erziehung notiert Andreas ZAJIC: &bdquo;Gerade Sprachkenntnisse waren noch am ehesten dazu angetan, durch ihre Verwertbarkeit in f&uuml;rstlichen &Auml;mtern, bei Legationen und Gesandtschaftsreisen den adeligen Ehrgeiz zum Bildungserwerb zu wecken.&ldquo; So wurden Wilhelm und sein Bruder Wolfgang dazu angehalten, zus&auml;tzlich zur deutschen Sprache auch die b&ouml;hmische Sprache zu erlernen. Es ist die Sprache der benachbarten Standesgenossen und der b&ouml;hmischen Landtage. Viele nieder&ouml;sterreichische Adelige besuchten im 16. Jahrhundert b&ouml;hmische oder m&auml;hrische Schulen. Durch die Sprachkenntnisse wollte der Vater es den jungen M&auml;nnern erleichtern, nachbarschaftliche Beziehungen zu kn&uuml;pfen und im Bedarfsfall ein freundschaftliches Verh&auml;ltnis mit den b&ouml;hmischen Nachbarn zu pflegen &ndash; dies sollte einen deutlichen Karrierevorteil bewirken.<br \/> \t16.) A. ZAJIC, &bdquo;Zu ewiger ged&auml;chtnis aufgericht&ldquo;. Grabdenkm&auml;ler als Quelle f&uuml;r Memoria und Repr&auml;sentation von Adel und B&uuml;rgertum im Sp&auml;tmittelalter und in der Fr&uuml;hen Neuzeit. Das Beispiel Nieder&ouml;sterreichs, Wien 2004, S. 291.<br \/> \t17.) Vgl. G. HEI&szlig;, Standeserziehung und Schulunterricht. Zur Bildung des nieder&ouml;sterreichischen Adeligen in der fr&uuml;hen Neuzeit, in: Ausst. Kat., Adel im Wandel, Rosenburg 1990, S. 395.<br \/> \tItem ich will auch nemlich zu lob got dem alm&auml;chtigen, das der elter mein sun um pesser verstennttigkait willen den j&uuml;ngern meinen zwain sun seel hail willen, Wilhalm unnd Wolfganngen zu Banony auf der h&ouml;chsten schuel auf zway jar, yedm mit zwainhundert reinisch guldein versehen sol, da dann mein sun der Veyt yetz ain tz&uuml;g hinein reytt und vor zu Behaim yeder zway jar gewesen sey dy pehamisch sprach zu lernen, den enndn do man der teutschn sprach nicht phlicht zereden und guet christen sein, als dann mein sun herr Hanns und Veyt nach meinem bevelh auch getan, sich mit irn nachtpern auf der pehamischen gr&auml;nnitz destatlicher bereden kumen, wenn so sy der behamischen sprach ettwas versten haben nachtperlich mit in haltn m&uuml;gen und sich dest freuntlicher zubehelffn gegen den Pehamen, als in dann des not thuet, darauf sy der ellter mein sun mit erber zerung nicht verlassen sol, dardurch nicht verhindrung gewinngen; das ist f&uuml;r sy gotlich mit der latein und guet gewondlich mit der pehamischen sprach. Sy sullen auch woll deutsch lernen, allerlay matery, das diennt woll zuvernunfft und verstenntigkait, so m&uuml;gen sy alstann all irm herrn und lanndesf&uuml;rstn fruchtperlich nach irer genadn gevallen wol gedienn und albeg gen&auml;dig herrn an in haben f&uuml;r annder grob paurn di nye ausk&auml;men und nichts lernnen haben wellen.<br \/> \tIm traditionellen feudalistischen System der st&auml;ndischen Gesellschaft, wurde die Stellung des Einzelnen zu allererst durch dessen Herkunft definiert. Die Abstammung war das Bezugssystem aus dem der Adel seine privilegierte Machtstellung rechtfertigte. An der Wende zur Neuzeit zeichneten sich gesamtgesellschaftliche Umw&auml;lzungen ab. &bdquo;Die Historiker sprechen von einer Verrechtlichung der Gesellschaft, von einer Verwissenschaftlichung beziehungsweise Professionalisierung der Regierungst&auml;tigkeit und von einer Kapitalisierung der Grundherrschaft&ldquo;, wie Gernot HEI&szlig; in seiner Befassung mit Standeserziehung und Schulunterricht um 1500 zusammenfasst. Es dr&auml;ngten immer mehr gebildete b&uuml;rgerliche Aufsteiger in die landesf&uuml;rstlichen &Auml;mter. Um sich angesichts dieser Konkurrenz durchsetzen zu k&ouml;nnen, wurde universit&auml;re Bildung f&uuml;r den jungen Adeligen rasch zu einer<br \/> \t18.) OBERCHRISTL, Kefermarkt (zit. Anm. 13), S. 5f.<br \/> \t19.) Vgl. HEI&szlig;, Standeserziehung (zit. Anm. 17), S. 391.<br \/> \t20.) Ebenda, S. 392.<br \/> \tNotwendigkeit. Der Adel wurde gezwungen, wollte er seine angestammte Macht und die Privilegien behalten, seine Einstellung zur Bildung zu &auml;ndern und Kenntnisse zur Bew&auml;ltigung von Aufgaben in der Landesverwaltung sowie der grundherrlichen Verwaltung zu erwerben. Nach Karin J. MacHARDY hatten 29 (ein Zehntel) der um 1580 lebenden Mitglieder des nieder&ouml;sterreichischen Ritterstandes Universit&auml;ten besucht, 1620 waren es bereits 49 (ein F&uuml;nftel). Die Ausbildung junger Adeliger an der &bdquo;H&ouml;chsten Schule&ldquo;, der Universit&auml;t, zielte allerdings nicht nur auf individuellen Erfolg ab, sondern sollte vor allem der Ehre der Familie zu Gute kommen. Eine wesentliche Funktion der adeligen Bildung war es, unterscheidendes Verhalten einzulernen und zu kultivieren, um den Stand von den anderen abzugrenzen und gegen Konkurrenz zu sch&uuml;tzen. Daran erinnern auch Christoph von Zelkings bereits oberhalb zitierte Worte:<br \/> \t&hellip; so m&uuml;gen sy alstann all irm herrn und lanndesf&uuml;rstn fruchtperlich nach irer genadn gevallen wol gedienn und albeg gen&auml;dig herrn an in haben f&uuml;r annder grob paurn di nye ausk&auml;men und nichts lernnen haben wellen.<br \/> \tIn der Familie der Zelkinger wurde der Wert universit&auml;rer Ausbildung schon lange gesch&auml;tzt, war doch bereits bei der Gr&uuml;ndung der Wiener Universit&auml;t durch Herzog Rudolf am 11. M&auml;rz 1365 Albert V. von Zelking, der Urgro&szlig;vater Wilhelms, unter den Zeugen zum Stiftsbrief. Wilhelm und Wolfgang sollten laut Testament des Vaters ebenso wie ihr &auml;lterer Bruder<br \/> \t21.) Vgl. A. ZAJIC, Zu ewiger ged&auml;chtnis aufgericht (zit. Anm. 16), S. 291.<br \/> \t22.) K. J. MacHARDY, Der Einfluss von Status, Konfession und Besitz auf das politische Verhalten des nieder&ouml;sterreichischen Ritterstandes 1580<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1620, in: G. Klingenstein &ndash; H. Lutz (Hrsg.), Spezialforschungen und &bdquo;Gesamtgeschichte&ldquo; (Wiener Beitr. Z. Geschichte d. Neuzeit), Wien 1981, S. 73.<br \/> \t23.) Vgl. HEI&szlig;, Standeserziehung (zit. Anm. 17), S. 391f.<br \/> \t24.) Ebenda, S. 391.<br \/> \t25.) OBERCHRISTL, Kefermarkt (zit. Anm. 13), S. 6.<br \/> \t26.) STARKENFELS, Adel (zit. Anm. 9), S. 686.<br \/> \tVeit die Universit&auml;t von Bologna besuchen. Die Forschungen Gustav C. KNODS der einen biographischen Index deutscher Studenten in Bologna erstellt, best&auml;tigen f&uuml;r 1490 Veit von Zelkings Immatrikulation an der Universit&auml;t von Bologna, die beiden nachgeborenen Br&uuml;der bleiben jedoch g&auml;nzlich unerw&auml;hnt. Sollten die vorgesehenen zwei Jahre Studienzeit tats&auml;chlich von Wilhelm und Wolfgang in Anspruch genommen worden sein, so erm&ouml;glichten sie wahrscheinlich nur den Einblick in die Studienrichtung, nicht aber den Abschluss eines vollst&auml;ndigen Studiums. Generell waren die Universit&auml;tsstudien der jungen Adeligen unterschiedlich intensiv. W&auml;hrend einige nur auf der Durchreise inskribierten, schlossen andere ihr Studium mit dem Doktorat ab. Im Laufe des 16. Jahrhunderts kamen beim europ&auml;ischen Adel zum Abschluss der Ausbildung und zur Vervollkommnung der Kenntnisse Bildungsreisen in Mode. Im Mittelpunkt dieser Studienreisen stand der Universit&auml;tsbesuch. Im Alter von ungef&auml;hr 16 Jahren, also mit Erreichen der Vollj&auml;hrigkeit, reisten die jungen Adeligen au&szlig;er Landes, um in Bologna, Padua, Dole oder L&ouml;wen ihre Rechtsgelehrsamkeit zu vervollkommnen. Sprachkenntnisse wurden vor allem in Frankreich und Italien, das standesgem&auml;&szlig;e Benehmen in den Residenzst&auml;dten verfeinert.<br \/> \tDer bei den Br&uuml;dern Zelking vorgesehene Universit&auml;tsbesuch au&szlig;er Landes zeichnet wohl bereits den Beginn dieser Entwicklung ab. Die Studienreisenden besichtigten die Wunderwerke der Architektur, Natur und Kunst, die Reitst&auml;lle, Festungsanlagen und Waffenkammern sowie die historischen und religi&ouml;sen Gedenkst&auml;tten. Die Schwerpunkte wurden unterschiedlich gesetzt, je nach pers&ouml;nlichem Interesse beziehungsweise nach<br \/> \t27.) Vgl. F. OBERCHRISTL, Der gotische Fl&uuml;gelaltar zu Kefermarkt. Ein Beitrag zur Geschichte der gotischen Plastik in Ober&ouml;sterreich, Linz 1923, S. 3<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">9.<br \/> \t28.) Vgl. G. C. KNOD, Deutsche Studenten in Bologna (1298<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1562). Biographischer Index zu den Acta nationis Germanicae universitatis Bononoensis, Strassburg 1899, S. 651.<br \/> \t29.) Vgl. HEI&szlig;, Standeserziehung (zit. Anm. 17), S. 400.<br \/> \t30.) Vgl. Ebenda, S. 398f.<br \/> \tjenem des Vaters. Als Student an der Universit&auml;t Bologna h&auml;tte der Zelkinger bestimmt wiederholt Gelegenheit gehabt, die Kunstwerke und Bauten Bolognas wie auch der Umgebung zu besichtigen und auf diese Weise der italienischen Renaissance zu begegnen.<br \/> \tChristoph von Zelking starb am 2. August 1491, acht Monate nach der Errichtung seines Testaments. Er wurde in einem Hochgrab im Chor der Kirche St. Wolfgang zu Kefermarkt beigesetzt. Wilhelm war zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt. Seine beiden &auml;lteren Br&uuml;der Hans und Veit &uuml;bernahmen, wie im Testament des Vaters festgelegt, bis zum Erreichen seiner Vollj&auml;hrigkeit im Alter von 16 Jahren die Vormundschaft.<br \/> \tso sol untzt auf des benantn Wilhalm und Wolfganng, der yetz der j&uuml;nger ist, derselb eltist mein sun dy selbn zwen ir leyplich brueder meinen halbn als ain vatter seine kinder auf des benantn Wilhalm oder so der nicht in leben ist den j&uuml;ngern Wolfganng untzt auf dy sechtzehenn jar betreuen.<br \/> \tAm 21. April 1492, nur ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Mannes, unterzeichnete Apollonia von Polheim zugunsten ihrer S&ouml;hne folgenden Verzichtsbrief:<br \/> \tVerzichtsbrief der Frau Apollonia, Herrn Weikhards von Polheim seel. Tochter, und des Herrn Christoph v. Zelking seel. Hausfrau, auf ihre Stiefs&ouml;hne Herrn Hansen und Veithen von Zelking und ihre unvogtbaren Kinder Herrn Wilhelm und Herrn Wolfgang Br&uuml;der von Zelking, wegen ihres zugebrachten Heirathsguts per 1000 fl.34 und widerlegten 500 fl.<br \/> \t31.) Vgl. Ebenda, S. 399.<br \/> \t32.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 196.<br \/> \t33.) OBERCHRISTL, Kefermarkt (zit. Anm. 13), S. 5.<br \/> \t34.) fl. = Florentiner Gulden<br \/> \t35.) KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 196.<br \/> \tDer Ehevertrag, als rechtliche Grundlage der Eheschlie&szlig;ung sch&uuml;tzte vor allem die Frau in der Ehe wie auch im Witwenstand. Er nahm die Funktion eines Testaments vorweg. So sollte, im Rahmen allgemein erbrechtlicher Bedingungen, die Zukunft der Witwe abgesichert werden. Mitgift der Braut und Widerlage des Br&auml;utigams wurden bei Abschluss des Heiratkontraktes als Witwenversorgung hypothekarisch sichergestellt. Christoph von Zelking hatte seine Gattin im Testament sehr ausf&uuml;hrlich bedacht, sie erhielt ein Haus in Freistadt mit allen zum Besitz geh&ouml;renden G&uuml;tern sowie den anfallenden Zehent. Neben der f&uuml;r sie vorgesehenen Dienerschaft wurde auch der ihr zustehende Hausrat im Testament genau angef&uuml;hrt, darunter befanden sich etwa (Tafel)Silber und Silberl&ouml;ffel, gro&szlig;e und kleine Zinnsch&uuml;sseln, Tischt&uuml;cher und Tische. Dar&uuml;ber hinaus erhielt sie einmalig die Summe von 500 &bdquo;phund phennig&ldquo;, als Abl&ouml;se f&uuml;r ihren Heiratsbrief.<br \/> \t36.) Vgl. BASTL, Adeliger Lebenslauf (zit. Anm. 14), S. 379.<br \/> \t37.) OBERCHRISTL, Kefermarkt (zit. Anm. 13), S. 6f. &bdquo;Item meiner liebn fraun Appolonia, herrn Weigkhartn von Polhaim gesessen zu Warttnburg s&auml;ligen Tochter schaff ich das sy all mueterliche treu ermess und bedennkh meine kinder bey der erstn meiner elichen hausfraun fraun Margretn s&auml;ligen geporn von Potendorff und zuvoran vor allen dingen mein und ire kinder die ich eelich bey ir hab, sovill an ir gesein mag und kann, ob sy den willen m&ouml;chte haben wittib zubeleibn ob ich mit tod vor ir abgee, do got lanng vor sey, das sy dyselbn baiderlay meine kinder mueterlich bedennkh, so schaff ich ernnstlich mit allen meinenn kindern, das sy sy f&uuml;r ir mueter treulichen haltn und erkennen, so hat sy irverschreibung zu solhem irm beruebten leben und gemach iren wittib stuel auf meinem haus in der Freinstat unnd anngerpeundt im purckfrid daselbs gelegen nach allem irem fueg und gevallen des benanntn haus dy behaussung mit allen gem&auml;chen vor m&auml;nigklichen an meiner erbn irrung zenutzen, des sy nu nach inhalt ihres heyratsbriefs mein freundtn und irn freundtn pillich zuvoran mich angesehen vervollgen sol, ausdem irm heyratsbrief der meniger stugk gueter und zechennt nachhennt bey der Freinstat gelegn sind, dy man ir berueblich in ir haus anburtn mag; dartzue sol man ir anburtn ir zymlich wein f&uuml;r irn mund und f&uuml;r ain guetn irn gepornen freundt der sich zu zeitn zu ir m&ouml;chte fuegn und dartzue ain suma gelts zu sannd Jorgntag und zu sannd Michelstag, alsdann dy leut um dy Freinstat gesessen zu den selbn zwain t&auml;gn statlich und auf schub diennen. Item das halspanndt mit ettue menig h&auml;fftlein, das sy bisher in irer gewaltt mir und ir zu eren tragn hat, schaff ich ob sy eehafft nott anstiess, das sy meinen und iren kindern eltern und j&uuml;ngern das halbs auf das geleichlichist gesch&auml;tzt wird, was das wird ist umb gelt abzul&ouml;ssen gebn sol und das selb gelt mag sy als dann zu der vorbenanntn irer eehafftn nott nutzn m&auml;nigklichs irrung und der annder halb tail des bemelten halspanndt sol an irrung herwider auf unnser baider kinder gefallen, vonn dann es komen ist, damit das halspanndt untzeryssen und ungetaillt bey meiner sunen ainem beleib mug. Item besunder hat sy ledige h&auml;fftl, dy sullen meiner hausfraun allain nachvolgen. Item ich schaff ir auch besonnder und des willen der lieb, so ich zu ir hab dadurch ir destweniger eehaffte nott erstenn m&uuml;g f&uuml;nff hundert phund phennig, dy sullen ir mein ellter zwenn sun dy zeit als vor antzogn ist dy gewer zum Weinperg haben aus meinem gewelb dartzue sy dann dy gewer im geschloss emphahen werden, als die rechtn mein nat&uuml;rlichen erben in ir gewaltsam freuntlich entrichtn, daentgegn ir heyratbrief nach laut der neuen beredung, so in ainer quotemer nach meinem abgannk durch unsser beder tail freundt ains mit dem annderm &uuml;bergebn und freuntlich beschehen sol, weiter kainerlay irr zwischn inn ertenn m&uuml;g und das mein gesch&auml;fft bey vollign krefftn beleib, das ist g&auml;nntzlich und aygenklich.<br \/> \tItem ich schaff ir auch besonnder und des willen der lieb, so ich zu ir hab dadurch ir destweniger eehaffte nott erstenn m&uuml;g f&uuml;nff hundert phund phennig, dy sullen ir mein ellter zwenn sun dy zeit als vor antzogn ist dy gewer zum Weinperg haben aus meinem gewelb dartzue sy dann dy gewer im geschloss emphahen werden, als dy rechtn mein nat&uuml;rlichen erben in ir gewaltsam freuntlich entrichtn, daentgegn ir heyratbrief nach laut der neuen beredung, so in ainer quotemer nach meinem abganngk durch unnser beder tail freundt ains mit dem annderm &uuml;bergebn und freuntlich beschehen sol, weiter kainerlay irr zwischn inn ertenn m&uuml;g und das mein gesch&auml;fft bey vollign krefftn beleib, das ist g&auml;nntzlich und aygenklich mein will.<br \/> \tApollonia von Polheim war aufgrund der testamentarischen Vorsorge ihres Gatten hinl&auml;nglich abgesichert und konnte so auf die sichergestellte Mitgift zugunsten der S&ouml;hne verzichten. Der 1492 gerade zehnj&auml;hrige Wilhelm erhielt wohl ein Viertel der Summe, das entspricht 375 Florentiner Gulden.<br \/> \tEine der ersten Aufzeichnungen &uuml;ber das Leben Wilhelms von Zelking nach Erreichen seiner Vollj&auml;hrigkeit findet sich in WISSGRILLS handschriftlichem Manuskript: &bdquo;1509 zog er in seiner Jugend, nebst seinem Bruder Wolfgang und mehr anderen vornehmen Landsmitglieder unter den Hilfsv&ouml;lkern, welche die &Ouml;sterreichischen St&auml;nde dem Kaiser Maximiliano I. im Kriege wider die Venediger gestellt haben, zu Felde.&ldquo;<br \/> \tDie &ouml;sterreichischen L&auml;nder hatten die gr&ouml;&szlig;te Last des Venezianerkrieges zu tragen. Wie bei WIESFLECKER nachzulesen, erkl&auml;rten sich die St&auml;nde nach mein will. Item ich schaff ir auch silber assich und silberloffel, das ir gep&uuml;rlich zu prauhen ist vergoldts und unvergoldts ungeverlich zechenn markhsilber suar zu hausrat. Item ich schaff ir auch auf geordneter sechs person, dreu pett mit irn zugeh&ouml;rungen und sechs gemaine pett mit irn zugeh&ouml;rungen auf diennstleut, wenn sy albeg den jungen kindern muessen kochen zuetragn und sy als mueter versehe grosser erwachssen. Item ich schaff ir zechenn zynsch&uuml;ssl gr&ouml;sser und klainer, auch tischtuecher und tisch, sovil sy ir in meinem haus in der Freinstat zu den kynndern bedorff oder ob sy zum Weinperg beleibn wolt, das w&auml;r mir das liebist, so may sy mein begrebnuss erraichen untzt doch dy bericht in der quotemer enndt nymbt unnd alles begeenn verget, dartzue ich ir und irn junckhfraun schaff zu opher gelt und durch gotzwillen zu geben durch meiner sell haill willen zwayunddreyssigk phund phennig.&ldquo;<br \/> \t38.) OBERCHRISTL, Kefermarkt (zit. Anm. 13), S. 7.<br \/> \t39.) WISSGRILL, Genealogische Collectanen (zit. Anm. 11), S. 76f.<br \/> \tlangen Verhandlungen bereit &bdquo;wenigstens ein reisiges Pferd und zwei Knechte und nur f&uuml;r vier Monate auf eigene Kosten ins Feld zu stellen [&hellip;].&ldquo; Mit dieser Zusage war der Kaiser nicht zufrieden, deshalb hielt er getrennte Landtage in allen L&auml;ndern, um sie gegeneinander auszuspielen, h&auml;lt WIESFLECKER weiter fest und erg&auml;nzt: &bdquo;Die Nieder&ouml;sterreicher, denen der Kaiser auf dem Wiener Landtag (M&auml;rz 1509) 1000 Reiter und 1000 Knechte zugemutet hatte, schickten dann aber doch eine gr&ouml;&szlig;ere Truppenhilfe, wie sie es nachher nie mehr taten.&ldquo; Unter jenen 1000 Reitern der nieder&ouml;sterreichischen St&auml;nde die vom Fr&uuml;hsommer bis zum Herbst 1509 vier Monate lang den kaiserlichen Kriegszug unterst&uuml;tzten befanden sich die Br&uuml;der Wilhelm und Wolfgang von Zelking. Auf den mittlerweile 27-j&auml;hrigen Wilhelm mag dieser Sommer einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.<br \/> \tEinerseits kam es f&uuml;r ihn, nach seinem vermuteten Studienaufenthalt in Bologna, nun wohl schon zur zweiten Begegnung mit Italien. Andererseits wirkte sicherlich auch das Vorbild des Kaisers auf den jungen Mann ein. Diese Vorbildwirkung der Person des Kaisers wie des Hoflebens auf den landst&auml;ndigen Adel soll in einem eigenen Kapitel n&auml;her besprochen werden.<br \/> \tIn den Jahren bis zum Erreichen der Vollj&auml;hrigkeit der S&ouml;hne aus zweiter Ehe hatten die beiden &auml;lteren Br&uuml;der Hans und Veit die Gesch&auml;fte des Vaters weitergef&uuml;hrt. Auf die vier S&ouml;hne Christophs fielen erbweise die Feste Weinberg, die halbe Feste Zelking und die Festung Leonstein.<br \/> \tIm Jahr 1510 l&ouml;ste Kaiser Maximilian I. diese Besitzungen aus dem Lehensverband und &uuml;bergab sie ihnen zusammen zu freiem Eigen.<br \/> \tKERN verzeichnet den Freibrief f&uuml;r den 7. April 1510, als Ort des Vertragsabschlusses wird<br \/> \t40.) H. WIESFLECKER, Kaiser Maximilian I.. Das Reich, &Ouml;sterreich und Europa an der Wende zur Neuzeit,<br \/> \t5, Wien 1986, S. 295.<br \/> \t41.) Ebenda, S. 295.<br \/> \t42.) Vgl. ZIBERMAYR, Die St. Wolfgangslegende (zit. Anm. 3), S. 85., nach: Orig. Schlossarchiv in Eferding<br \/> \tAugsburg angef&uuml;hrt. Somit entstand dieser Freibrief im Zuge des Augsburger Reichstages, zu dem Kaiser Maximilian die &ouml;sterreichischen St&auml;ndevertreter gerufen hatte, um mit ihnen &uuml;ber die Kriegssteuern im Venezianerkrieg zu verhandeln. Im Zuge der Verhandlungen versprach Maximilian keinerlei Anwartschaften auf heimf&auml;llige G&uuml;ter und Lehen auszustellen und diese den rechtm&auml;&szlig;igen Erben nicht zu entziehen. &Ouml;sterreich unter der Enns erhielt ein besonderes Libell und sein eigenes Landrecht zugestanden.<br \/> \t&Uuml;ber diese Besitzungen hinaus waren Christoph II. und seine Erben von Kaiser Friedrich zur Pflege des Schlosses Freistadt eingesetzt.<br \/> \tBis zum Zeitpunkt der Erlangung der Vollj&auml;hrigkeit durch die beiden J&uuml;ngeren scheint eine genaue Abkl&auml;rung der Besitzverh&auml;ltnisse untereinander nicht notwendig gewesen zu sein. Im Jahr 1496 erwarb Hans von Zelking die Gew&auml;hrschaft Sierndorf von Ludwig von Th&uuml;erbach.<br \/> \tEs gibt in Zusammenhang mit diesem Kauf auch anders lautende Aufzeichnungen, so soll nach Ignaz ZIBERMAYER bereits der Vater, Christoph von Zelking, Sierndorf erworben haben, er war allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits<br \/> \tf&uuml;nf Jahre tot. Hans erwarb in den kommenden Jahren weitere D&ouml;rfer nahe der Herrschaft Sierndorf: 1496 Zistersdorf (wohl heute Zissersdorf), 1497 Riegendorf (wohl heute Ringendorf), 1498 Leitzersdorf, 1499 He&uuml;tzenthall (wohl heute Hautzental) und Spillern.<br \/> \tAm 8. J&auml;nner 1504 wurde ein erster Versuch einer Erbeinigung vorgenommen. Ein Jahr sp&auml;ter, am 12. Februar 1505, Wilhelm hatte bereits das 23. Lebensjahr erreicht, kam es zwischen den vier Br&uuml;dern zur vorl&auml;ufigen Aufteilung der Besitzungen in<br \/> \t43.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 198.<br \/> \t44.) Vgl. H. WIESFLECKER, &Ouml;sterreich im Zeitalter Maximilians I.. Die Vereinigung der L&auml;nder zum fr&uuml;hmodernen Staat. Der Aufstieg zur Weltmacht, M&uuml;nchen 1999, S. 60.<br \/> \t45.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm.1), S. 196.<br \/> \t46.) Vgl. Ebenda, S. 197.<br \/> \t47.) Vgl. I. ZIBERMAYER, Die Wolfgangslegende. Michael Pachers Vertrag &uuml;ber die Anfertigung des Altares in der Kirche zu St. Wolfgang, in: Mitteilungen des Institutes &ouml;sterreichischer Geschichtsforschung, XXXIII, Heft 3, ohne Seitenangabe.<br \/> \t48.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm.1), S. 197.<br \/> \tWeinberg, Zelking und Sierndorf. Doch weitere Verhandlungen scheinen notwendig gewesen zu sein, um eine endg&uuml;ltige Einigung zu erzielen. Das Inventar nennt einen nochmaligen Teilungsvertrag f&uuml;r den 20. Februar 1506.<br \/> \tEin weiteres Theillibell zur Einigung &uuml;ber Zelking, Weinberg, Sierndorf und Leonstein notiert KERN f&uuml;r das Jahr 1510. Es ist dies das Jahr der Losl&ouml;sung der v&auml;terlichen G&uuml;ter vom Lehensband durch Kaiser Maximilian.<br \/> \tDie mit dem freien Eigen einhergehenden Rechte und Einnahmequellen f&uuml;r die jeweiligen Grundherren k&ouml;nnten ein Motivationsgrund f&uuml;r den Versuch einer endg&uuml;ltigen Erbteilung sein. &Uuml;ber den Inhalt dieser Vertr&auml;ge gibt das Inventar leider keinen Aufschluss. Das endg&uuml;ltige Verhandlungsergebnis muss &uuml;ber andere Dokumente erschlossen werden. So wird der am 23. Dezember 1513 durch Kaiser Maximilian abgefasste Lehensbrief &bdquo;um die Feste Grafendorf cum appertinentiis sammt anderen G&uuml;lten zur Herrschaft Sierndorf geh&ouml;rig&ldquo; auf Wilhelm und Wolfgang ausgestellt.<br \/> \tDie beidenj&uuml;ngeren Br&uuml;der hatten also vorerst die Herrschaft &uuml;ber Sierndorf gemeinsam inne. Da ihnen, wie bereits zur Kenntnis gebracht, im Testament des Vaters urspr&uuml;nglich die Ausbildung zum Priester beziehungsweise zum Hofmann angedacht worden war, ist diese geteilte Herrschaft bereits als immense Verbesserung ihrer Lebensumst&auml;nde anzusehen. Die sich &uuml;ber mehrere Jahre hinziehenden Verhandlungen legen nahe, dass es zu gr&ouml;&szlig;eren Differenzen bei der Aufteilung gekommen war. Ein weiteres Indiz daf&uuml;r ist folgendes Dokument vom 11. September 1511:<br \/> \tVertrag und aufgerichtete Ordnung zwischen den Herrn Hans, Veit, Wilhelm und Wolfgang von Zelking Br&uuml;dern, wegen aus der Erbeinigung vom 8.<br \/> \t49.) Vgl. Ebenda, S. 197.<br \/> \t50.) Vgl. Ebenda, S. 198.<br \/> \t51.) Vgl. Ebenda S. 198.<br \/> \t52.) Khainach\/ Peckhouen, Inventarium (zit. Anm. 2).<br \/> \t53.) Vgl. Kern, Regesten (zit. Anm.1), S. 198.<br \/> \tJ&auml;nner 1504 (zu Linz aufgerichtet) entstandenen Irrungen und Streitigkeiten durch Herrn Hans von Puchmeimb zu Herrn Landmarschallen in Oesterr. unter der Enns , Herrn Georgen von Rottall Freiherrn zu Talberg, und Herrn Sigmund und Hansen von Lamberg Ritter.<br \/> \tEs geht nicht eindeutig aus den &uuml;berlieferten Dokumenten hervor, zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Bedingungen Wilhelm die alleinige Gewalt &uuml;ber die Herrschaft Sierndorf erlangte. Allerdings nennt STARKENFELS weitere Vereinbarungen, die R&uuml;ckschl&uuml;sse auf die Umst&auml;nde der G&uuml;terteilung zulassen: &bdquo;Ein sp&auml;teres &Uuml;bereinkommen brachte den Veit in den Besitz von Grafendorf, der hiermit durch K&ouml;nig Ferdinand am 19. M&auml;rz 1520 belehnt wurde, w&auml;hrend Wolf zu Feste Zelking gelangte.&ldquo;<br \/> \tEs ist anzunehmen, dass mit Wolfs &Uuml;bernahme der Feste Zelking sein Anspruch auf Sierndorf erlosch. Der Zeitraum ist einzuschr&auml;nken auf nach 1513, dem Jahr der Belehnung Wilhelms und Wolfgangs durch Kaiser Maximilian, und vor 1518.<br \/> \tSTARKENFELS nennt den 16. Dezember 1518 als Sterbetag Wolfs. Dieses Datum l&auml;sst sich nicht durch die Aufzeichnungen im Inventarium best&auml;tigen, hier bleibt der Tod des j&uuml;ngsten der vier Gebr&uuml;der ungenannt, lediglich der Tag der Errichtung seines Testaments wird mit dem 27. April 1517 festgehalten. Somit w&auml;re Wilhelm sp&auml;testens mit dem Tod des Bruders im Jahr 1518 alleiniger Herr &uuml;ber Sierndorf.<br \/> \tNach Abschluss der Erbteilungen im Jahr 1510 verf&uuml;gte Wilhelm erstmals &uuml;ber die f&uuml;r eine Heirat unabdingbare &ouml;konomische Unabh&auml;ngigkeit. Vorerst teilten die beiden j&uuml;ngeren Br&uuml;der die Herrschaft Sierndorf zwar untereinander. Doch auch unter Bedachtnahme des Prinzips, dass das Zusammenleben zweier verheirateter Paare unter einem Dach auszuschlie&szlig;en<br \/> \t54.) KERN, Regesten (zit. Anm. 1). S. 198.<br \/> \t55.) STARKENFELS, Adel (zit. Anm. 9), S. 688.<br \/> \t56.) Ebenda, S. 688.<br \/> \t57.) KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 199.<br \/> \tsei, hatte Wilhelm wohl nun in punkto Heirat das Vorrecht des &Auml;lteren.<br \/> \tIngesamt ist anzumerken, dass das Ergebnis der jahrelangen Erbstreitigkeiten jedem Einzelnen der vier S&ouml;hne des Christoph von Zelking eine derart abgesicherte wirtschaftliche Basis einbrachte, dass einer Eheschlie&szlig;ung nichts im Wege stand.<br \/> \tDer zweit&auml;lteste Veit trat 1505 in den Stand der Ehe, der dritt&auml;lteste Wilhelm heiratete noch vor dem erstgeborenen Hans, der seine Magdalena von Pern erst 1514 zur Frau nahm, zuletzt verm&auml;hlte sich der viertgeborene Wolf im Jahr 1517.<br \/> \tDie von Wilhelm von Zelking zur Ehe auserkorene Dame war Margaretha von Sandizell, die Tochter des Hochprand von Sandizell und der Magdalena K&auml;ssler. Die im zur Di&ouml;zese Augsburg geh&ouml;rigen Schloss Sandizell in Oberbayern aufgewachsene junge Frau verlor im Jahr 1502 beide Elternteile. 1507 wurde das v&auml;terliche und m&uuml;tterliche Erbgut vertraglich geregelt.<br \/> \tMargaretha d&uuml;rfte die Zeit bis zum Erreichen ihrer Vollj&auml;hrigkeit als Hofdamenfrauenzimmer am Kaiserhof zugebracht haben, von wo sie Wilhelm von Zelking am 22. J&auml;nner 1511 in ihrem 18. Lebensjahr zur Gattin nahm. Die zweite Gemahlin Kaiser Maximilan I., Kaiserin Bianca Maria, lebte mit ihrem kleinen Hofstaat in Innsbruck. Darunter waren etwa 30 Hofdamen verschiedenen Standes, nach WISSGRILLS Aufzeichnungen war Margaretha wohl eine davon.<br \/> \tSomit kann davon ausgegangen werden, dass Wilhelm seine sp&auml;tere Gemahlin bei einem Aufenthalt in der Stadt Innsbruck kennenlernte.<br \/> \tLaut WIESFLECKERS Ausf&uuml;hrungen unterst&uuml;tze Maximilian die zeitgerechte Ausheirat der Damen des Frauenzimmers: &bdquo;Sie verg&auml;&szlig;en<br \/> \t58.) Vgl. BASTL, Adeliger Lebenslauf (zit. Anm. 14), S. 377.<br \/> \t59.) Vgl. STARKENFELS, Adel (zit. Anm.9), S. 688f.<br \/> \t60.) Vgl. B. EULER-ROLLE u.a., Schloss Weinberg im Land ob der Enns, M&uuml;nchen 1991, S. 44.<br \/> \t61.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 198.<br \/> \t62.) Vgl. WISSGRILL, Genealogische Collectanen (zit. Anm. 11), S. 77.<br \/> \t63.) WIESFLECKER, &Ouml;sterreich (zit. Anm. 44), S. 278.<br \/> \tsonst auf das Heiraten; es entstehe ein Hof aus alten Weibern, welche f&uuml;r die Ehe nicht mehr zu gebrauchen seien &hellip;&ldquo;<br \/> \t1513, zwei Jahre nach der Eheschlie&szlig;ung unterzeichnete Wilhelm von Zelking seiner Gemahlin Margaretha von Sandizell einen Vermachtsbrief.<br \/> \tDie Ehe der beiden war mit gro&szlig;em Kinderreichtum gesegnet. Wilhelm verzeichnete die Namen und Geburtsdaten seiner Nachkommen eigenh&auml;ndig. Von 1512 bis 1534 schenkte Margaretha insgesamt 16 Kindern das Leben. Zwei starben noch in ihrem ersten Lebensjahr, nur die H&auml;lfte sollte den Vater &uuml;berleben. Wie die Datierungen an den Ausstattungsst&uuml;cken der Schlosskapelle belegen, widmete er die auf seine Eheschlie&szlig;ung und Familiengr&uuml;ndung folgenden Jahre der Umgestaltung und dem teilweisen Neubau der Sierndorfer Schlossanlage. Trotz der generell guten Quellenlage hat sich im Bezug auf die Bauarbeiten lediglich die Erw&auml;hnung eines einzigen Stiftsbriefes aus dem Jahr 1518 erhalten: &bdquo;Ein pergamener Stiftsbrief zum Gotteshause im Schlosse Sierndorf von Frau Anna, Herrn Hansen von Kuenring gelassen Wittib.&ldquo; Es war die kinderlose Schwester des Schlossherrn die diese Stiftung vornahm. Eine ausf&uuml;hrliche Auseinandersetzung mit der Neugestaltung des Kapellenraumes erfolgt im Unterkapitel Baugeschichte.<br \/> \tWilhelm sollte in den folgenden Jahren bei Hof eine beachtliche Karriere machen. 1521 wurde er von Kaiser Karl V. bei der kaiserlichen Kr&ouml;nung zu Aachen zum Ritter geschlagen. Er wurde Hauptmann zu Hainburg und der<br \/> \t64.) WIESFLECKER, Kaiser Maximilian (zit. Anm. 40), S. 390.<br \/> \t65.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 198.<br \/> \t66.) Ebenda, S. 195.<br \/> \t67.) Ebenda, S. 199. Ein und dieselbe Stiftung wurde auch unter ihrem ledigen Namen Anna von Zelking verzeichnet: &bdquo;Mer ein pergamener Ordnungsbrief, so von Frauen Anna von Zelking zu dem Gotteshaus Sierndorf ist gestiftet worden.&ldquo; Die beiden Aufzeichnungen tragen sogar dieselbe Inventarnummer.<br \/> \tr&ouml;misch k&ouml;niglichen Majest&auml;t geheimer Rat. 1530 war er unter den Depurtierten des Herrenstandes, welche die Nieder&ouml;sterreichischen Landesst&auml;nde zu Erzherzog Ferdinand nach Linz sandten. Schlie&szlig;lich erlangte er den Posten des Obristhofmeisters der verwitweten K&ouml;nigin Maria von Ungarn und nahm in dieser Funktion am Augsburger Reichstag von 1530 teil. Eine seiner amtlichen Reisen ist durch einen Eintrag in die Geburtenliste seiner Kinder besonders hervorgehoben. 1531 begleitete er Maria von Ungarn und B&ouml;hmen in die Niederlande. Seine hochschwangere Gemahlin reiste mit ihm und gebar am 9. Juli in Br&uuml;ssel den zweitj&uuml;ngsten Sohn Carl Ludweig. Es war &uuml;blich die Taufe m&ouml;glichst bald nach der Geburt zu feiern, denn man war davon &uuml;berzeugt, dass das Kind erst durch den Erhalte des Sakramentes in ein gottgef&auml;lliges Leben eintritt. Trotzdem versuchte man das Fest aufwendig zu gestalten und m&ouml;glichst prominente Paten zu gewinnen. Ein standesgem&auml;&szlig;er Pate bedeutete nicht nur ausgew&auml;hlte Taufgeschenke, sondern konnte ein Leben lang sch&uuml;tzend die Hand &uuml;ber das Kind halten und ihm helfend und korrigierend zur Seite stehen.<br \/> \tF&uuml;r Carl Ludweig konnten niemand geringerer als Kaiser Karl V. selbst und seine Schwester K&ouml;nigin Maria als Paten gewonnen werden.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">Kaiser Karl V.<br \/> \t<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/kaiser karl v.jpg\" style=\"width: 171px; height: 193px;\" \/><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\">Abbild vom <\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Kaiser Karl V. (<\/span><\/span><\/span>auf belgischer Briefmarke) <\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Diese namhaften Schirmherren sind die einzigen Paten die Wilhelm namentlich in seinem Verzeichnis nennt. Ihre Bereitschaft die Patenschaft zu &uuml;bernehmen, spricht f&uuml;r den Status den Wilhelm von Zelking zu diesem Zeitpunkt bereits erreicht hatte.<br \/> \tDas Verzeichnis der Lebensdaten der S&ouml;hne und T&ouml;chter endet mit dem Eintrag des Sterbedatums Wilhelms von Zelking: Ist gestorben mein lieber<br \/> \t68.) Vgl. WISSGRILL, Genealogische Collectanen (zit. Anm. 11), S. 76.<br \/> \t69.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 201.<br \/> \t70.) Vgl. BASTL, Adeliger Lebenslauf (zit. Anm.14), S. 382f.<br \/> \t71.) Vgl. KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 195.<br \/> \tHerr seliger den dritten Tag nach Marie Himmelfahrt im xli. Jar. Seine letzte Ruhest&auml;tte fand der Zelkinger in der Wiener Minoritenkirche. Der ihm zu Ehren aufgerichtete Grabstein trug die Inschrift:<br \/> \tAm Pfingsttag nach Maria Himmelfahrt im Jahr 1541 starb der wohlgeborene Herr Wilhelm von Zelking zu Sierndorf etc: der R&ouml;misch. K&ouml;nigl. Majest&auml;t Rath und Hauptmann zu Hainburg, dem Gott gnnad, der diese Begr&auml;bni&szlig; f&uuml;r ihn und all sein Geschlecht und Nachkommen, welche hier ihr Begr&auml;bni&szlig; haben wollen aufgerichtet.<br \/> \t72.) Ebenda, S. 195.<br \/> \t73.) Vgl. WISSGRILL, Genealogische Collectanen (zit. Anm. 11), S. 77.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">3. Beschreibung des Schlossumbaus unter Wilhelm von Zelking<br \/> \t<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">3.1. Baugeschichte<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Der Ort Sierndorf wird 1282 erstmals als Syrndorf urkundlich erw&auml;hnt. Das Schloss geht auf die Herren von Sierndorf, die &uuml;ber drei Generationen die Ortsgeschichte pr&auml;gten zur&uuml;ck. Die Schlosskapelle Sierndorf und somit auch das Schloss Sierndorf werden erstmals in einem Messestiftsbrief des Jahres 1313 urkundlich belegt. Eine Stiftung des Siegfried von Sierndorf, sowie seiner Gattin Katharina und deren Kindern Konrad und Elsbeth erfolgte zugunsten des &bdquo;unser Frauen-Gotteshauses zu Sierndorf&ldquo;. Anhand des genannten Patroziniums ist auszuschlie&szlig;en, dass sich die Stiftung auf die bis ins Jahr 1783, auf dem Gebiet des heute noch bestehenden Friedhofes, befindliche Pfarrkirche bezog. Diese war n&auml;mlich dem hl. Johannes Baptist geweiht, die Schlosskapelle jedoch der Gottesmutter. 1313 bestanden demnach in Sierndorf sowohl das Schloss, als auch die Schlosskapelle.<br \/> \tDer Priester und Heimatforscher Karl KECK bem&uuml;hte sich darum, die wechselhaften Besitzverh&auml;ltnisse in der Geschichte des Sierndorfer Schlosses nachzuvollziehen und ver&ouml;ffentlichte seine Studien 1933 in einem Artikel des Neuen Wochenblattes.<br \/> \tF&uuml;r die Zeitspanne bis zum Erwerb der Herrschaft<br \/> \t74.) Vgl. A. BECKER, Heimatkunde von N&Ouml;, Bd. 2, Wien 1925 S. 25.<br \/> \t75.) K. KECK, Heimatbuch des politisches Bezirkes Korneuburg. Gerichtsbezirke Korneuburg und Stockerau, 1, Korneuburg 1957, S. 472.<br \/> \t76.) Vgl. N&Ouml;LA, Privaturkunden 86.<br \/> \t77.) Vgl. K. KECK, Die Schlosspfarrkirche Mari&auml; Geburt und die alte Pfarrkirche zum hl. Johannes dem T&auml;ufer zu Sierndorf, in: Unsere Heimat, 9, Wien 1936, S. 357<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">362.<br \/> \t78.) K. KECK, Sierndorf. Gewidmet den Teilnehmern am Ausflug des Vereines f&uuml;r Landeskunde und Heimatschutz in Nieder&ouml;sterreich, in: Neues Wochenblatt, o. O. 14. Oktober 1933. Mit Konrads Sohn Leopold, der vor 1379 verstorben ist, erlosch das Geschlecht (der Sierndorfer) und die Kinder von Leopolds Schwestern, deren eine mit Albero von Sunberg, deren andere mit Hans von Kaja verm&auml;hlt waren, erbten und teilten das reiche Gut.<br \/> \tDie westliche H&auml;lfte mit dem Herrschaftssitze Unterparschenbrunn und dem Kirchenlehen von Oberhautzenthal fiel den Sunnbergern zu, die ihn 1379 an die Dossen weitergaben. Wie die andere H&auml;lfte in die H&auml;nde der Floit, die Sierndorf 1376 besitzen, kam ist unbekannt. &hellip; Um 1400 war die reiche Wiener B&uuml;rgerfamilie der Tirna im Besitze der Feste Sierndorf und als Patronatsinhaberin der Pfarrkirche. 1490 f&auml;llt Sierndorf durch kaiserliche Belehnung Paul Hundshaimer Sierndorf durch die Zelkinger gibt es keinerlei Aufzeichnungen &uuml;ber eventuell stattfindende Baut&auml;tigkeiten. Wilhelm von Zelkings Engagement f&uuml;r die<br \/> \tNeugestaltung der Herrschaft Sierndorf war wohl sehr umfassend. Schriftliche Belege f&uuml;r von ihm get&auml;tigte Auftr&auml;ge haben sich bis in die heutige Zeit leider ebenfalls nicht erhalten. Allerdings l&auml;sst eine eingehende Betrachtung des &uuml;berlieferten Kunstschatzes, kombiniert mit den an den Ausstattungst&uuml;cken angebrachten Datierungen, eindeutige R&uuml;ckschl&uuml;sse auf den Bauherrn Wilhelm von Zelking und seine Zeit zu.<br \/> \tDie wohl &auml;lteste erhaltene Abbildung der Sierndorfer Schlossanlage ist der mit 1672 datierte Kupferstich des Georg Matth&auml;us VISCHER79.<br \/> \tVISCHER zeigt das Schloss umgeben von Wall und Graben, die vier Ecken des Walles werden durch kreisrund hervortretende Bastionen verst&auml;rkt. Eine &uuml;ber den Graben f&uuml;hrende Br&uuml;cke und ein stark befestigtes Tor markieren den Eingang. Hinter diesem Befestigungswerk erhebt sich eine regelm&auml;&szlig;ige, vierfl&uuml;gelige Anlage in drei Gescho&szlig;en. Die Nordostecke des Baus wird durch einen schr&auml;g gestellten hervorspringenden Bauk&ouml;rper betont. Ein Turm mit kr&ouml;nender Statuette kennzeichnet die Lage der Schlosskapelle im linken vorderen Trakt.<br \/> \tUnabh&auml;ngig vom Wahrheitsgehalt der Vischerschen Kupferstiche muss man sich vor Augen f&uuml;hren, dass diese Abbildung etwa eineinhalb Jahrhunderte nach dem Wirken Wilhelm von Zelkings und &uuml;ber drei Jahrhunderte vor der heutigen Zeit entstand. &Uuml;ber den tats&auml;chlichen Umfang der Auftr&auml;ge des Zelkingers kann der Stich daher keine Auskunft geben. Die vollst&auml;ndige Neugestaltung der Kapelle in den Jahren nach 1500, sowohl im Bereich der zu, dessen Familie es von den Tirna im Falle Abganges ohne m&auml;nnliche Erben vermacht worden war. Eine Zeit lang war auch Christoph der Malzkasten, der die Witwe eines Tirnas ehelichte Mitbesitzer; er kaufte 1481 das nahe Dorf Zissersdorf ganz auf. Mit den Zelkingern, die Sierndorf um 1500 erwarben, beginnt f&uuml;r Sierndorf die Glanzzeit.<br \/> \t79.) Vgl. J. A. SCHULLER (Hg.), Topographia Archiducatus Austriae inferioris modernae. G. M. Vischer, Graz 1976, S. 345\/80.<br \/> \tArchitektur als auch bei der Innenausstattung, ist aufgrund des guten Erhaltungszustandes bis heute nachweisbar. Inwieweit Wilhelm von Zelking auch die &uuml;brigen Bereiche des Schlosses erneuern lie&szlig;, ist durch reine Stilanalyse aufgrund zahlreicher sp&auml;terer Umbauten nur schwer kl&auml;rbar und w&auml;re Inhalt einer eigenen ausf&uuml;hrlichen Befassung. Nichts desto trotz legen die im Kapitel 6.3.1. besprochenen Entwicklungen in der adeligen Baukunst nach 1500 eine Erneuerung der gesamten Anlage nahe. So war die Umgestaltung der mittelalterlichen, stark befestigten Burgen und Schl&ouml;sser zu repr&auml;sentativen Landsitzen eine der Hauptaufgaben des adeligen Bauens. Vor allem auch spielten die Bequemlichkeit und die Wohnlichkeit der R&auml;ume eine gro&szlig;e Rolle, was auf eine entsprechende Umgestaltung des Wohntraktes hinweist. Der gut situierte und gebildete Adelige, als den man Wilhelm beim Studium seines Lebenslaufes kennenlernt, wird dieser Entwicklung wohl Rechnung getragen haben. Sein noch n&auml;her zu besprechender feiner Kleidungsstil und der wertvolle Schmuck, den er und seine Frau tragen, lassen ebenfalls auf eine zeitgem&auml;&szlig;e Wohnkultur schlie&szlig;en.<br \/> \tEva BERGER sch&auml;tzt in ihrem Beitrag zum Ausstellungskatalog &bdquo;Adel im Wandel&ldquo; die Bauvorhaben Wilhelms von Zelking folgenderma&szlig;en ein: &bdquo;Als beliebter Bautypus f&uuml;r Neubauten auch anstelle &auml;lterer Vorg&auml;ngerbauten wird w&auml;hrend des 16. und 17. Jahrhunderts die Kastellform gew&auml;hlt. Noch unregelm&auml;&szlig;ig, auf &auml;lteren Grundmauern errichtet wird nach 1516 unter Wilhelm von Zelking das ehemalige Wasserschloss Sierndorf.&ldquo; Die angesprochene Kastellform wird einerseits durch den VISCHERSCHEN Stich belegt, andererseits haben sich im Kern der Anlage bis heute teilweise die mittelalterlichen Grundmauern und die geb&ouml;schten Au&szlig;enmauern erhalten. Sie erlauben den Schluss auf die unregelm&auml;&szlig;ige Kastellform der<br \/> \t80.) E. BERGER, Adelige Baukunst, Adelige Baukunst im 16. und 17. Jahrhundert, in: Ausst. Kat., Adel im Wandel, Rosenburg 1990, S. 120.<br \/> \tmittelalterlichen Anlage.&nbsp; Die Datierung des Umbaus auf das Jahr 1516 ist allerdings als unzureichend anzusehen. Datierungen an der evangelienseitigen Empore der Kapelle weisen auf das Jahr 1516 hin, die baulichen Ma&szlig;nahmen m&uuml;ssen dementsprechend in den Jahren zuvor erfolgt sein. 1516 kennzeichnet somit wohl den Abschluss der baulichen T&auml;tigkeiten, die in den Jahren zuvor stattgefunden haben. Theoretisch m&ouml;glich w&auml;re ein Beginn der Arbeiten ab der &Uuml;bernahme der Herrschaft durch Wilhelm von Zelking im Jahr 1505. Bedenkt man jedoch die Erbstreitigkeiten der folgenden Jahre, so erscheint ein sp&auml;terer Zeitpunkt eher plausibel. Die vollst&auml;ndige &ouml;konomische Unabh&auml;ngigkeit des Bauherrn ist sp&auml;testens mit 1511, dem Jahr seiner Eheschlie&szlig;ung, anzusetzen. Diese Schlussfolgerungen stimmen mit der erstmals bei Karl KECK vorgenommenen Datierung des<br \/> \tBaus in die Zeit von 1511 bis 1516 &uuml;berein, die fortan gerne &uuml;bernommen wurde. KECK notierte &bdquo;Um 1511 wurde sie [die Schlosskapelle] in die jetzige Gestalt gebracht und 1516 bzw. 1518 mit ihrem einzigartigem Innenschmucke, den beiden Emporen, dem Hochaltare und dem Taufsteine versehen.&ldquo;<br \/> \tDen deutlichsten Unterschied der heutigen Schlossanlage zum VISCHERSCHEN Stich markiert das Fehlen der sch&uuml;tzenden Erdwerke.<br \/> \tBis ins Jahr 1846 war das Schloss von W&auml;llen umgeben.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/sierndorf.jpg\" style=\"width: 338px; height: 220px;\" \/><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Sierndorf<\/span><\/span><br \/> \t<\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span>Abbildung von Georg Matthaeus Vischer <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span>Topographia Austriae inferoris <\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">1672<\/span><\/span><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"> <span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span>(&copy; Archiv Verlag, Reprint 2004) <\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Der einschiffige Saalraum der Schlosskapelle im S&uuml;dosten der Anlage hat sich bis heute erhalten, im Laufe der Jahrhunderte kam es jedoch zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz. In der VISCHERSCHEN Ansicht wird die Lage der Kapelle nach au&szlig;en hin durch einen Turm gekennzeichnet.<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">81.) Vgl. W. BUCHOWIECKI, die gotischen Kirchen in &Ouml;sterreich, Wien 1952, S. 392.<br \/> \t82.) K. KECK, Schloss-Pfarrkirche &bdquo;Maria-Geburt&ldquo; zu Sierndorf an der Nordwestbahn, Stockerau 1936, S. 1.<br \/> \t83.) Vgl. K. KECK, Heimatbuch (zit. Anm. 66), S. 475. nach dem 1945 verschollenen Manuskript des Schuldirektors Anton SCHWARZ.<br \/> \tDieser musste 1878 wegen Bauf&auml;lligkeit geschliffen werden. <\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> Eine historische Fotografie des 19. Jahrhunderts zeigt die Wirkung des Baus mit bestehender Turmanlage. Hier fehlt allerdings bereits die bekr&ouml;nende Marienstatue. Im Unterschied zum heutigen Erscheinungsbild unterscheiden sich bei VISCHER die Fenster jenes Traktes, hinter dem sich die Kapelle verbirgt, nicht von jenen am &uuml;brigen Bau. Im Zuge der 1896 stattfindenden Gesamtrestaurierung unter der Leitung des Regierungsrates Camillo Sitte kamen die auf der Epistelseite aufgefundenen Ma&szlig;werkfenster auf die Ostseite.<br \/> \tHeute kennzeichnen diese vier zweibahnigen Fenster den Standort der Kirche nach au&szlig;en hin. Auf einer weiteren historischen Aufnahme, einen Einblick in den Altarraum zeigend, ist, in die S&uuml;dwand hinter dem Hochaltar eingelassen, deutlich ein hochrechteckiges durch Sprossen unterteiltes Fenster erkennbar. Diese Fensterform k&ouml;nnte einen Anhaltspunkt f&uuml;r das Aussehen der Ostfassade vor der Renovierung 1896 geben. Dass auch die Ostfassade bereits vor der Neugestaltung 1896 Fenster&ouml;ffnungen aufwies, belegt &ndash; &uuml;ber den VISCHERSCHEN Stich hinaus &ndash; die vorliegende Fotografie. Am linken Bildrand, wird die Fensterlaibung des vordersten Fensters der Ostwand angeschnitten, die Form der Laibung entspricht derer des Fensters im Chorraum. Datierbar ist diese Aufnahme in die Jahre nach der Wiederentdeckung des Hochaltares durch SACKEN 1881.<br \/> \tW&auml;hrend des vorangehenden Jahrhunderts war der, hier mit ge&ouml;ffneten Seitenfl&uuml;geln pr&auml;sentierte, Altar hinter einem barocken Holzverbau verborgen. Da der endg&uuml;ltige R&uuml;ckbau des Altares erst unter der Leitung von Camillo SITTE<br \/> \t84.) Vgl. K. KECK, Die Schlosskirche Maria-Geburt und die alte Pfarrkirche zum hl. Johannes dem T&auml;ufer zu Sierndorf, In: Beitr&auml;ge zur Wiener Di&ouml;zesangeschichte, 3, Wien 1977, S. 29.<br \/> \t85.) Eine handschriftliche Notiz im Nachlass des Pfarrers Karl KECK, aufbewahrt im Archiv der Erzdi&ouml;zese Wien, gibt dazu folgenden Hinweis: Die Madonna vom abgerissenen Kirchturm befindet sich nun im Schloss Mooskam in der Steiermark.<br \/> \t86.) Vgl. KECK, Die Schlosskirche (zit. Anm. 75), S. 29.<br \/> \t1898 erfolgte, liegt die Vermutung nahe, dass dieses Foto im Zuge der Restaurierungsarbeiten, nach &Ouml;ffnung des Altares, jedoch vor dem Umbau der Fenster entstand. Die Restaurierung von 1896 war aufgrund des schadhaften Deckengew&ouml;lbes notwendig geworden. Vor der Restaurierung wurde der Saalraum von einem in vier Joche unterteilten Netzrippengew&ouml;lbe &uuml;berspannt. Aus baustatischen Gr&uuml;nden erh&ouml;hte Maurermeister Holdhaus aus Stockerau das Gew&ouml;lbe um einen halben Meter. Im VISCHERSCHEN Stich bilden Dachfirst von Kapelle und Schloss eine einzige durchgehende Linie, heute gibt es einen deutlichen Niveauunterschied. Allerdings bestand dieser Unterschied bereits vor 1878, wie die Abbildung des Schlosses vor Abbruch des Turmes zeigt.<br \/> \tEventuell hat es sich auch bei dem schadhaft gewordenen Gew&ouml;lbe nicht um die urspr&uuml;ngliche Deckengestaltung gehandelt. SACKEN verfasste seine Beschreibung der Schlosskapelle im Jahr 1881, also &uuml;ber ein Jahrzehnt vor der Generalsanierung durch Camillo SITTE und erkannte schon damals Unstimmigkeiten im Gesamtkonzept: &bdquo;Die Rippen der zusammengesetzten Kreuzgew&ouml;lbe ohne Schlusssteine korrespondieren nicht mit den Halbs&auml;ulen, sondern steigen aus den Hohlkehlen zwischen diesen auf, welche zu diesem Zwecke konsolenartige, flache Tr&auml;ger haben; sie sind mager, gratig profiliert und die Gew&ouml;lbe geh&ouml;ren vielleicht einer sp&auml;teren Restauration an.&ldquo;<br \/> \t87.) Vgl. C. SITTE, Notizen: Sierndorf, in: Monatsblatt des Altertumsvereines zu Wien, 10, 13, Wien 1896, S. 75.<br \/> \t88.) Di&ouml;zesanarchiv des Erzbisch&ouml;flichen Ordinariates Wien, Am 9. Juli 1896 schrieb Sierndorfs Pfarrer Franz Kratochwill an das Ordinariat: In der Pfarrkirche Sierndorf ist das Deckgew&ouml;lbe derart schadhaft geworden, dass eine Neuherstellung dringend notwendig ist. Der Patron der Kirche Herr Franz Graf zu Colloredo &ndash; Mannsfeld will auf seine Kosten durch den Architekten Regierungsrat Camillo Sitte in Wien das Gew&ouml;lbe in entsprechender Weise neu herstellen und bei dieser Gelegenheit auch das Innere der Kirche einer vollst&auml;ndigen Renovierung unterziehen lassen.<br \/> \tVgl. C. SITTE, Notizen: Sierndorf, in: Monatsblatt des Altertumsvereines zu Wien, 10, 13, Wien 1896, S. 75. und Vgl. C. SITTE, Notizen: Sierndorf, in: Monatsblatt des Altertumsvereines zu Wien, 1, 14, Wien 1897, S. 90.<br \/> \t89.) Vgl. KECK, Schlosspfarrkirche, (zit. Anm. 77), S. 359.<br \/> \t90.) E. SACKEN, &Uuml;ber einige wenig bekannte Kunstdenkmale des sp&auml;ten Mittelalters und der Fr&uuml;h-Renaissance in Nieder&ouml;sterreich, in: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereines zu Wien, 20, Wien 1881, S. 119.<br \/> \tDer Chorabschluss ist dreiseitig, au&szlig;en aber flach. An den L&auml;ngsmauern befinden sich je drei Wandpfeiler jeder in Form eines halben Achtecks die das Gew&ouml;lbe tragen. Die Kanten der Pfeiler sind mit je vier Halbs&auml;ulchen besetzt, welche eine gemeinschaftliche Basis besitzen. Ein oberer Abschluss durch Kapitelle fehlt g&auml;nzlich, die Halbs&auml;ulchen sind lediglich durch den hervortretenden Mauerk&ouml;rper verbunden. So erscheinen die einzelnen Felder des Polygons wie lang gezogene Rahmen.<br \/> \tUrspr&uuml;nglich war der Kapellenraum nur von der Hofseite aus betretbar.<br \/> \tNoch bis ins Jahr 1997 &ouml;ffneten sich zwei Durchg&auml;nge zum Hof hin. Ein schulterbogiges, verst&auml;btes Portal f&uuml;hrt vom Altarraum aus in die heutige Sakristei, wo eine weitere T&uuml;r den Zugang zum Hof erm&ouml;glichte.<br \/> \tDa die Anr&auml;ume im Westen aus einer sp&auml;teren Bauphase stammen, gelangte man um 1500 wohl direkt in den Schlosshof. Seit dem Einbau einer Toiletteanlage 1997 ist dieser Durchgang verschlossen. Das zweite, profilierte Portal, wird &uuml;ber einen kurzen Gang im Nordwesten der Kirche erreicht und verbindet die Kapelle direkt mit dem Schlosshof. Diese sehr privaten Zug&auml;nge entsprechen der vom Bauherrn intendierten Nutzung der Schlosskapelle als reine Privatkapelle. Lediglich Familienmitgliedern, Angeh&ouml;rigen des Haushaltes und G&auml;sten des Hauses war das Betreten dieses Sakralraumes somit gestattet beziehungsweise m&ouml;glich. Die Untertanen feierten ihre Gottesdienste in der nur wenige hundert Meter entfernten Johanneskirche, die mitten im Ort auf dem Gel&auml;nde des heutigen Friedhofes stand. Erst &uuml;ber zwei Jahrhunderte nach dem Tod des Zelkingers wurden 1783 die Pfarrrechte auf die Schlosskapelle &uuml;bertragen. Ebenfalls ins 18.<br \/> \t91.) Vgl. L. SCHULTES, Meister des T&ouml;pferaltares (Sebastian Kriechbaum?). Wilhelm von Zelking und Margaretha von Sandizell, in: A. Rosenauer (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in &Ouml;sterreich. Sp&auml;tmittelalter und Renaissance, III, M&uuml;nchen 2003, S. 353.<br \/> \t92.) Grundriss BDA sh.<br \/> \t93.) Vgl. KECK, Schlosspfarrkirche Mari&auml;-Geburt(zit. Anm. 77), S. 361.<br \/> \tJahrhundert zu datieren ist die einzige &Ouml;ffnung der Schlosskapelle nach au&szlig;en hin, ein sp&auml;tbarockes Flachbogenportal.<br \/> \tSomit unterlag die sich nach au&szlig;en hin &ouml;ffnende S&uuml;dfassade im Laufe der Jahrhunderte einer kompletten Umgestaltung. Die heutige Au&szlig;enansicht mit Portal und vier Ma&szlig;werkfenstern divergiert deutlich vom Zustand des 16. und 17. Jahrhunderts, bei dem sich die Fassade der Schlosskapelle, nach den Angaben im VISCHERSCHEN Stich, nicht vom &uuml;brigen Bau abhob. An die Stelle des ehemaligen Turmes an der S&uuml;dostkante trat ein geb&ouml;schter Strebepfeiler. Im Inneren konnte die alte Wendeltreppe des Turmes erhalten bleiben. Diese wird &uuml;ber ein schmales Portal im Altarraum betreten.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">3.2. Die Choremporen<\/span><\/strong>&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">An den schr&auml;gen Abschlussw&auml;nden des Chorpolygons weisen sowohl auf der Evangelienseite als auch auf der Epistelseite offene Emporen in den Saalraum hinein. Die Empore an der Evangelienseite kann &uuml;ber die Treppe des ehemaligen S&uuml;dostturmes erreicht werden, die Empore an der Epistelseite wird &uuml;ber den angrenzenden S&uuml;dtrakt erschlossen. Beide Emporen ruhen auf reich gegliederten und in ihrer Gestaltung deckungsgleichen Kragsteinen. Ein mittig angeordnetes, vertikal verlaufendes steinernes Band teilt die jeweilige Schaufront der Konsole in zwei Felder. In jedem dieser Felder sind zwei in die L&auml;nge gezogene Fischblasen gegengleich, sowie leicht versetzt &uuml;bereinander angeordnet. Das linke Feld stellt ein Spiegelbild des rechten dar wie auch umgekehrt. Jede der Schmalseiten wird von zwei weiteren lang gezogenen Fischblasen gebildet, die wie Bl&uuml;tenkelche von unten nach oben aufstreben.<br \/> \tWalter BUCHOWIECKI beschreibt diese Gliederungselemente als &bdquo;lappenf&ouml;rmige Rippenanl&auml;ufe, die ein wenig an die Bildung des Orgelfu&szlig;es in St. Stephan in Wien erinnern.&ldquo;<br \/> \tTats&auml;chlich lassen vor allem die aufstrebenden seitlichen Rippenkonfigurationen an die tief herabreichenden, trichterf&ouml;rmigen Gew&ouml;lbeanf&auml;nge an Pilgrams Orgelfu&szlig; denken, die G&uuml;nter BRUCHER mit der Form von Tennisschl&auml;gern zu umschreiben versucht hat. Diente f&uuml;r die Gestaltung der Kragsteine Pilgrams Orgelfu&szlig; von 1513 als Inspirationsquelle, so ist das Vorbild f&uuml;r die Oberfl&auml;chengestaltung der Seitenteile der Emporen in einem weiteren Werk aus dem Umkreis des Br&uuml;nner Meisters zu suchen. &bdquo;Einander durchdringende Zirkelschl&auml;ge ergeben hier verkn&uuml;pfte Kreise oder, je nach Lesart, vierteilige Schleifensterne&ldquo;, so beschreibt BRUCHER das Ma&szlig;werk.<br \/> \tDiese geometrischen Konstruktionen verweisen eindeutig auf die Zeichnung Ak. 16981 aus dem Planarchiv der Wiener Dombauh&uuml;tte, einen Riss, den Rupert FEUCHTM&Uuml;LLER 1951 Meister Anton Pilgram zuschrieb und der ehemaligen Durchfahrtshalle des ehemaligen nieder&ouml;sterreichischen Landhauses in Herrengasse zuordnet.<br \/> \tFEUCHTM&Uuml;LLER weist erstmals auf die mit diesem Riss &uuml;bereinstimmenden Gestaltungsmotive an den Sierndorfer Emporen hin. Sind seit Goetz FEHRS Befassung 1961 auch FEUCHTM&Uuml;LLERS Zuschreibung der Durchfahrtshalle an Pilgram, wie auch die durch ihn vorgenommene Datierung derselben in die Jahre 1513<\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"font-size: 14px;\">1516 in Zweifel gezogen, so k&ouml;nnen die &Uuml;bereinstimmungen bei der Gestaltung der Gew&ouml;lbe des ehemaligen Landhauses mit der bei den Sierndorfer Emporen nicht geleugnet werden. Die einzige Abweichung der Sierndorfer Zirkelformationen von der<br \/> \t94.) BUCHOWIECKI, Die gotischen Kirchen (zit. Anm. 81), S. 392.<br \/> \t95.) Vgl. G. BRUCHER, Architektur von 1430 bis 1530, in: A. ROSENAUER (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in &Ouml;sterreich. Sp&auml;tmittelalter und Renaissance, 3, M&uuml;nchen 2003, S. 207.<br \/> \t96.) Ebenda, S.205.<br \/> \t97.) Vgl. R. FEUCHTM&Uuml;LLER, Sp&auml;tgotische Architektur und Anton Pilgram. Gedanken zu neuen Forschungen, Wien 1951, S. 18f.<br \/> \t98.) Vgl. G. FEHR, Benedikt Ried. Ein deutscher Baumeister zwischen Gotik und Renaissance in B&ouml;hmen, M&uuml;nchen 1961, S. 106.<br \/> \tvorliegenden Planzeichnung ist deren Gliederung in einzelne Felder. So umfasst die Schaufront der epistelseitigen Empore vier Felder, die Seitenteile sind in je zwei Abschnitte unterteilt. Jedes Feld enth&auml;lt einen zentral angeordneten, vollst&auml;ndigen Zirkelschlag und vier weitere angeschnittene Kreise. Diese &ouml;ffnen sich oberhalb beziehungsweise unterhalb des zentralen Kreises, seitlich versetzt zur jeweiligen Au&szlig;enseite des Feldes hin. So entstehen in jedem Feld zwei &uuml;bereinander angeordnete vierteilige Schleifensterne. Die Seitenteile der evangelienseitigen Empore entsprechen gleicherma&szlig;en dem eben beschriebenen Muster.<\/p>\n<p> \t<strong> <\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">Die Portr&auml;tb&uuml;sten aus der Schlosskapelle in Sierndorf<\/span><\/strong><br \/> \t<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/sierndorf bste.jpg\" style=\"width: 245px; height: 164px;\" \/><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\">Bildrechte bei Herrn Robert Holler\/Stockerau (freundlicherweise und kostenlos zur Verf&uuml;gung gestellt!)<\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"> <\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">3.3. Die Portr&auml;tb&uuml;sten<\/span><\/strong>&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Eindrucksvoll zeigt sich nun die Gestaltung der Schaufront. Hier sind zwei viereckige, wie ein Doppelfenster ausgebildete Nischen ins Ma&szlig;werk eingef&uuml;gt. Dadurch wird der Eindruck eines geschlossenen Oratoriums vermittelt. In jeder der Nischen von 84 Zentimeter H&ouml;he und 70 Zentimeter Breite ist eine lebensgro&szlig;e Halbfigur untergebracht.<br \/> \tWie auch bei den &uuml;brigen Ausstattungsst&uuml;cken der Schlosskapelle handelt es sich beim Material der Plastiken um Kalksandstein. Der Stein ist bis heute in der urspr&uuml;nglichen Bemalung mit Temperafarbe gefasst. Die linke, m&auml;nnliche B&uuml;ste zeigt den Bauherrn Wilhelm von Zelking, die rechte, weibliche B&uuml;ste seine Gattin Margaretha von Sandizell. Die eindeutige Zuordnung der beiden ergibt sich durch die doppelt angebrachte Datierung. Unterhalb der linken Nische ist die Jahreszahl 1516 in den Stein eingemei&szlig;elt, unterhalb der rechten mit Farbe aufgetragen. Somit f&auml;llt die Ausf&uuml;hrung der Skulpturen eindeutig in die Zeit des Lebens und Wirkens des Wilhelm von Zelking.<br \/> \t99.) Vgl. H. SEIBERL, Die Plastik des fr&uuml;hen 16. Jahrhunderts in Wien und Nieder&ouml;sterreich, Wien 1935, S. 14.<br \/> \tBeide B&uuml;sten sind bis auf geringf&uuml;gige Besch&auml;digungen an den Kopfbedeckungen und an den Rosenkr&auml;nzen, die sie in H&auml;nden halten, vollkommen intakt. Lediglich die weibliche B&uuml;ste hat eine kleine schadhafte Stelle an der Nasenspitze. Die Halbfiguren werden fast bis zur K&ouml;rpermitte mit beiden Armen gezeigt. In eine fast v&ouml;llige Frontalansicht gestellt, bilden die auf die Fensterbr&uuml;stung aufgelegten Unterarme die Basis der Figuren. Schulterpartien und K&ouml;pfe sind vollplastisch gearbeitet und nur durch Stege mit der R&uuml;ckwand der Nische verbunden. In diese sind sie so tief eingelassen, dass sie nur ein wenig aus der Umrahmung hervorragen. Dabei neigen die beiden Eheleute ihre Oberk&ouml;rper kaum merklich nach vorne und erwecken dadurch den Anschein, als w&uuml;rden sie knien. Die B&uuml;sten sind demnach so in die Rahmung eingef&uuml;gt, als w&uuml;rde das Ehepaar auf der Empore kniend durch die angedeuteten Fenster&ouml;ffnungen in die Kapelle blicken, die Illusion des Scheinoratoriums ist somit perfekt. Offenbar nehmen die Schlossherren gerade an einer kirchlichen Handlung teil. Die Rosenkr&auml;nze gleiten durch ihre H&auml;nde, sie scheinen zu beten.<br \/> \tDie K&ouml;rperhaltung der beiden ist &auml;hnlich. Die Armhaltung stimmt nahezu g&auml;nzlich &uuml;berein. Die Ellbogen und der jeweils linke Unterarm liegen breit auf der Unterlage auf, der rechte Unterarm wird jeweils dar&uuml;ber gelegt. Die Oberk&ouml;rper, sichtbar durch die abgesenkte innere Schulter, und noch viel deutlicher die K&ouml;pfe erscheinen leicht zueinander geneigt.<br \/> \tDie vollplastische Bearbeitung in Kombination mit der lebensnahen K&ouml;rperhaltung und dem klar definierten Existenzraum legen den Grundstein f&uuml;r die naturalistische Wirkung der B&uuml;sten. Verst&auml;rkt wird diese Wirkung durch die Darstellung zeitgen&ouml;ssischer Mode in Kleidung, Schmuck und Frisur. Wilhelm pr&auml;sentiert sich als stattlicher Mann in den besten Jahren, er war 1516 gerade 34 Jahre alt.<br \/> \tSeine<br \/> \t100.) Vgl. Ebenda S. 15.<br \/> \tGesichtsz&uuml;ge sind kr&auml;ftig, die Nase etwas krumm, die Lippen voll, das Inkarnat erscheint m&auml;nnlich dunkel. Wangen und Kinn sind glatt rasiert, ein dunkler Backenbart rahmt das Gesicht. Auf dem ebenfalls dunklen Haar sitzt eine Kopfbedeckung aus wei&szlig;em Stoff, &uuml;ber der Stirn wirkt der Stoff nach oben umgeschlagen und durch ein blaues Dekorband befestigt. An den Seiten und r&uuml;ckw&auml;rts reicht die M&uuml;tze bis zu den Ohren hinab. Wilhelms Kleidung besteht aus einem roten Wams mit blauem Querbesatz &uuml;ber der Brust, der eckige Brustausschnitt gibt den Blick auf ein wei&szlig;es Hemd mit Stehkragen frei. Dar&uuml;ber tr&auml;gt der Schlossherr eine Schaube aus blauem Tuch. Das charakteristische M&auml;nnerobergewand der Renaissance ist vorne offen.<br \/> \tWilhelms Schaube besitzt einen hellen Umschlag an Kragen wie Schultern und weite, ausladende &Auml;rmel, die die Oberarme bis hin zum Ellbogen bedecken. Unterhalb wird wieder das rote Wams sichtbar. Um den Hals tr&auml;gt der Schlossherr eine breite, goldene Gliederkette, den Zeigefinger der rechten Hand schm&uuml;ckt ein Ring. In der Hand h&auml;lt er den Rosenkranz, die oberste der gro&szlig;en Kugeln wird zwischen Daumen und Zeigefinger sichtbar, die folgenden h&auml;lt er locker umfasst, die letzten Perlen des Rosenkranzes liegen auf dem sehnigen Handr&uuml;cken der linken Hand auf.<br \/> \tMargarethas zu ihrem Gatten hin geneigte K&ouml;rperhaltung erg&auml;nzt die Darstellung zu einem harmonischen Ganzen. Die beiden geben einander Halt. Eine einzelne Figur aus dem Zusammenhang genommen, w&uuml;rde das notwendige Gleichgewicht vermissen und zu kippen drohen. Erst beide B&uuml;sten gemeinsam machen die Darstellung vollst&auml;ndig. Das Inkarnat der Schlossherrin ist von nobler, femininer Bl&auml;sse und unterscheidet sich deutlich von der kr&auml;ftigen Hautfarbe ihres Mannes. Die Gesichtsz&uuml;ge erscheinen zarter, und obwohl jede einzelne Kontur hart nachgezeichnet wird <\/span><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash; <\/span><span style=\"font-size: 14px;\"> Backenknochen und Augenbrauenbogen treten stark hervor <\/span><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash; <\/span><span style=\"font-size: 14px;\"> wirkt das Gesamtbild feingliedrig und sanft. Der schmale Mund, die Augen und auch die Brauen sind mit einfachen, klaren Linien wiedergegeben. Margaretha ist ebenso wie ihr Mann in zeitgen&ouml;ssischer Tracht gekleidet und nach der neuesten Mode frisiert. Die jeweils vordersten Str&auml;hnen ihrer goldblonden Haare sind zu Z&ouml;pfen geflochten, die &uuml;brige Haarpracht wird von einer Calotte gehalten. Die netzartige Haube scheint mit Stickereien aus Goldf&auml;den versehen zu sein. Dar&uuml;ber tr&auml;gt die Schlossherrin eine flache, runde Kopfbedeckung &ndash; ein so genanntes Barett. Es wurde urspr&uuml;nglich als Zeichen der gebildeten St&auml;nde getragen. Den dunkelblauen Stoff zieren vorne goldene Sterne und an den Seiten flammende Sonnenscheiben. Margaretha ist etwas kleiner als ihr Ehegemahl und von zartem K&ouml;rperbau. Das dunkelblaue, eckig ausgeschnittene Kleid liegt eng am Oberk&ouml;rper an. Der schlanke Hals liegt frei. &Uuml;ber der Brust wurde ein breiter Querbesatz aus wei&szlig;em Tuch in den eckigen Ausschnitt eingef&uuml;gt. Diesen schm&uuml;ckt eine kostbare, durchbrochene Goldstickerei. An den beiden &auml;u&szlig;eren R&auml;ndern der Borte handelt es sich dabei jeweils um den gestickten Buchstaben W. Die mittlere Stickerei wird von der dar&uuml;ber liegenden starken Gliederkette aus Gold verdeckt. Die langen &Auml;rmel des Kleides reichen bis knapp &uuml;ber die Handgelenke. An den Schultern beziehungsweise den Ellbogen sind wei&szlig;e abgebundene Bauschen sichtbar, die Oberarme der &Auml;rmel weisen kreuzf&ouml;rmige Schlitze auf, die den Blick auf das darunter liegende wei&szlig;e Tuch freigeben. Die Form der Schlitze erinnert an die vierteiligen Schleifensterne des Emporenma&szlig;werkes. Wie auch beim Wams des Gemahls wirft der den Unterarm bedeckende Stoff des &Auml;rmels zahlreiche breite Falten. Zus&auml;tzlich zur bereits erw&auml;hnten Gliederkette tr&auml;gt die Schlossherrin einen imposanten Goldring um den Hals, dessen vielgliedriger und aufw&auml;ndig<br \/> \t101.) J. ZANDER-SEIDEL, Textiler Hausrat, Kleidung und Haustextilien in N&uuml;rnberg von 1500<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1650, M&uuml;nchen 1990, ohne Seitenangabe.<br \/> \tgestalteter Anh&auml;nger auf der blo&szlig;en Haut aufliegt. Die Finger Margarethas sind, im Gegensatz zu den grobknochigen H&auml;nden ihres Ehemannes, feingliedrig und weich. An Zeige- und Ringfinger der rechten, sowie an Zeige-, Ring- und kleinem Finger der linken Hand tr&auml;gt sie goldene Ringe. Der reiche Schmuck zeichnet sie als vornehme Dame aus. Die Kleidung der beiden entspricht dem deutschen Renaissancekost&uuml;m. Am Beginn der Neuzeit zeigte die Kost&uuml;msilhouette einen Menschen, der als Abbild Gottes seine neue selbstbewusste Erdgebundenheit mit einer klaren Abgrenzung seiner Individualit&auml;t verbindet. In der ersten H&auml;lfte des 16. Jahrhunderts lag der Schwerpunkt bei der Zurschaustellung des neuen Selbstbewusstseins.<br \/> \tAnnemarie B&Ouml;NSCH notiert dazu: &bdquo;Der Mensch, der das Kost&uuml;m des 16. Jahrhunderts tr&auml;gt, f&auml;llt zun&auml;chst durch seine imposante, fast pr&auml;potente Selbstsicherheit auf.&ldquo; Die selbstbewusste Erdgebundenheit wird laut B&Ouml;NSCH in den betonten horizontalen Linien des Kost&uuml;ms ausgedr&uuml;ckt: dem gerade sitzende Barett als oberem Abschluss, der geraden Oberkante des Wamses, der Verbreiterung der Schulterlinie &uuml;ber die anatomischen Gegebenheiten hinaus, sowie dem Haar- und Bartschnitt. Die zeitgem&auml;&szlig;e modische Kleidung der beiden Sierndorfer zeugt von ihrer Weltgewandtheit.<br \/> \tWilhelm von Zelkings vermutete Bildungsreise sowie der Kriegsdienst haben ohne Zweifel seinen Horizont erweitert. Stolz stellt er nun die erworbenen Umgangsformen zur Schau.<br \/> \tF&uuml;r eine vollst&auml;ndige Beschreibung der beiden Portr&auml;tb&uuml;sten muss auch der erhaltenen Inschrift Rechnung getragen werden. Wie bereits erw&auml;hnt ist die Jahreszahl 1516 doppelt und zwar in zweierlei Form angebracht.<br \/> \tBeide Datierungen befinden sich an der Hohlkehle der Sohlbank des<br \/> \t102.) Vgl. A. B&Ouml;NSCH, Adelige Bekleidungsformen zwischen 1500 und 1700, in: Ausst. Kat., Adel im Wandel, Rosenburg 1990, S. 169.<br \/> \t103.) Ebenda, S. 169.<br \/> \t104.) Vgl. Ebenda, S. 169f.<br \/> \tangedeuteten Doppelfensters. Die Datierung unterhalb Margarethas wurde, exakt auf die Mittelachse der rechten Nische ausgerichtet, mit dunkler Farbe aufgetragen. Jene unterhalb Wilhelms wurde, nach links von der Mittelachse der linken Nische versetzt, in den Stein gemei&szlig;elt. Die doppelte Datierung zeugt von dem Versuch des Schlossherrn, in Bezug auf die &Uuml;berlieferung des Entstehungsjahres seines lebensgetreuen Portr&auml;ts, eine doppelte Absicherung zu erhalten und somit f&uuml;r alle Zeiten identifizierbar zu bleiben. In diesem Zusammenhang muss noch einmal auf das von Wilhelm von Zelking eigenh&auml;ndig angefertigte Verzeichnis der Lebens- und Sterbedaten seiner Familienmitglieder hingewiesen werden, das eben jene eindeutige Identifizierung m&ouml;glich macht. Mit dieser schriftlichen Fixierung hoffte er wohl das ewige Ged&auml;chtnis zu erlangen. Niemals sollten die B&uuml;sten zu namenlosen Gesichtern herabkommen. Die unterschiedlichen Methoden der Anbringung der Ziffern an der Empore sichern das dauerhafte Fortbestehen derselben zus&auml;tzlich ab und spiegeln gleichzeitig die in der Ausf&uuml;hrung der Portr&auml;tskulpturen angewandten Kunstgattungen Steinplastik und Temperamalerei.<br \/> \tUnterhalb der wie ein Doppelfenster ausgebildeten Nischen, befand sich ein weiterer mit dem Pinsel aufgetragener Schriftzug. Die Reste der Farbe sind mit freiem Auge nur schwer erahnbar und die Lesbarkeit der Schriftzeichen ist v&ouml;llig verloren gegangen. Auf dem sehr beschr&auml;nkten Raum des Simses konnten wohl nur wenige Worte angebracht werden.<br \/> \tAus demZusammenhang der Memoria ergibt sich die These die Schlossherren h&auml;tten ihre eigenen Namen unterhalb der B&uuml;sten anbringen lassen. Um diese These &uuml;berpr&uuml;fen zu k&ouml;nnen, w&auml;re allerdings eine genaue chemische Untersuchung der Farbreste wie des Steinuntergrundes notwendig. An den linken Rand der Empore versetzt, mei&szlig;elte der bis heute nicht identifizierte ausf&uuml;hrende K&uuml;nstler seine Initialen in den Stein.&nbsp;<br \/> \tDie Bedeutung der, jeweilsdurch einen Punkt voneinander getrennten, Gro&szlig;buchstaben W.B.H.V. konnte bisher nicht entschl&uuml;sselt werden. Da sich die vorliegende Arbeit nicht mit der Frage nach der K&uuml;nstlerpers&ouml;nlichkeit auseinandersetzt, wird an dieser Stelle kein L&ouml;sungsversuch unternommen, eine entsprechende Recherche b&ouml;te Stoff f&uuml;r eine eigenst&auml;ndige Befassung. W. B. k&ouml;nnte f&uuml;r Vorname und<br \/> \tNachname des K&uuml;nstlers stehen, H.V. lie&szlig;e sich mit hoc fecit schl&uuml;ssig deuten.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">4. Forschungsstand<\/span><\/strong><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Existiert bisher auch keine Monographie zur Ausstattung der Sierndorfer Schlosskapelle, widmen ihr doch zahlreiche &Uuml;berblickswerke und einige Aufs&auml;tze ihre Aufmerksamkeit. Die wohl erste eingehende Befassung findet sich in den Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien aus dem Jahr 1881. Eduard Freiherr von SACKEN nimmt eine &auml;u&szlig;erst detaillierte Beschreibung der Portr&auml;tb&uuml;sten vor und konstatiert abschlie&szlig;end: &bdquo;Die beiden Bildnisse sind vollendete Kunstwerke, die in Deutschland wohl kaum ihresgleichen haben und den besten italienischen Arbeiten des fr&uuml;hen Cinque cento an die Seite gestellt werden k&ouml;nnen, voll Leben, von gesundem Realismus und mit ausgesprochener Portr&auml;t&auml;hnlichkeit. Die Natur ist in ihrer Einzelerscheinung frisch und urspr&uuml;nglich aufgefasst, ohne conventionelle Stylisierung, in der Wiedergabe frei von aller Manier.&ldquo;<br \/> \tEr verzichtet in der Folge auf jegliche Zuschreibung und nimmt auch keine Positionierung in eine bestimmte Werkgruppe vor. Sein Verdienst liegt vor allem in der Auffindung der Werke und ihrer Publikation f&uuml;r eine breite &Ouml;ffentlichkeit. Angeregt durch SACKENS wissenschaftliche Anerkennung der Bedeutsamkeit des Sierndorfer Ensembles f&uuml;r die Epoche, lie&szlig; der Eigent&uuml;mer der Anlage, Graf Colloredo-Mannsfeld, im Zuge der nur wenige Jahre nach SACKENS Ver&ouml;ffentlichung erfolgten Gesamtrestaurierung, das barocke Hochaltarbild, das den ebenfalls zu Ausstattung geh&ouml;rigen, vollst&auml;ndig erhaltenen, steinernen Fl&uuml;gelaltar verdeckte, entfernen. Erst die Freilegung erm&ouml;glichte die Gewinnung eines Gesamteindrucks &uuml;ber den Umfang der zelkingschen Stiftung, die neben den Emporen und dem<br \/> \t105.) E. SACKEN, Kunstdenkmale (zit. Anm. 90), S. 117<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">130.<br \/> \t106.) Vgl. KECK, Schlosspfarrkirche Mari&auml;-Geburt (zit. Anm. 77), S. 359.<br \/> \tHochaltar auch einen Taufstein und mehrere Seitenalt&auml;re, von denen leider nur ein einziger vor Ort erhalten blieb umfasst.<br \/> \tZwei Jahrzehnte sp&auml;ter r&auml;umt Herbert SEIBERL in seiner Dissertation zur Plastik des fr&uuml;hen 16. Jahrhunderts in Wien und Nieder&ouml;sterreich den Sierndorfer B&uuml;sten breiten Raum ein. Er besch&auml;ftigt sich vor allem mit der Frage der Zuschreibung und versucht durch Stilanalyse und Stilvergleich die Portr&auml;tb&uuml;sten mit Anton Pilgrams Arbeiten f&uuml;r den Wiener Stephansdom in Verbindung zu bringen: &bdquo;Der Zusammenhang mit Pilgrams Wiener Arbeiten zeigt sich schon in der Gesamtstimmung; auch hier herrscht die Pilgramsche Melancholie. Auch Pilgrams Handschrift scheint an den B&uuml;sten wiederzukehren, so dass sie als pers&ouml;nliche Arbeiten des Meisters anzusprechen sind.&ldquo; Bezug nehmend auf die Datierung ins Jahr 1516 r&uuml;ckt SEIBERL die B&uuml;sten ans Ende der bisher greifbaren Schaffenszeit Pilgrams, und findet darin eine m&ouml;gliche Erkl&auml;rung f&uuml;r den &ndash; seiner Meinung nach <\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> gegen&uuml;ber den Wiener Arbeiten fortgeschritteneren Stil: &bdquo;Der Fortschritt zeigt sich sowohl on der gr&ouml;&szlig;eren statischen Sicherheit, als auch in der betonteren K&ouml;rperf&uuml;lle. Unter den Kleidern dehnen sich die festen K&ouml;rperformen und auch die K&ouml;pfe sind etwas f&uuml;lliger und praller als in Wien. Die starke Massenballung (und auch die Verklammerung der einzelnen Teile) ist nun gemildert.&ldquo; Eine weitere Wurzel f&uuml;r den fortgeschrittenen Stil sieht SEIBERL in der hier gestellten Aufgabe des profanen Portr&auml;ts, bei welchem der herk&ouml;mmliche Stifterbildcharakter in den Hintergrund tritt, was f&uuml;r die Ausbildung der fr&uuml;hklassischen Elemente f&ouml;rderlich gewesen sein muss. Der von SEIBERL vorgenommenen Zuschreibung der B&uuml;sten an Anton Pilgram, als &bdquo;pers&ouml;nliche Arbeiten des Meisters&ldquo; widersprechen die an der<br \/> \t107.) SEIBERL, Die Plastik (zit. Anm. 99).<br \/> \t108.) Ebenda, S. 15.<br \/> \t109.) Ebenda, S. 16.<br \/> \t110.) Ebenda, S.15.<br \/> \tSierndorfer Empore erhaltenen Initialen W.B.H.V. von vorne herein. Das Monogramm Anton Pilgrams ist in der vorliegenden Buchstabenfolge unm&ouml;glich unterzubringen, man vergleiche dazu die Signatur des Meisters unterhalb des Wiener Orgelfu&szlig;es M.A.P 1513, sprich Meister Anton Pilgram 1513.<br \/> \tNur ein Jahr nach SEIBERL setzt sich Heinrich DECKER mit den Sierndorfer Werken auseinander. Er st&uuml;tzt seine &Uuml;berlegungen vor allem auf die Ergebnisse des Vorg&auml;ngers, Herbert SEIBERL, dem es in &uuml;berzeugender Weise gelungen sei, eine Wurzel der Entstehung der genannten Gruppe von Steinbildwerken in den Wiener Arbeiten des Meisters Anton Pilgram nachzuweisen. Seine Schlussfolgerungen sind daher mit entsprechender Skepsis zu betrachten. DECKER befasst sich insbesondere mit der bis heute im Original erhaltenen Fassung in Temperafarben und begr&uuml;ndet s&uuml;ddeutsche Einfl&uuml;sse mit der Vorbildwirkung der Pilgramschen Arbeiten: &bdquo;Hier wirkt unverkennbar die sp&auml;tgotische Tradition S&uuml;ddeutschlands fort. Das Resultat ist eine veristische Lebensn&auml;he, welche den vielfach typisierenden, einem Formenkanon sich unterwerfenden Gestaltungsweisen der Renaissance zuwiderlief, die aber gerade der prachtvoll sinnlichen, wesentlich plastischen Formauffassung des bajuwarischen Stammes durchaus entsprach.&ldquo;<br \/> \tEtwa zur selben Zeit publiziert der Priester Karl KECK im Rahmen der Schriftenreihe &bdquo;Unsere Heimat&ldquo; erstmals die Ergebnisse seiner Archivarbeiten. Deren Schwerpunkte sind die Besitzverh&auml;ltnisse rund um das Schloss Sierndorf, die Genealogien der Eigent&uuml;merfamilien und die Pfarrgeschichte. Auf die hieraus resultierenden Fakten greifen nachfolgende<br \/> \t111.) H. DECKER, Eine Madonna aus Sierndorf im Wiener Di&ouml;zesanmuseum, in: Mitteilungen aus den Di&ouml;zesanmuseen &Ouml;sterreichs, 2, o. O. 1936.<br \/> \t112.) Vgl. Ebenda, S. 108.<br \/> \t113.) Ebenda, S. 109.<br \/> \t114.) KECK, Schlosspfarrkirche Mari&auml;-Geburt (zit. Anm. 77), S. 357<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">362.<br \/> \tVer&ouml;ffentlichungen bis in die j&uuml;ngste Zeit immer wieder zur&uuml;ck. Auch die von ihm vorgenommenen Datierungen halten bis heute Stand. Mit den Nachfolgern Anton Pilgrams setzt sich Herbert SEIBERL 1937 auseinander116. F&uuml;r ihn bilden die Pilgramb&uuml;sten die Vorraussetzung f&uuml;r die Sierndorfer Portr&auml;ts: &bdquo;In ihrem Aufbau, in dem Streben nach sicherem Gleichgewicht schlie&szlig;en sie unmittelbar an jene an. Die Art, wie sich bei den Zelkingportr&auml;ts die H&auml;nde &uuml;berkreuzen, erinnert lebhaft an den Hieronymus von der Kanzel.&ldquo; Schrieb er die Sierndorfer B&uuml;sten in seiner Dissertationsschrift noch Meister Pilgram selbst zu, so spricht er nun von an die Arbeiten Pilgrams anschlie&szlig;enden Schulwerken. Die Erkenntnisse seiner beiden fr&uuml;heren Befassungen verarbeitet SEIBERL in seinem Beitrag zum 1938 erschienen Werk &bdquo;Die bildende Kunst in &Ouml;sterreich118&ldquo;: &bdquo;Die Beruhigung und das sichere Gleichgewicht der Figuren ist hier noch weiter entwickelt als bei Pilgram. Eine Reihe von Einzelbildungen und vor allem die gro&szlig;e &Auml;hnlichkeit im Ausdrucksm&auml;&szlig;igen beweisen die Herkunft der B&uuml;sten aus der Hand eines Pilgramsch&uuml;lers, der die herbe Art des Meisters ins Zarte, Wienerisch-Anmutige umbiegt.&ldquo;<br \/> \tKarl OETTINGER greift in seiner Befassung mit Anton Pilgram im Jahr 1951 auf die Forschungen RATHES und SEIBERLS zur&uuml;ck. Angelehnt an RATHE ordnet er die Sierndorfer Werke dem Meister des T&ouml;pfer-Altares zu, der um 1500<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">510 in Augsburg geschult wurde. OETTINGER unterstreicht auch die bei SEIBERL formulierte &Uuml;bernahme der Motive der<br \/> \t115.) Vgl. L. SCHULTES, Meister des T&ouml;pferaltars (Sebastian Kriechbaum?). Hochaltar, in: A. Rosenauer (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in &Ouml;sterreich. Sp&auml;tmittelalter und Renaissance, 3, M&uuml;nchen 2003, S. 353f.<br \/> \t116.) H. SEIBERL, Die Nachfolger Anton Pilgrams, Zeitschrift des Deutschen Vereines f&uuml;r K.-W., o. O. 1937, Heft 4, S. 113<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">130.<br \/> \t117.) Ebenda, S. 118.<br \/> \t118.) H. SEIBERL, Die &ouml;sterreichische Plastik von etwa 1400 bis zum Ausgange der Sp&auml;tgotik, in: K. Ginhart (Hg.), Die bildende Kunst in &Ouml;sterreich. Gotische Zeit (von etwa 1250 bis um 1530), Baden bei Wien 1938, S. 70ff.<br \/> \t119.) Ebenda, S. 86.<br \/> \t120.) K. OETTINGER, Anton Pilgram und die Bildhauer von St. Stephan, Wien 1951. 46<br \/> \tKirchenv&auml;terb&uuml;sten und des Orgelfu&szlig;bildnisses f&uuml;r die Sierndorfer Arbeiten.<br \/> \tAllerdings erkennt er im Gegensatz zu SEIBERL kaum stilistische Anregungen durch Anton Pilgram: &bdquo;Doch ein g&auml;nzlich anderes, k&uuml;hloberfl&auml;chliches und dekoratives Empfinden wandelt diese Motive in Kost&uuml;mbilder um. Viel enger als mit Pilgram ist die innere Ber&uuml;hrung mit dem Stain-Grabmal in Jettingen, das Gregor Erhart zugeschrieben wird.&ldquo; Die These einer Beeinflussung des Sierndorfer K&uuml;nstlers durch den Augsburger Meister wird von Oettinger nicht n&auml;her ausgef&uuml;hrt und auch in keiner der nachfolgenden Publikationen aufgegriffen.<br \/> \tIm Jahr 1952 ver&ouml;ffentlicht Walther BUCHOWIECKI seine Auseinandersetzung mit den gotischen Kirchen &Ouml;sterreichs.<br \/> \tIm Unterkapitel &bdquo;Die neuen Wege des 16. Jahrhunderts&ldquo; geht er auf das Gesamtensemble der Sierndorfer Schlosskapelle ein: &bdquo;Die Art wie sich hier die sp&auml;te Gotik &auml;u&szlig;ert ist in der Tat d&uuml;rr und formalistisch. Die Wandpfeiler tragen Kapit&auml;le von antikischer Form, die Netzrippen sind k&uuml;mmerlich, die Schlusssteine &uuml;ber das gewohnte Ma&szlig; gro&szlig;. Ein Scheinoratorium, als Erker in den Raum vorspringend, enth&auml;lt t&auml;uschend nat&uuml;rliche Bildnisb&uuml;sten des Schlossherrn Wilhelm von Zelking und seiner Frau Margaretha von Sandizell. Eine Ber&uuml;hrung zwischen Gotik und Renaissance kann hier nicht geleugnet werden. Dieser Begegnung d&uuml;rfte es auch zuzuschreiben sein, dass die Gotik hier manieriert und befangen spricht. Ein Sterben der gotischen Kraft, ein Nachlassen ihres K&ouml;nnens ist damit noch nicht erwiesen. Schon im Hinblick auf andere Bauten der Zeit in Nieder&ouml;sterreich wird man in dem Urteil best&auml;rkt, dass hier nur der Zusammenprall zweier Welten die Gotik unsicher und verwirrt gemacht hat.&ldquo; Erg&auml;nzend zu BUCHOWIECKIS Ausf&uuml;hrungen muss in Erinnerung gerufen werden, dass das gesamte<br \/> \t121.) Ebenda, S. 58.<br \/> \t122.) BUCHOWIECKI, Gotische Kirchen (zit. Anm. 81).<br \/> \t123.) Ebenda, S. 392f.<br \/> \tGew&ouml;lbe im Zuge der Restaurierung von 1896 erneuert wurde. Die hier als k&uuml;mmerlich beschriebenen Netzrippen stammen aus der Hand des Stockerauer Maurermeisters Holdhaus und haben somit keinerlei Aussagekraft f&uuml;r die, vom Autor mit den Worten &bdquo;d&uuml;rr und formalistisch&ldquo; umschriebene, &Auml;u&szlig;erung der sp&auml;ten Gotik. Statt das Einflie&szlig;en neuer Schmuckformen objektiv zu beschreiben, wertet BUCHOWIECKI die Hereinnahme von Renaissanceelementen mit seiner Formulierung einer &bdquo;unsicher und verwirrt gemachten Gotik&ldquo; eindeutig ab. Ein m&ouml;glicher Grund f&uuml;r diese sehr einseitige Sichtweise BUCHOWIECKIS ist seine spezielle Auseinandersetzung mit der gotischen Zeit, welche hier bereits langsam ausklingt. Die B&uuml;sten registriert er als eines der renaissancehaften Elemente der Gesamtkomposition ohne sich weiter mit ihnen zu besch&auml;ftigen. Rupert FEUCHTM&Uuml;LLER kommt 1961 in seiner Befassung mit der Sp&auml;tgotik zu dem Schluss, dass die heimischen Bauten f&uuml;reinander unabh&auml;ngig stehen, er kann keine Abh&auml;ngigkeiten von der bayrischen oder b&ouml;hmischen Sp&auml;tgotik erkennen. Die Baumeister f&auml;nden aus der eigenen Entwicklung zu ihren L&ouml;sungen, die innere Verwandtschaft ergebe sich aus dem ihnen gemeinsamen Kulturraum. Das nieder&ouml;sterreichische Gebiet st&uuml;nde ihm zufolge ganz im Banne Wiens. Um den Wirkungsbereich n&ouml;rdlich der Donau zu umrei&szlig;en, nennt FEUCHTM&Uuml;LLER allen voran die Schlosskapelle Sierndorf und des weiteren die Pfarrkirche in Oberhautzental (1519), die Torhalle von Guntersdorf (Anfang des 16. Jahrhunderts), den Chor in Sallapulka (Anfang des 16. Jahrhunderts) und die ehemalige Stiftskirche von Pernegg (um 1520).<br \/> \tDrei Jahre nach dem &Uuml;berblickswerk &uuml;ber Gotik in &Ouml;sterreich bringt Rupert FEUCHTM&Uuml;LLER gemeinsam mit Peter von BALDASS und Wilhelm <\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">MRAZEK ein vergleichbares Werk &uuml;ber Renaissance in &Ouml;sterreich heraus.<\/span><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> 124.) R. FEUCHTM&Uuml;LLER, Die Sp&auml;tgotik &ndash; ein Donaustil in der Architektur, in: P. BALDASS u. a., Gotik in &Ouml;sterreich, Wien 1963, S. 19ff.<br \/> \t125.) Vgl. Ebenda, S. 22.<br \/> \tBALDASS Befassung mit der Plastik versucht unter anderem das Eindringen der Renaissancekunst in die &ouml;sterreichischen L&auml;nder zu erkl&auml;ren. Er stellt fest, dass im Wiener Raum ab 1510 eine Reihe von Werken entstanden, die ohne eine direkte Ber&uuml;hrung mit dem S&uuml;den und zwar mit Oberitalien nicht denkbar w&auml;ren. Eben zu diesen, unmittelbar aus dem Geist der Renaissance abzuleitenden, Werken z&auml;hlt BALDASS die Skulpturen der Schlosskapelle in Sierndorf: &bdquo;Es sind Portr&auml;tskulpturen von mittlerer k&uuml;nstlerischer Bedeutung, die aber Zeugnis daf&uuml;r ablegen, dass der Landadel modern dachte und Wege &uuml;ber das Bodenst&auml;ndige und &uuml;ber die heimischen Grenzen hinaus fand&ldquo;. Interessant an dieser Formulierung ist, dass erstmals Bezug auf den Auftraggeber genommen wird. Es sei der Adel, der modern denke, der Adel, der &uuml;ber die heimischen Grenzen hinausf&auml;nde. Alle vorangehenden Befassungen stellten ausnahmslos &Uuml;berlegungen zu Herkunft und Schulung des ausf&uuml;hrenden K&uuml;nstlers an. Die Verbindung mit Oberitalien ist dar&uuml;ber hinaus ebenfalls ein g&auml;nzlich neuer Gedankengang. BALDASS Thesen finden ihren Widerhall in der Biographie des Auftraggebers, der &ndash; wie aus dem Testament des Vaters bekannt &#8211; wohl tats&auml;chlich seine Studienzeit in Bologna absolvierte.<br \/> \t1972 bespricht FEUCHTM&Uuml;LLER das zeitgen&ouml;ssische Portr&auml;t im Kirchenraum. Bei seiner Untersuchung &uuml;ber die Stellung des Menschen im sakralen Bereich verweist er auf Baumeister- und Stifterbildnisse an Konsolen zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Eine aus rein menschlichen Bereichen kommende Problematik ergebe sich aber erst seit dem Anfang des 16.<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> Jahrhunderts.<\/span><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> 126.) P. BALDASS , Malerei und Plastik, in: P. BALDASS\/ R. FEUCHTM&Uuml;LLER\/ W. MRAZEK, Renaissance in &Ouml;sterreich, Wien 1966, S. 41<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">75.<br \/> \t127.) Vgl. Ebenda, S. 60f.<br \/> \t128.) Ebenda, S. 61.<br \/> \t129.) R. FEUCHTM&Uuml;LLER, Kunst in &Ouml;sterreich. Vom fr&uuml;hen Mittelalter bis zur Gegenwart, 1, Wien 1972, S. 197.<br \/> \tFEUCHTM&Uuml;LLER meint bei Anton Pilgram die erstmalige Thematisierung von Kunst und Wirklichkeit zu erkennen. Pilgrams Selbstportr&auml;t an der Wiener Kanzel direkt unterhalb der Kirchenv&auml;terb&uuml;sten sei: &bdquo;Ein unerh&ouml;rt spannungsgeladener Kontrast, der die Bildwelt der Kunst als Vorstellung deklariert und die Frage nach der wirklichen Existenz aufwirft.&ldquo;<br \/> \tBei den, aufgrund der k&uuml;nstlerischen Bez&uuml;ge, im Anschluss an Pilgrams Arbeiten angef&uuml;hrten Sierndorfer B&uuml;sten, die immer wieder an die Spitze der &ouml;sterreichischen Renaissanceplastik gestellt w&uuml;rden, ergebe sich eine ganz besondere Problematik: &bdquo;Hier nimmt der Schlossherr in der von ihm erbauten Kapelle, sozusagen f&uuml;r alle Zeiten, an der heiligen Messhandlung teil. Es geht auch nicht um die Frage zeitgebundener oder zeitloser Existenz, sondern um ein Beiwohnen in des Wortes eigentlicher<br \/> \tBedeutung: Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt, sondern der heilige Ort ist es, das Messopfer, an dem der Stifter allezeit teilnehmen will.&ldquo;<br \/> \tFEUCHTM&Uuml;LLER versucht seine These, nicht der Mensch, sondern die Handlung st&uuml;nde im Mittelpunkt, im Weiteren zu bekr&auml;ftigen. Bei den B&uuml;sten handle es sich lediglich formal um Renaissanceplastiken, ihnen fehlten allerdings jegliche Aktion und jegliches Selbstbewusstsein, das doch f&uuml;r die italienische Renaissanceplastik dieser Zeit bezeichnend sei. Stattdessen unterstellt Feuchtm&uuml;ller Passivit&auml;t und innere Versunkenheit, die erst durch die Durchf&uuml;hrung einer nach au&szlig;en sichtbaren Handlung, dem Halten des Rosenkranzes, &uuml;berwunden w&uuml;rden.<br \/> \tZusammenfassend meint er, rein formal handle es sich um Renaissanceplastiken, ihrem Wesen nach seien sie aber immer noch &bdquo;der mittelalterlichen Welt zugewandt.&ldquo;<br \/> \t130.) Ebenda, S. 197.<br \/> \t131.) Ebenda, S. 197f.<br \/> \t132.) Vgl. Ebenda, S. 198.<br \/> \tEine weitere Befassung mit gotischer Architektur in Nieder&ouml;sterreich stammt von Mario SCHWARZ aus dem Jahr 1980. SCHWARZ weist darauf hin, dass sich zeitgleich mit der Entwicklung des Donaustils in Nieder&ouml;sterreich erste Aufl&ouml;sungserscheinungen der gotischen Formentradition zeigen.&nbsp; Als hervorstechendes Beispiel f&uuml;r die positive Auseinandersetzung der adeligen Bauherren mit den neuen Gestaltungsm&ouml;glichkeiten nennt er Wilhelm von Zelkings Neugestaltung der Sierndorfer Schlosskapelle: &bdquo;So vereinigt die Schlosskapelle in Sierndorf als Wandpfeilerkirche mit Netzrippengew&ouml;lbe, Fischblasen-Ma&szlig;werkfenstern, antikisierenden Kapitellen, Bildnisb&uuml;sten der Erbauer (1516) und einem Renaissancealtar (1518) gotische Formentradition mit grunds&auml;tzlich Neuem. Trotz der stilistischen Disparit&auml;t der Bestandteile kann dieses Ensemble durchaus als Raumgesamtkunstwerk unter den Vorzeichen einer &Uuml;bergangszeit gesehen werden.&ldquo;<br \/> \tIm Gegensatz zu den negativ besetzten Formulierungen BUCHOWIECKIS drei Jahrzehnte zuvor, gelingt es SCHWARZ in seiner Befassung, die Periode des Einflie&szlig;ens neuer Formen wertfrei und objektiv als eigenst&auml;ndigen Entwicklungsschritt am &Uuml;bergang vom Traditionellen hin zu etwas grunds&auml;tzlich Neuem anzuerkennen. Die Phase des &Uuml;bergangs von der Sp&auml;tgotik zur Renaissance, die den &Uuml;bergang vom Mittelalter zur Neuzeit widerspiegelt, erf&auml;hrt hier ihre Legitimation als autonome Stilstufe. Damit geht auch die Ausbildung neuer gestalterischer M&ouml;glichkeiten einher, die weder mit &bdquo;nicht mehr hinreichend gotisch&ldquo; noch mit &bdquo;noch nicht voll und ganz renaissancehaft&ldquo; beschrieben werden k&ouml;nnen, sondern unabh&auml;ngig f&uuml;r sich alleine stehend betrachtet werden m&uuml;ssen.<br \/> \tArthur ROSENAUER nimmt die Diskussion &uuml;ber einen Zusammenhang zwischen Pilgramscher Plastik und den Sierndorfer Werken im Jahr 2003<br \/> \t133.) M. SCHWARZ, Gotische Architektur in Nieder&ouml;sterreich, St. P&ouml;lten\/Wien 1980.<br \/> \t134 Ebenda, S. 57.<br \/> \twieder auf. Er weist in erster Linie auf die deutlichen Unterschiede im, den B&uuml;sten zugestandenen, Existenzraum hin. Die Orgelfu&szlig;b&uuml;ste schiene demnach durch das Gewicht des auf ihr lastenden Orgelfu&szlig;es in den Raum hineingepresst zu werden, wohingegen die bildhafte Rahmung der Zelkingb&uuml;sten, diesen einen von &auml;u&szlig;eren Kr&auml;ften unbedr&auml;ngten Existenzraum garantiere. Somit k&ouml;nnte das Stifterehepaar seine Pers&ouml;nlichkeit uneingeschr&auml;nkt entfalten, der Baumeister werde jedoch von den Baumassen fast erdr&uuml;ckt, was sich in seinem tragischen Gesichtsausdruck widerspiegle.<br \/> \tBezug nehmend auf SEIBERLS Erkenntnisse aus dem Jahr 1937 schreibt Lothar SCHULTES im Jahr 2003 die Sierndorfer Skulpturen dem Meister des T&ouml;pferaltares zu. Auf einer Ebene mit den Pilgramb&uuml;sten z&auml;hlt er die Sierndorfer Werke zu den bedeutendsten Portr&auml;tskulpturen des Wiener Humanismus. Dennoch weist er auf deutliche Divergenzen hin. Die Skulpturen repr&auml;sentierten unterschiedliche Menschenbilder der Neuzeit: &bdquo;hier den vornehmen, leicht blasierten Adeligen, dort den sein Ich in schonungsloser Ehrlichkeit preisgebenden K&uuml;nstler.&ldquo; Lediglich das Motiv sei von Pilgram entlehnt, die Vorliebe f&uuml;r extravaganten Schmuck und ebensolche Kleidung entspr&auml;che eher dem h&ouml;fischen Portr&auml;t dieser Zeit.<br \/> \tAuf die bei SCHULTES formulierten &Uuml;bereinstimmungen mit dem h&ouml;fischen Portr&auml;t zur&uuml;ckgreifend, untersucht die vorliegende Arbeit die Zelkingb&uuml;sten vor allem unter den Aspekten der Legitimation von Recht und Besitz sowie politischer Macht. Dazu werden exemplarisch im Kapitel 6.3.2 die Bez&uuml;ge<br \/> \t135.) A. ROSENAUER, Sp&auml;tgotik und Renaissance, in: A. ROSENAUER (Hg.), Geschichte der bildenden<br \/> \tKunst in &Ouml;sterreich. Sp&auml;tmittelalter und Renaissance, 3, M&uuml;nchen 2003, S. 32. 136 Vgl. Ebenda, S. 32.<br \/> \t137.) Vgl. L. SCHULTES, Plastik vom Ende des sch&ouml;nen Stils bis zum Beginn der Renaissance, in: A. ROSENAUER (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in &Ouml;sterreich. Sp&auml;tmittelalter und Renaissance, 3, M&uuml;nchen 2003, S. 311.<br \/> \t138.) Ebenda, S. 311.<br \/> \t139.) Vgl. L. SCHULTES, Meister des T&ouml;pferaltars (zit. Anm. 91), S. 353.<br \/> \tder Sierndorfer Portr&auml;tb&uuml;sten zu den beiden Mittelreliefs des Goldenen Dachls zu Innsbruck herausgearbeitet.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><strong>5. Typus<\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Der bei den Sierndorfer Portr&auml;tb&uuml;sten zur Anwendung kommende Typus einer Gestalt, die durch eine &Ouml;ffnung in der Mauer beziehungsweise &uuml;ber eine Br&uuml;stung blickt, geht bis ins 14. Jahrhundert zur&uuml;ck. Die Darstellungsart wird einerseits im Innenraum, im Speziellen im Kircheninnenraum, eingesetzt: etwa Peter Parlers Triforienb&uuml;sten im Prager Veitsdom (um 1374-1385), die B&uuml;ste des Hans Hammer auf der S&auml;ngerempore des S&uuml;dquerhauses im Stra&szlig;burger M&uuml;nster (1490), Pilgrams Kirchenv&auml;terb&uuml;sten am Kanzelkorb im Wiener Stephansdom, oder seine beiden ebenfalls im Stephansdom vorzufindenden Selbstportr&auml;ts. Anderseits gibt es durchaus auch Portr&auml;ts dieses Typus im Au&szlig;enraum: an Fassaden, wie bei den Fensterb&uuml;sten des Palais Jacques Coeur in Bourges (um 1450), an Portalen, wie dem heute zerst&ouml;rten Kanzleiportal in Stra&szlig;burg (um 1460) oder an Altanen, wie bei den Skulpturen an der s&uuml;dlichen Querhausfassade von St. Marien zu M&uuml;hlhausen (Mitte des 14. Jh.).<br \/> \tSEIBERL war der Erste, der die Abh&auml;ngigkeit der Sierndorfer Portr&auml;tb&uuml;sten von der Pilgramschen Plastik ausformulierte.<br \/> \tDie in Sierndorf erfolgte &Uuml;bernahme der pilgramschen Motive wurde in nachfolgenden Befassungen, etwa bei OETTINGER und SCHULTES best&auml;tigt.<br \/> \tHervorgehoben wurden neben dem Typus vor allem Kongruenzen bei der Gestaltung der H&auml;nde sowie der Handhaltung. Ein ausgesuchter Blickwinkel auf die Kanzel zeigt die m&ouml;gliche Vorlage f&uuml;r die Gesamtkonzeption des Sierndorfer Doppelportr&auml;ts. Die, in Form eines Sechsecks angelegte, Kanzel zieren an vier Seiten die Darstellungen der Kirchv&auml;ter. Es sind Hieronymus und 140.) Vgl. SEIBERL, Die Plastik (zit. Anm. 99), S. 15.<br \/> \t141.) Vgl. OETTINGER, Anton Pilgram (zit. Anm. 120), S. 58.<br \/> \t142.) Vgl. SCHULTES, Meister des T&ouml;pferaltares (zit. Anm. 91), S. 353.<br \/> \t143.) Vgl. SEIBERL, Nachfolger (zit. Anm. 116), S. 118.<br \/> \tAmbrosius, die sich &#8211; bei dem ausgew&auml;hlten Blickwinkel auf die Kanzel &#8211; aus den ihnen zugedachten Fensternischen lehnen. Klappt man vor seinem inneren Auge die Fenster&ouml;ffnungen des Hieronymus und des Ambrosius nebeneinander und betrachtet die beiden Kirchenv&auml;ter als Doppelportr&auml;t, so treten gleich mehrere motivische &Uuml;bereinstimmungen mit den Sierndorfer B&uuml;sten zu Tage: Die beiden Plastiken sind einander zugeneigt und aufeinander bezogen, sie geben einander Halt. Wegen der einander zugeneigten K&ouml;pfe kreuzen sich die Blick der Dargestellten. Die B&uuml;sten lehnen sich gerade soweit aus den Fensternischen heraus, dass sie den Anschein erwecken zu knien. Der links dargestellte Hieronymus tr&auml;gt deutlich herbere Gesichtz&uuml;ge, als Ambrosius zu seiner Rechten. All das sind Charakteristika, die auch bei den Sierndorfer B&uuml;sten Anwendung finden.<br \/> \tAufgrund ihrer deutlichen Abh&auml;ngigkeit vom Werk Pilgrams sind es nun dessen Vorbilder, die hier aufgesp&uuml;rt werden sollen.<br \/> \tEntscheidenden Einfluss auf Anton Pilgram d&uuml;rfte wohl vor allem die Stra&szlig;burger Plastik ausge&uuml;bt haben. &bdquo;Die These, Pilgram h&auml;tte Stra&szlig;burg besucht, liegt schon deshalb nahe, weil die Stra&szlig;burger Bauh&uuml;tte zum Pflichtprogramm jedes ehrgeizigen Bildhauers und Architekten im Mitteleuropa der Jahrzehnte um 1500 geh&ouml;rt haben d&uuml;rfte&ldquo;<br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">144.) M. V. SCHWARZ, Altargucker und Predigtlauscher. Anton Pilgrams Selbstbildnisse in St. Stephan, Wien, in: M. V. SCHWARZ, Visuelle Medien im christlichen Kult: Fallstudien aus dem 13. bis 16.Jahrhundert, Wien 2002, S. 226.,<br \/> \tmerkt Michael Viktor SCHWARZ 2002 an. <\/span>Es war das Umfeld Niclaus Gerhaert von Leydens, auf das Pilgram um 1500 in Stra&szlig;burg traf. Ein eigenh&auml;ndiges Werk dieses Meisters, die m&auml;nnliche B&uuml;ste, welche urspr&uuml;nglich am Stra&szlig;burger Kanzleiportal angebracht war, hat Pilgrams weiteres Schaffen nachhaltig gepr&auml;gt.<br \/> \tDen Ausf&uuml;hrungen Josef Adolf SCHMOLLS folgend, stellt die B&uuml;ste ein Selbstportr&auml;t von Leydens dar, dessen Entstehung er in das Jahr 1463 datiert. Nach dem Brand der Kanzlei im Jahr 1686 wurde es vom&nbsp; M. V. SCHWARZ, Altargucker und Predigtlauscher. Anton Pilgrams Selbstbildnisse in St. Stephan, Wien, in: M. V. SCHWARZ, Visuelle Medien im christlichen Kult: Fallstudien aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, Wien 2002, S. 226.<br \/> \tihm zugedachten Anbringungsort entfernt und befindet sich heute im Stra&szlig;burger Frauenhausmuseum.<br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">145.) J. A. SCHMOLL, Marginalien zu Niclaus Gerhaert von Leyden, in: H. Sedlmayr, W. Messerer (Hg.),<br \/> \tFestschrift Karl Oettinger zum 60. Geburtstag am 4. M&auml;rz 1966, Erlangen 1967, S. 230f<\/span>.<br \/> \tDie dargestellte Figur st&uuml;tzt den linken Unterarm auf und greift gleichzeitig mit der rechten Hand an ihr Kinn, wobei der Kopf mit halb geschlossenen Lidern nach unten geneigt ist. Die linke Hand h&auml;lt einen Gegenstand, von dem heute nur noch der gerippte Knauf erhalten ist. Schmoll deutet diesen als Kugelabschluss eines Zirkels.<br \/> \tDie aktuellste Auseinandersetzung mit der Skulptur erfolgt bei Uwe GEESE, der die Wirkung derselben auf den Betrachter wie folgt beschreibt: &bdquo;Trotz der eher verhaltenen Gestik bildet die B&uuml;ste in ihrer sinnenden Versenkung eine pr&auml;gnante Geb&auml;rdensprache aus, durch die sie noch in der Ruhe eine bis dahin kaum gesehene Verlebendigung erf&auml;hrt&ldquo; Der Typus der aus einer &Ouml;ffnung blickenden Gestalt ist an dieser aus dem Gesamtensemble gerissenen Figur nur an noch einem einzigen Fragment erkennbar: dem Bruchst&uuml;ck einer profilierten Leiste an der rechten R&uuml;ckenpartie der B&uuml;ste, welches auf die einstige fensterartige Rahmung hinweist.<br \/> \tBeide Wiener Selbstportr&auml;ts Anton Pilgrams und auch alle vier Kirchenv&auml;terb&uuml;sten am Kanzelkorb blicken durch Fenster&ouml;ffnungen in den Raum. Schon dieses Detail l&auml;sst auf eine Beeinflussung Pilgrams durch den &auml;lteren Meister schlie&szlig;en. Auf einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Stra&szlig;burger und dem Wiener Bildwerk weist Karl OETTINGER hin: die Darstellung des Kirchenvaters Augustinus. An dieser Figur wandelt Pilgram, wie SCHMOLL, der Oettingers Gedankengang aufgreift, beschreibt, &bdquo;den Gestus des nachdenklichen Kopfaufst&uuml;tzens in die um Kinn und Mund greifende J. A. SCHMOLL, Marginalien zu Niclaus Gerhaert von Leyden, in: H. Sedlmayr, W. Messerer (Hg.), Festschrift Karl Oettinger zum 60. Geburtstag am 4. M&auml;rz 1966, Erlangen 1967, S. 230f.<br \/> \t146.) Ebenda, S. 231.<br \/> \t147.) U. GEESE, Mittelalterliche Skulptur in Deutschland, &Ouml;sterreich und der Schweiz, Petersberg 2007, S. 126.<br \/> \t148.) OETTINGER, Pilgram (zit. Anm. 120), S. 14.<br \/> \tHand&ldquo; des Selbstbildnisses Niclaus von Leydens ab. Aber auch bei der Gestik seines Selbstportr&auml;ts am Kanzelfu&szlig; &uuml;bernimmt Pilgram das Motiv des auf dem Fensterbrett aufgelegten Unterarmes der Hand, die den Zirkel h&auml;lt, so wie es die Stra&szlig;burger B&uuml;ste vorgibt.<br \/> \tEin Aufenthalt in Stra&szlig;burg brachte f&uuml;r Anton Pilgram mit Bestimmtheit eine Vielzahl an Anregungen, war doch die Bildform B&uuml;ste, wie Michael Viktor SCHWARZ anmerkte, nirgendwo sonst in Mittel- und Westeuropa so verbreitet wie in und an Geb&auml;uden dieser Stadt151. In diesem Zusammenhang muss das portr&auml;thafte Bildnis eines weiteren in Stra&szlig;burg t&auml;tigen K&uuml;nstlers genannt werden: die Bildnisb&uuml;ste des Hans Hammer im Stra&szlig;burger M&uuml;nster.<br \/> \tMeister Hammer war zwischen 1486 und 1491 Werkmeister der Stra&szlig;burger H&uuml;tte. Hammer war wohl beauftragt, die Br&uuml;stung der triforiumsartig gestalteten S&auml;ngertrib&uuml;ne im S&uuml;dquerhaus zu gestalten, wie die &Auml;hnlichkeiten mit der 1495 von ihm in Zabern im Elsass geschaffenen Kanzel belegen. Die Kenntnis des Selbstportr&auml;ts Niclaus Gerhaert von Leydens am Kanzleiportal mag ihn dazu bewogen haben, sein Werk &uuml;ber sein Steinmetzzeichen hinaus, nach dem Vorbild des &auml;lteren Meisters mit einem Selbstportr&auml;t zu signieren. Damit holt Hammer den Typus in den Kircheninnenraum herein. Die unterlebensgro&szlig;e B&uuml;ste ist ein Teil der Br&uuml;stung und ungef&auml;hr vier Meter &uuml;ber den K&ouml;pfen der Kirchenbesucher angebracht. Beide Unterarme auf die Br&uuml;stung aufgelegt und leicht nach vorne gelehnt, schafft sie die Illusion einer l&auml;ngst vergangenen Pr&auml;senz.<br \/> \t149.) Ebenda, S. 234.<br \/> \tSCHMOLL nennt an dieser Stelle irrt&uuml;mlich Ambrosius: &bdquo;Die dritte Beziehung zwischen Wien und Stra&szlig;burg besteht, wie schon von V&Ouml;GE, PINDER, OETTINGER u. a. gew&uuml;rdigt, in der am Kanzelkorb dargestellten Figur des Ambrosius &hellip;&ldquo; Tats&auml;chlich meint er den mit Petschaft und Tintenfass dargestellten Augustinus.<br \/> \t150.) Vgl. SCHMOLL, Marginalien (zit. Anm. 145), S. 234.<br \/> \t151.) Vgl. SCHWARZ, Altargucker und Predigtlauscher (zit. Anm. 144), S. 227.<br \/> \t152.) Lange Zeit wurde die m&auml;nnliche Gestalt als Erwin von Steinbach identifiziert. Eine ausf&uuml;hrliche Auseinandersetzung mit dieser Problematik bietet: M.-J. GEYER, Le mythe d`Erwin Steinbach, in: R. RECHT (Hg.), Les battiseurs des cathedrales gothiques, Stra&szlig;burg 1989, S. 322<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">329.<br \/> \t153.) Vgl. SCHWARZ, Altargucker und Predigtlauscher (zit. Anm. 144), S 227.<br \/> \tDie hier erfolgte &Uuml;bertragung des Typus in den Kircheninnenraum ver&auml;ndert nun auch die k&uuml;nstlerische Intention, nicht mehr die Signierung des geschaffenen Werkes steht an erster Stelle, sondern die religi&ouml;se Andacht des K&uuml;nstlers.<br \/> \tWie in Kapitel 6.1.2 nachzulesen, ist es eben das Thema der religi&ouml;sen Andacht bei dem die Gemeinsamkeiten des Stra&szlig;burger Bildnisses mit den Pilgramschen Selbstportr&auml;ts deutlich werden.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">6. Macht und Memoria an der Wende zur Neuzeit<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Der Historiker Otto Gerhard OEXLE f&uuml;hrt den Terminus des Memorialbildes in die Forschung ein und stellt ihn als &uuml;bergreifenden Begriff dar: &bdquo;Es ist damit nicht ein bestimmter Bildinhalt gemeint, nicht ein ikonographischer Typus, sondern eine Bildfunktion: die Verwendung des Bildes im Rahmen der Memoria.&ldquo; In der mittelalterlichen Gesellschaft war die Memoria ein omnipr&auml;sentes Ph&auml;nomen, sie meint den sozialen Gesamtzusammenhang, der das Bild entstehen lie&szlig; und auf es verweist. Memoria umschreibt einen mehrdimensionalen Begriff, der keinesfalls allein auf das religi&ouml;se Moment beschr&auml;nkt werden darf. Grunds&auml;tzlich geh&ouml;rte die Memoria dem Bereich der Kirche, das hei&szlig;t der Liturgie an, doch sie durchdrang nahezu alle Bereiche des Lebens.<br \/> \tEs ist wiederum Otto Gerhard OEXLE, der als Erster einen umfassenderen Begriff der Memoria gepr&auml;gt hat: &bdquo;Memoria war somit nicht nur ein religi&ouml;ses Ph&auml;nomen, sondern umfasste auch das Moment der Rechtssicherung und Besitzsicherung, das Moment der Historiographie, der historischen Erinnerung, aber auch [&hellip;] das Moment der Sicherung politischer Legitimit&auml;t.&ldquo; Deutlich geht aus seinen Worten hervor, dass die genannten Intentionen von Memoria einander nicht ausschlie&szlig;en, sondern Elemente ein und desselben sozialen Zusammenhanges sind. Gerade beim zu besprechenden Werk, den Sierndorfer Portr&auml;tb&uuml;sten, kann eine rein auf das religi&ouml;se Ph&auml;nomen ausgerichtete Auslegung keine Erkl&auml;rungshilfe f&uuml;r die Ausnahmestellung der nahezu lebensecht erscheinenden Portr&auml;ts geben. So war etwa das Moment der Sicherung politischer Legitimit&auml;t, wie noch<br \/> \t154.) O. G. OEXLE, Die Gegenwart der Toten, in: H. BREAT\/ W. VERBEKE (Hg.), Death in the middle ages, Leuven 1983, S. 47.<br \/> \t155.) Vgl. O. G. OEXLE, Memoria und Memorialbild, in: K. SCHMID\/ J. WOLLASCH (Hg.), Der geschichtliche Zeugniswert des liturgischen Gedenkens im Mittelalter, M&uuml;nchen 1984, S. 388.<br \/> \t156.) Vgl. M. BORGOLTE, &bdquo;Totale Geschichte&ldquo; des Mittelalters? Das Beispiel der Stiftungen, Berlin 1993, S. 7.<br \/> \t157.) O. G. OEXLE, Memoria und Memorialbild (zit. Anm. 155), S. 394.<br \/> \teingehend zu behandeln sein wird, f&uuml;r die Sierndorfer Landadeligen von gro&szlig;er Bedeutung und erkl&auml;rt den profanen, lebensnahen Charakter der B&uuml;sten. Denn &bdquo;Memoria, Erinnerung ist das entscheidende Moment, das Adel konstituiert. Ohne Memoria gibt es keinen Adel und deshalb auch keine Legitimation f&uuml;r adelige Herrschaft&ldquo;, notiert OEXLE an anderer Stelle und liefert hiermit ein Motiv f&uuml;r die Errichtung des Sierndorfer Werkes.<br \/> \tMichael BORGOLTE &uuml;bertr&auml;gt OEXLES Forschungsergebnisse auf das mittelalterliche Stiftungswesen: &bdquo;Stiftungen des Mittelalters waren Ph&auml;nomene, in denen sich Religi&ouml;ses, Rechtliches und &Ouml;konomisches durchdrang, und in den je konkreten Auspr&auml;gungen kamen die Motive der Caritas und des M&auml;zenatentums hinzu.&ldquo; F&uuml;r die Umsetzung im Kunstwerk bedeutet das, dass ein einzelnes Werk gleichzeitig mehreren der genannten Aspekte entsprechen kann. Forscht man nach der Motiviation f&uuml;r die Inauftraggabe eines Werkes, ist es demnach m&ouml;glich, mehrere nebeneinander gleichberechtigt bestehende oder auch unterschiedlich gewichtete Intentionen zu entdecken.<br \/> \tIn der Folge soll nun den einzelnen Aspekten des Memorialgedankens Rechnung getragen werden.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">6.1. Das religi&ouml;se Moment der Memoria<br \/> \t<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Vier grundlegende Charakteristika religi&ouml;ser Memoria fasst Caroline HORCH zusammen: die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten; die Anwesenheit oder Vergegenw&auml;rtigung der Toten; die gegenseitigen Leistungen der Lebenden und Toten und die Sicherung dieser Leistungen f&uuml;r die Zukunft.<br \/> \t158.) O. G. OEXLE, Memoria als Kultur, G&ouml;ttingen 1995, S. 37f.<br \/> \t159.) BORGOLTE, &bdquo;Totale Geschichte&ldquo; (zit. Anm. 156), S. 11.<br \/> \t160.) Vgl. C. HORCH, Der Memorialgedanke und das Spektrum seiner Funktionen in der Bildenden Kunst des<br \/> \tMittelalters, K&ouml;nigstein im Taunus 2001, S. 15.<br \/> \tDie Grundvoraussetzung f&uuml;r das mittelalterliche Memorialwesen ist der Glaube des Menschen an ein Leben nach dem Tod. Die Auferstehung Christi und der Tag des J&uuml;ngsten Gerichts sind f&uuml;r ihn Realit&auml;t. Dieses Warten auf das Letzte Gericht verbindet die Lebenden und die Toten, in ihm werden sie zu einer Gemeinschaft. In Hinblick auf das Weltgericht versuchen die Menschen ein frommes Leben zu f&uuml;hren und sich durch gute Werke hervorzutun. Um unges&uuml;hnte Vergehen auch nach dem eigenen Ableben noch bereinigen zu k&ouml;nnen, werden fromme Gebete f&uuml;r die Verstorben erbeten.<br \/> \tHier nimmt das Stiftungswesen seinen Ausgang.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">6.1.1. Das Stiftungswesen &ndash; eine Sonderform des Gabentausches<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Urspr&uuml;nglich waren Stiftungen immer zugleich Totenstiftungen.<br \/> \tMittelalterliche Stifter handelten dabei keineswegs uneigenn&uuml;tzig. Die Stiftungen sollten dazu beitragen, ihre Seele beim J&uuml;ngsten Gericht zu retten. Sie erwarteten von den Beg&uuml;nstigten ihrer Stiftung Gegenleistungen meist in Form von Gebeten und Messen oder eben auch in Form von Memoria. Das Verh&auml;ltnis von Geben und Nehmen war somit ein wechselseitiges. Der Stifter wurde dadurch ebenfalls zum Empf&auml;nger, und der Empf&auml;nger der Stiftung zum Spender. Gebet und Gedenken wurden zur st&auml;ndigen Gegengabe f&uuml;r die Gabe des Stifters. Die Stiftungen waren in der Regel auf unbestimmte Zeit beziehungsweise auf die Ewigkeit angelegt.<br \/> \tDie Verpflichtung zur Gegenleistung bestand jedoch nicht nur allein f&uuml;r die beg&uuml;nstigten Menschen, sondern auch f&uuml;r Gott. F&uuml;r das ihm dargebrachte <\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Opfer wurde die Erf&uuml;llung der vorgebrachten Bitte &ndash; Gottes Gnade und dadurch ewige Seligkeit <\/span><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash; <\/span><span style=\"font-size: 14px;\"> erwartet.<\/span><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> 161.) Vgl. Ebenda, S. 11f.<br \/> \t162.) Vgl. HORCH, Der Memorialgedanke (zit. Anm. 160), S. 57.<\/span><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\"> Prim&auml;r dienten die mittelalterlichen Stiftungen der Errichtung beziehungsweise dem Ausbau des Kirchenwesens, aber auch der Entsch&auml;rfung sozialer Notlagen und der F&ouml;rderung von Wissenschaft und Kultur. Allen gemeinsam war das religi&ouml;se Moment. Von Kirchenstiftungen spricht man nicht nur bei der Errichtung neuer Gottesh&auml;user, sondern auch bei Umbauten, Renovierungen und Erweiterungen sowie bei der Ausstattung bestehender Kirchengeb&auml;ude. Dar&uuml;ber hinaus z&auml;hlen auch die Stiftungen von Kapellen und Alt&auml;ren zu diesem Bereich. Diese konnten von Einzelpers&ouml;nlichkeiten, also von wohlhabenden Adeligen und B&uuml;rgern oder auch von einem Zusammenschluss mehrerer minder beg&uuml;terter Menschen get&auml;tigt werden. Caroline HORCH gliedert den Vorgang einer Stiftung in drei Teile: erstens in die Handlung, den Akt der Gr&uuml;ndung (Verm&ouml;genshergabe und Willensbekundung des Stifters); zweitens in die Wirkursache, die Durchf&uuml;hrung der Stiftungsbestimmungen und drittens in ihre Endursache, den Zweck der Memoria. Generell ist die Stiftung kein einmaliger Akt, bei dem eine Gabe den Besitzer wechselt, sondern sie wird dadurch geschaffen, dass der Stifter die Ertr&auml;ge seines Verm&ouml;gens einem bestimmten Zweck widmet.<br \/> \tZur Erf&uuml;llung des Stifterwillens werden nur die Zinsen herangezogen, das Kapital bleibt unangetastet. Auch HORCH beschreibt das Stiften als &bdquo;das Hergeben eines Verm&ouml;gens&ldquo;, wobei sie den Begriff Verm&ouml;gen nicht allein auf Kapital beschr&auml;nkt. Das Verm&ouml;gen kann ihrer Ansicht nach auch ein Gegenstand sein. Die beiden heute strikt <\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">getrennten Vorg&auml;nge Stiftung und Schenkung konnten im Mittelalter mitunter zusammenfallen.<\/span><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> 163.) Vgl. Ebenda S. 62.<br \/> \t164.) Vgl. BORGOLTE, &bdquo;Totale Geschichte&ldquo; (zit. Anm. 156), S. 9f.<br \/> \t165.) Vgl. HORCH, Der Memorialgedanke (zit. Anm.160), S. 55.<br \/> \t166.) Vgl. BORGOLTE, &bdquo;Totale Geschichte&ldquo; (zit. Anm.156), S. 9.<br \/> \tEin Stiftsbrief f&uuml;r die Umgestaltung der Sierndorfer Schlosskapelle durch das Ehepaar Zelking hat sich leider nicht erhalten, die beiden Portr&auml;tb&uuml;sten sind dessen ungeachtet als Stifterbildnisse identifizierbar. Das Doppelportr&auml;t des Wilhelm von Zelking und der Margaretha von Sandizell zeigt die beiden als Lebende, nach ihrem erfolgten Tod soll es allerdings die Verstorbenen im Kreise der Ihren darstellen. Die in ewiger Andacht an den Gottesdiensten teilhabenden Schlossherrn bleiben so in steter Verbindung mit den ihnen nachfolgenden Generationen. Verbindung meint nicht nur einen Vorgang des Denkens und Empfindens. Vom Mittelalter bis etwa 1800 gingen die Menschen von der Vorstellung aus, dass ihre Verstorbenen weiterhin als Subjekt ihrer sozialen Beziehungen &ndash; durch Verwandtschaft, Freundschaft oder Bekanntschaft &ndash; erhalten blieben und auch ihren rechtlichen Status bewahrten. Memoria stiftete also eine Gemeinschaft von Lebenden und Toten und war somit das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft.<br \/> \tDer lateinische Begriff der Memoria umfasst zwei Ph&auml;nomene, die in der deutschen Sprache mit den Termini Ged&auml;chtnis und Erinnerung beziehungsweise Andenken oder auch Gedenken differenzierend benannt werden k&ouml;nnen. Nach OEXLES Auslegung steht der Begriff Ged&auml;chtnis f&uuml;r die F&auml;higkeit in der Vergangenheit Erlebtes, Erfahrenes sowie Erlerntes festzuhalten und wieder hervorzurufen, das hei&szlig;t, f&uuml;r die F&auml;higkeit, sich zu erinnern. Erinnerung, Andenken und Gedenken meinen im Unterschied dazu nicht die blo&szlig;e F&auml;higkeit zu dieser Ged&auml;chtnisleistung, sondern die als bewusst vollzogene Vergegenw&auml;rtigung des Vergangenen.<br \/> \t167.) Vgl. HORCH, Der Memorialgedanke (zit. Anm.160), S. 54.<br \/> \t168.) Vgl. OEXLE, Memoria und Memorialbild, (zit. Anm. 155), S. 386.<br \/> \t169.) Vgl. O. G. OEXLE, Memoria und Memorial&uuml;berlieferung im fr&uuml;hen Mittelalter, in: Fr&uuml;hmittelalterliche Studien, X, 1976, S. 79f.<br \/> \t<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">In der <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Bedeutung von Erinnerung, Andenken oder Gedenken kann sich Memoria nicht nur auf Dinge, sondern auch auf Personen beziehen. Gemeint sind Personen, die durch Raum und Zeit von uns getrennt sind, also Abwesende oder auch Verstorbene. Eine wesentliche Bedeutung der mittelalterlichen Memoria war die Vergegenw&auml;rtigung Verstorbener. Das Ehepaar Zelking sicherte sich durch sein steinernes Abbild f&uuml;r Gegenwart und Zukunft seine fortdauernde Anwesenheit unter den Lebenden. Vorraussetzung f&uuml;r diese weit reichende Interpretation von Memoria war die Namensnennung. Ein Verlust der Identit&auml;t der Abgebildeten w&uuml;rde das Bildwerk auf einen reinen Kunstgegenstand reduzieren und es seiner humanen Komponente berauben.<br \/> \tIn diesem Zusammenhang muss auf die von Wilhelm von Zelking unternommenen Anstrengungen zur &Uuml;berlieferung seiner Lebensdaten hingewiesen werden. Einerseits durch die bei der Beschreibung der B&uuml;sten eingehend besprochene doppelte Datierung des Bildwerkes und andererseits durch die unter Einfluss der zunehmenden Verschriftlichung der Gesellschaft eigenh&auml;ndig vorgenommene Aufzeichnung der Lebensdaten aller Familienmitglieder.<br \/> \tDie B&uuml;sten befinden sich noch heute an dem ihnen vor 500 Jahren zugedachten Anbringungsort.<br \/> \tDas Gesamtensemble des Architektur und Ausstattung umfassenden Auftrages wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr zerpfl&uuml;ckt. Wie in der Baugeschichte dargelegt, stimmen im derzeitigen Zustand weder die Anzahl und Anordnung der Alt&auml;re, noch die Seite der Ann&auml;herung an das Kunstwerk oder der Lichteinfall mit dem von Wilhelm von Zelking in Auftrag gegebenen Konzept &uuml;berein. Mit &auml;hnlicher Problematik konfrontiert beurteilt Caroline HORCH die Auswirkungen auf<br \/> \t170.) Vgl. OEXLE, Memoria und Memorialbild, (zit. Anm. 155), S. 385.<br \/> \t171.) Vgl. C. Horch, Der Memorialgedanke (zit. Anm.160), S. 11.<br \/> \t172.) Vgl. Ebenda, S. 17.<br \/> \t173.) Siehe dazu Kapitel 3.3., S. 34f.<br \/> \t174.) Siehe dazu Kapitel 6.2.1, S. 74ff.<br \/> \tMemoria: &bdquo;Ein mittelalterliches Bildwerk, das aus seinem vorgesehenen respektive angestammten Kontext entfernt wurde oder vom modernen Betrachter allein als museales Kunstwerk angesehen wird, kann nicht mehr ad&auml;quat verstanden werden.&nbsp;<br \/> \tDer Funktionszusammenhang wird zerrissen, dem Bild kommt eine Dimension abhanden und auch wenn eine kunsthistorische Bedeutung des Werkes bestehen bleibt, so muss man sich doch fragen, ob nicht zumindest der Memoria des Menschen Schaden<br \/> \tzugef&uuml;gt wurde.&ldquo;<br \/> \tIn Sierndorf kommt der umgekehrte Fall zu tragen,<br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">175.) Ebenda, S. 16f.<\/span><br \/> \tnicht die Portr&auml;tb&uuml;sten wurden entfernt, sondern der sie umgebenden Raum wurde zu einem gro&szlig;en Teil neu gestaltet. &Auml;hnliche Umst&auml;nde gelten auch f&uuml;r die Selbstportr&auml;ts Anton Pilgrams im Wiener Stephansdom. Sie blieben &uuml;ber die Jahrhunderte an ihrem urspr&uuml;nglichen Platz, das Beziehungsgef&uuml;ge innerhalb des Kirchenraumes, in welches sie urspr&uuml;nglich eingebettet waren, wurde jedoch zu gro&szlig;en Teilen zu Grunde gerichtet.<br \/> \tMichael Viktor SCHWARZ rekonstruierte den origin&auml;ren Funktionszusammenhang der Wiener Bildwerke und versuchte im Anschluss eine Analyse desselben.<br \/> \tSeine Forschungsergebnisse werden nun in Bezug auf ihre &Uuml;bertragbarkeit auf das Sierndorfer Doppelportr&auml;t untersucht.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">6.1.2. Die Orgelfu&szlig;b&uuml;ste Anton Pilgrams und ihre Wirkung auf die Sierndorfer Portr&auml;tb&uuml;sten als Nachweis der religi&ouml;sen Motivation der Stiftung<br \/> \t<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Welche Bedeutung haben die Erkenntnisse des Michael Viktor SCHWARZ f&uuml;r die Sierndorfer Portr&auml;tb&uuml;sten? Wenn wir heute auf das Kunstwerk<br \/> \t181.) 1 Ebenda, S. 234.<br \/> \t182.) DAW, Bruderschaftsbuch der Gottsleichnamsbruderschaft, fol. 33v., zit. nach: R. PERGER, Wiener K&uuml;nstler des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Regesten, Wien 2005, S. 143.<br \/> \t183.) M. V. SCHWARZ, Altargucker (zit. Anm. 144), S. 235.<br \/> \tschauen, so m&uuml;ssen wir in Betracht ziehen, dass es trotz seiner augenscheinlichen Unversehrtheit nicht nachweislich vollst&auml;ndig erhalten ist.<br \/> \tEs ist durchaus denkbar, dass die beiden Sierndorfer B&uuml;sten zum Zeitpunkt ihrer Erschaffung auf weitere, urspr&uuml;nglich im Kircheninnenraum befindliche Ausstattungsobjekte Bezug nahmen beziehungsweise bis heute auf verbliebene Objekte Bezug nehmen. In Anbetracht der vielfach belegten Vorbildwirkung der Pilgramb&uuml;sten f&uuml;r die Sierndorfer Werke liegt es nahe, auch hier den Blick der Dargestellten zu studieren und nachzuvollziehen, denn als Mittel zur Veranschaulichung etwaiger Verbindungen m&ouml;gen wiederum die Blicke der Dargestellten dienen beziehungsweise gedient haben. Bei den folgenden Betrachtungen ist stets zu bedenken, dass, genauso wie auch im Stephansdom geschehen, der Innenraum im Laufe der Jahrhunderte massiv umgestaltet wurde.<br \/> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Heute blickt die B&uuml;ste des Schlossherrn in Richtung des Ausstattungsst&uuml;ckes seiner Stiftung, das wohl am meisten hervorsticht, n&auml;mlich in Richtung des Hochaltares. Im Jahr 1690 wurde die Schauseite hinter einem monumentalen Altargem&auml;lde verborgen und der gesamte Corpus mit einem Barockaltar ummantelt, doch nicht entfernt. 1896 wurde das Altarbild wieder abgenommen und der wiederentdeckte Renaissancealtar restauriert. Seine Positionierung zentral im Chor des einschiffigen Saalraumes spricht f&uuml;r eine relativ unver&auml;nderte Aufstellung. Eventuell stand er einst etwa einen Meter hinter dem jetzigen Aufstellungsort, in diesem Fall w&uuml;rde der Blick des Schlossherrn genau auf den Altar treffen. Zurzeit blickt Wilhelm von Zelking auf einen Punkt, der sich ungef&auml;hr einen Meter dahinter befindet. Der Hochaltar zeigt gem&auml;&szlig; des Patroziniums der Schlosskapelle ein Marianisches Programm. In der Predella h&auml;lt Maria sitzend das Christuskind, um die Huldigung der Heiligen Drei<br \/> \t184.) Vgl. P. MARTINZ TUREK, Die Renaissancealt&auml;re von Sierndorf, aus Beitr&auml;ge zur Wiener<br \/> \tDi&ouml;zesangeschichte: Jahrgang 12, Nr. 1<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">3, Wien 1971, S. 8.<br \/> \t<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">K&ouml;nige und der Stifterfamilie entgegenzunehmen. Eingemei&szlig;elt in die Stufe des Thrones Marias ist die Jahreszahl 1518. Zur linken Seite der thronenden Maria kniet Wilhelm von Zelking, zu ihrer rechten Seite seine Gattin Margaretha. Anhand der an den seitlichen Pilastern wiedergegebenen Familienwappen sind die beiden eindeutig identifizierbar. Ebenfalls dargestellt sind die f&uuml;nf bis zum Jahr 1518 bereits geborenen Kinder des Ehepaares. Die beiden S&ouml;hne knien vor dem Vater, die drei T&ouml;chter vor der Mutter.<br \/> \tEduard Freiherr von SACKEN, der den lange in Vergessenheit geratenen Renaissancealtar einst wieder auffand, liefert eine umfassende Beschreibung der Dargestellten: &bdquo;Rechts kniet der Stifter des Altarwerkes mit betend erhobenen H&auml;nden, in einer R&uuml;stung, wie solche zur Zeit Maximilians I. getragen wurden, kanneliert, mit runder Brust, gereiften Achseln mit kleinen Stosskr&auml;gen, gro&szlig;en M&auml;useln, Beinr&ouml;hren, stumpfen Schuhen mit Sporeneinschnitten an den Fersen. Der in regelm&auml;&szlig;ige Falten gelegte steife Waffenrock mit vier Querstreifen reicht von den H&uuml;ften bis auf den Boden. Das gekehlte Visier des Bourguinot ist aufgeschlagen und l&auml;sst das Gesicht des Ritters frei, welcher unverkennbar dieselben Z&uuml;ge zeigt, wie die B&uuml;ste am Oratorium. Vor dem Stifter knien zwei S&ouml;hnchen mit Schauben und aufgest&uuml;lpten Baretten. Gegen&uuml;ber sehen wir seine Gemahlin in der f&uuml;r die Kirche zu Anfang des XVI. Jahrhunderts &uuml;blichen Tracht mit Gugel und Kinnbinde; das Kleid hat an Ellbogen und Handkn&ouml;cheln geschlitzte Puffen, das lange, &auml;rmellose &Uuml;berkleid einen breit ausgelegten Kragen. Vor ihr knien die drei T&ouml;chterchen in Schauben, auf den K&ouml;pfchen gro&szlig;e Netzhauben.&ldquo;<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><strong>Predella in der Schlosskirche Sierndorf <\/strong><\/span><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\"><strong>(Ausschnitt vom Hochaltar)<\/p>\n<p> \t<\/strong><\/span><br \/> \t<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/sierndorf predella.jpg\" style=\"width: 262px; height: 176px;\" \/><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\">Bildrechte bei Herrn Robert Holler\/Stockerau (freundlicherweise und kostenlos zur Verf&uuml;gung gestellt!)<\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"> <\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Der dem Blick des stolzen Schlossherrn auf der Empore folgende Betrachter sieht ihn schlie&szlig;lich dem&uuml;tig vor der Gottesmutter kniend und &#8211; die H&auml;nde zum Gebet erhoben &#8211; an der Anbetung der K&ouml;nige teilnehmend. Mag eine isolierte Betrachtung der Emporenportr&auml;ts in erster Linie ihren profanen<\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"> <\/span><\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">185.) SACKEN, Kunstdenkmale (zit. Anm. 90), S. 124.<br \/> \tCharakter hervor streichen, so wird durch die Bezugnahme auf den Altar die tiefe Religiosit&auml;t des Stifterehepaares in der Verehrung des Jesuskindes deutlich.<br \/> \tUngleich schwieriger l&auml;sst sich der Blick der Schlossherrin von der Empore herab nachvollziehen.<br \/> \tAnders als ihr Mann blickt sie heute auf die in den Bankreihen sitzenden Kirchenbesucher. An dieser Stelle m&uuml;ssen nun die bereits angesprochenen Umbauten ber&uuml;cksichtigt werden. Das von Wilhelm von Zelking in Auftrag gegebene Konzept umfasste einst auch vier Seitenalt&auml;re, die um 1520 geschaffen wurden. Diese entfernte man um 1700 und ersetzte sie durch Barockalt&auml;re. Seit 1939 befindet sich der Katharinenaltar, der auf dem Giebel des nahen Meierhofes eingemauert war wieder in der Kapelle.&nbsp; Der halbkreisf&ouml;rmige Aufsatz eines weiteren Altares, den Hl. Christopherus, Florian und Georg zeigend, befand sich beim sogenannten Grummethof, einem weiteren zum Gut Sierndorf geh&ouml;rigen ehemaligen Meierhof. Der &Uuml;berrest des Altars wurde nach seiner Auffindung zun&auml;chst im Schloss aufbewahrt und ebenfalls 1939 &uuml;ber der Sakristeit&uuml;r eingemauert. Weitere Teile der Seitenalt&auml;re waren in die Friedhofsmauer eingelassen und wurden in den 1920ern verkauft. In welcher Form die vier Seitenalt&auml;re angeordnet waren ist ungewiss. Mit Bestimmtheit kann nur gesagt werden, dass die Schlossherrin auf einen der vier herabschaute.<br \/> \t&Uuml;berliefert und somit interpretierbar sind letztendlich nur die beiden Figuren selbst. Ausgehend von einem einstmals bestehenden Ensemble bringt die<br \/> \t186.) Vgl. MARTINZ TUREK, Die Renaissancealt&auml;re von Sierndorf (zit. Anm. 184), S. 16.<br \/> \t187.) Vgl. Ebenda S. 8.<br \/> \t188.) Der zwischen dem Bundesdenkmalamt und dem Sierndorfer Gutshof gef&uuml;hrte Briefwechsel zur Wiederaufstellung der beiden Seitenalt&auml;re ist im Archiv des Bundesdenkmalamtes einzusehen. 1936\/Gesch&auml;ftszahl 727, 1936\/Gesch&auml;ftszahl 3400, 1937\/ Gesch&auml;ftszahl 4631, 1938\/Gesch&auml;ftszahl 2946, 1939\/Gesch&auml;ftszahl 3848.<br \/> \t189.) Vgl. KECK, Schlosspfarrkirche Mari&auml;-Geburt (zit. Anm. 77), S. 358. Vgl. KECK, Sierndorf (zit. Anm. 75), S. 476.<br \/> \tisolierte Untersuchung der B&uuml;sten ohne Zweifel keine ersch&ouml;pfende Antwort auf die Frage nach dem vom Auftraggeber intendierten religi&ouml;sen Moment der Memoria. Doch auch ohne das Wissen um eine m&ouml;glicherweise verloren gegangene Komponente des Werkes kam Rupert FEUCHTM&Uuml;LLER bei seiner Interpretation des Vorhandenen zu einer Anerkennung der religi&ouml;sen Motivation: &bdquo;Hier nimmt der Schlossherr in der von ihm erbauten Kapelle, sozusagen f&uuml;r alle Zeiten, an der heiligen Messhandlung teil. &hellip; Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt, sondern der heilige Ort ist es, das Messopfer, an dem der Stifter allzeit teilnehmen will.&ldquo;<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">6.1.3. These gegen die Intention einer Nutzung der Sierndorfer Schlosskapelle als Grablege<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Die grundlegendste und verbreitetste Erscheinungsform des Memorialbildes ist das Grabmal. Doch wie schon bei der Einf&uuml;hrung des Terminus des Memorialbildes angesprochen, ist es allein die Bildfunktion &ndash; die Verwendung des Bildes im Rahmen der Memoria &ndash; die ein Bild zu einem Memorialbild macht. Bei Grabbildern und Epitaphen ist diese Bildfunktion evident, doch neben diesen gibt es auch andere, weniger bekannte Erscheinungsformen des Memorialbildes.<br \/> \tDie Sierndorfer Schlosskapelle beherbergt in der Tat keine Grablege f&uuml;r den 1541 verstorbenen Wilhelm von Zelking. Nach den Aufzeichnungen Franz Karl WISSGRILLS wurde der Schlossherr in der Wiener Minoritenkirche beigesetzt. Zum Zeitpunkt der Abfassung des WISSGRILLSCHEN Manuskripts d&uuml;rfte sich der heute verschollene Grabstein, dessen Wortlaut der Autor wiedergibt, noch vor Ort in der Minoritenkirche befunden haben:<br \/> \t190.) R. FEUCHTM&Uuml;LLER, Kunst in &Ouml;sterreich (zit. Anm.129), S. 197f.<br \/> \t191.) Vgl. OEXLE, Memoria und Memorialbild (zit. Anm. 155), S. 391.<br \/> \t192.) Vgl. WISSGRILL, Genealogische Collectanen (zit. Anm. 11), S. 77.<br \/> \tAm Pfingsttag nach Maria Himmelfahrt im Jahr 1541 starb der wohlgeborene Herr Wilhelm von Zelking zu Sierndorf etc: der R&ouml;misch. K&ouml;nigl. Majest&auml;t Rath und Hauptmann zu Hainburg, dem Gott gnnad, der diese Begr&auml;bni&szlig; f&uuml;r ihn und all sein Geschlecht und Nachkommen, welche hier ihr Begr&auml;bni&szlig; haben wollen aufgerichtet.<br \/> \tAls die Witwe Wilhelms 1549 verstarb, wurde sie an der Seite ihres Mannes beigesetzt, davon zeugte der nachfolgende Zusatz zur Grabinschrift:<br \/> \tDen 12. December 1549 starb die wohlgeborene Frau Margaretha von Zelking geboren von Sandizel, seine Herrn Wilhems von Zelking eheliche Gemahl, ihre Hochzeit ist gewest im 1511ten Jahr.<br \/> \tIm Anschluss waren laut WISSGRILL alle sechzehn ihrer miteinander gezeugten Kinder angef&uuml;hrt.<br \/> \tDas von Karl LIND aufgearbeitete mittelalterliche Gr&auml;berverzeichnis der Minoriten ist leider nur unvollst&auml;ndig erhalten und kann &uuml;ber das Grabmal Wilhelms von Zelking keine weiteren Ausk&uuml;nfte geben. Es zeigt allerdings auf, dass innerhalb der Familie Zelking eine lange w&auml;hrende Tradition des Begr&auml;bnisses bei den Wiener Minoriten bestanden haben muss. Schon im 14. Jahrhundert fanden Margaretha von Zelking, Petrissa von Zelking sowie auch Otto von Zelking und seine Gattin Elisabeth dort ihre letzte Ruhest&auml;tte.<br \/> \tAm selben Ort liegen auch die Br&uuml;der Hainricus und Stephanus von Zelking begraben. Ihnen folgte ein weiterer Otto von Zelking zu Sch&ouml;neck, dessen genaues Todesjahr nicht verzeichnet wurde. Mitte des 16. Jahrhunderts scheint diese Tradition von der Familie<br \/> \t193.) Ebenda, S. 77.<br \/> \t194.) Ebenda, S. 77.<br \/> \t195.) Vgl. Ebenda, S. 77.<br \/> \t196.) K. LIND, Ein mittelalterliches Gr&auml;berverzeichnis des Wiener Minoritenklosters, in: Berichte des Altertums-Vereines zu Wien, XII, 1872, S. 52<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">114.<br \/> \t197.) Vgl. Ebenda, S. 61f., S. 85.<br \/> \t198.) Vgl. Ebenda. S. 86.<br \/> \t199.) Vgl. Ebenda, S. 63.<br \/> \tder Zelkinger wieder aufgenommen worden zu sein.<br \/> \tSo wurde nach WISSGRILLS Notizen 1540 Franz von Zelking, ein Enkel von Wilhelms &auml;ltesten Bruder Hans, in der Wiener Minoritenkirche beigesetzt.<br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">200.) Vgl. WISSGRILL, Genealogische Collectanen (zit. Anm. 11), S. 74.<\/span><br \/> \tUnd auch die 1549 verstorbene Tochter des zweitgeborenen Veit von Zelking, Ottilia, fand ihre letzte Ruhest&auml;tte bei den Wiener Minoriten.<br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">201.) Vgl. Ebenda, S. 75.<\/span><br \/> \tHermann WIESFLECKER kommt bei seinen Studien zum adeligen Lebenswandel um 1500 zu dem Schluss, dass adelige Familien, die etwas auf sich hielten, neben einem Schloss auch ein Erbbegr&auml;bnis in einem Hauskloster oder einer Patronatskirche besa&szlig;en.<br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">202.) Vgl. WIESFLECKER, &Ouml;sterreich (zit. Anm. 44), S. 294.<\/span><br \/> \tDie Wiener Minoriten als Hauskloster beziehungsweise Patronatskirche der Zelkinger zu bezeichnen, w&auml;re ohne Zweifel zu hoch gegriffen. Dennoch muss es wohl gro&szlig;z&uuml;gige finanzielle Zuwendungen von Seiten der Familie gegeben haben, da, wie Karl LIND seiner &Uuml;berarbeitung des Gr&auml;berverzeichnisses der Minoriten voranstellt &bdquo;Beg&uuml;nstigung einer solchen Ruhest&auml;tte nur Wohlt&auml;tern der Kirche und des Klosters oder um diese verdienten Personen erteilt wurde.&ldquo;<br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">203.) Vgl. K. LIND, Ein mittelalterliches Gr&auml;berverzeichnis (zit. Anm.196), S. 52.<\/span><\/p>\n<p> \tDie Missachtung der Geschichte und das in Vergessenheit geraten der Leistungen der Ahnen wurde als ein Grund f&uuml;r die Verdr&auml;ngung des Adels aus den angestammten Positionen gesehen. Dieser Entwicklung wollten sie durch Selbstdarstellung der eigenen Person, ihres Wirkens und ihrer Ziele vorausschauend<br \/> \t218.) WIESFLECKER, Kaiser Maximilian, 5 (zit. Anm. 40), S. 369.<br \/> \t219.) E. EGG, Maximilian und die Kunst, in: Ausst. Kat., Maximilian I.. Innsbruck, Innsbruck 1969, S. 93f.<br \/> \t220.) H. Th. MUSPER u.a., Kaiser Maximilians I. Wei&szlig;kunig,1, Stuttgart 1956, S. 225f., zit. nach: J.<br \/> \tM&Uuml;LLER, Gedechtnus. Literatur und Hofgesellschaft um Maximilian I., M&uuml;nchen 1982, S. 82.<br \/> \tentgegenwirken.<br \/> \tAuch f&uuml;r Wilhelm von Zelking hatte dieser Beginn der Verschriftlichung und der Aufzeichnung von Lebensdaten wohl Gewicht. Es<br \/> \tsind zwar keine literarischen Werke &uuml;berliefert, die sein Leben und Wirken preisen w&uuml;rden, doch es f&auml;llt auf, dass dieser Mann eigenh&auml;ndig seine Lebensdaten, wie die seiner Frau und seiner Kinder verzeichnete. Abgedruckt in der Kernschen Genealogie des Hauses Zelking hat sich unter Berufung das Streinsche Manuscript des st&auml;ndischen Archives in Wien folgende Schrift erhalten:<br \/> \t1482. August 4. &ndash; 1541. August 18.<br \/> \tIch Wilhalmb von Zelking, Herrn Christophen von Zelking Sun, der nachvolgunden Khinder Vatter, bin geboren des Suntags nach Sand Stefans Tag im Snidt (August 4.) zwischen sechsten und siben Ur Vormittag im lxxxij jar und hab geheyrat meines Alters im xxviijten Jar und am Suntag vor Auffart beygelegen (Mai 25.) und ist beschehen der Jar Zall im xiten Jahr.<br \/> \tUnd mein Hausfrau Margaretha geb. von Sandizell ist alt gewesen, da ich sie genohmen hab aus Khayser Maximiliani Frauen Zimmer zu Sand Emerencianen Tag (J&auml;nner 23.) im 18. Jahr (also geboren 1492) und haben die hier nach volgundten Khinder bey einander.<br \/> \tVermerkht meiner Khinder alter, wie alt ain jedes geborn ist.<br \/> \tMein erste Tochter Maria Anna ist geborn am Ertag vor Sand Florianstag (April 27.) im xii. Jar und ist im sibenden Jar gestorben.<br \/> \tDie ander Tochter Catharina ist geboren am Ertag zwischen 4 und 5 Uhr gegen Tag vor Sand Barthlmeestag (August 22.) im xiv. Jar; ist gestorben im xxxvii. Jar.<br \/> \tUnd meines Bruedern Sun, Hern Wolfens von Zelking, Franz genannt, ist geborn 3 Wochen vor Weihnachten gegen Tag im xv. Jahr; (December 3.); ist gestorben im xl. Jar an Montag nach Vlrici Tag. (Juli 5.)<br \/> \tMein Sun Quirin ist geborn am Ertag zwischen 5 und 6 Uhr Nachmittag vor Sand Peter und Pauls Tag im xvi. Jar (Juni 24.) und gestorben an Freytag nach Pfingsten (Mai 21.) des xxix. Jars.<br \/> \tMer ein Tochter auch Marie Anna genannt, wie die erst, ist geborn an Aller Sellen Tag (Novemb. 2.) zwischen x und xj Uhr im xvii. Jar; und ist gestorben im Vaschang, als im vi. Jar ist gewesen.<br \/> \t221.) M&Uuml;LLER, Gedechtnus (zit. Anm. 212), S. 94.<br \/> \tMein Sun J&ouml;rg ist geborn am Suntag vor Sand Colmans Tag (Oktober 10.) ein viertl Stund vor 12 Uhr im xviii. Jahr.<br \/> \tMein Tochter Ludwia ist geboren an Sambstag am neuen Jar Abend umb unser Zeit im xix. Jahr. (December 31.)<br \/> \tMein Son Christ Wilhalbm ist geborn am Cristag gegen Tag zwischen 7 und 8 Uhr (December 25.) im xx. Jar und ist desselben Jars gestorben.<br \/> \tMein Tochter Anna ist geborn am Phingsttag nach Erhardi (J&auml;nner 9.) um 3 Uhr Nachmitttag im xxii. Jahr.<br \/> \tMein Sun Hans Wilhalbm ist geborn am Osterabend um Mittag (April 4.) im xxiii. Jar; ist gestorben im xliii Jar am Montag nach Sand Franciscen Tag. (October 8.)<br \/> \tMein Son Cristoph Wilhalbm ist geborn am Pfingstag um 2 Uhr gegen Tag nach Sand Matheus Tag. (September 22.) im xxiv. Jar.<br \/> \tMein Sun Pail-Wilhalbm ist geborn an Sand Pauls Tag B. (J&auml;nner 10.) nach Mitternacht umb 1 Uhr im xxvi. Jahr.<br \/> \tMein Tochter Dorothea ist geboren in Pfingsten, ist gewesen in eim Freytag (Juni 7. oder 14.) umb 3 Uhr Nachmittags, des xxvii. Jars; ist desselben Jars gestorben.<br \/> \tMein Sun Wolf Wilhalmb ist geborn in der ersten Vast Wochen an Freytag Nacht gegen Tag zwischen 2 und 3 Uhr vor dem Suntag Reminiscere (Februar 19.) im xxix. Jar.<br \/> \tMein Sun Carl Ludweig ist geborn in Niederland zu Breisl, weil ich bei der K&uuml;nigin Maria von Ungarn gewesen bin, an eim Suntag nach Sand Ulrichs Tag (Juli 9.) gegen Mittag zwischen 11 und 12 Uhr, und Khayser Carl und seine Schwester Kh&uuml;nigin Maria haben ihn aus der Tauff gehoben im xxxi. Jar.<br \/> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<p> <\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">Totenschild des Carl Luwig von Zelking<br \/> \t(Schlosskapelle Sierndorf)<\/p>\n<p> \t<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/sierndorf totenschild a.jpg\" style=\"width: 207px; height: 190px;\" \/><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\">Bildrechte bei Herrn Robert Holler\/Stockerau (freundlicherweise und kostenlos zur Verf&uuml;gung gestellt!)<\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"> <\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Mein Son Peter Wilhelbm ist geborn an der Freytag Nacht umb 12 Uhr vor Sand Peter und Pauls Tag am Abendt (Juni 28.) im xxxii. Jar.<br \/> \tMein Tochter Apolonia ist geborn an Sand Veits Abend in der Nacht zwischen 1 und 2 gegen Tag (Juni 14.); ist Sand Veits Abend an aim Suntag gewesen im xxxiv. Jar; ist im xl. Jar gestorben in Osterfeyrtt&auml;gen (M&auml;rz 28.)<br \/> \tIst gestorben mein lieber Herr seliger den dritten Tag nach Marie Himmelfart im xli. Jar. (August 18.)<br \/> \tDieses Verzeichnis der Lebensdaten des Ehepaares und der Kinder des Hauses entbehrt jeglichen k&uuml;nstlerischen Anspruches. Es ist vielmehr ein Zeugnis der zunehmenden Verschriftlichung und B&uuml;rokratisierung der<br \/> \t222.) KERN, Regesten (zit. Anm. 1), S. 195<br \/> \tGesellschaft an der Wende zur Neuzeit. Ein Verdienst ist dem vorliegenden Manuskript jedoch keinesfalls abzusprechen, es h&auml;lt die Existenz der genannten jungen Leben f&uuml;r die Nachwelt fest. Die Namen und die Lebensdaten der teilweise noch unm&uuml;ndig verstorben Kinder &#8211; Christ Wilhalmb starb noch in den ersten Lebenstagen &#8211; sind bis heute jederzeit abrufbar. &Uuml;ber Geburten, Sterbetage und die Verm&auml;hlung des Wilhelm und der Margaretha hinaus enth&auml;lt die Schrift kaum weitere Informationen. Um sein Leben und Wirken der Nachwelt zu Kenntnis zu bringen, w&auml;hlte Wilhelm ein anderes Medium, die Steinplastik.<br \/> \tDie Nieder&ouml;sterreicher forderten St&auml;ndevertreter f&uuml;r das Regiment und einen &ouml;sterreichischen Kanzler, wie auch die Tiroler einen eigenen Kanzler hatten.&ldquo;<br \/> \tSollten diese Bedingungen nicht durchgesetzt werden, drohten die St&auml;nde mit Steuerverweigerung.<br \/> \tMaximilian befand sich in einer Zwangslage. Er brauchte dringend Unterst&uuml;tzung f&uuml;r seine Kriegsf&uuml;hrung, wurde aber vom Reich im Stich gelassen. Umso mehr war er also auf die Hilfe seiner L&auml;nder angewiesen und konnte deren W&uuml;nsche nicht mehr wie bisher einfach &uuml;bergehen. Seine Zugest&auml;ndnisse an die St&auml;nde brachten den Wendepunkt in der inneren Entwicklung der &ouml;sterreichischen L&auml;nder. Um ihre Position zu festigen, erwarben die nieder&ouml;sterreichischen St&auml;nde im Jahr 1513 ein Haus in der Wiener Herrengasse. Dort wurden von nun an ihre Versammlungen<br \/> \t232.) Vgl. WIESFLECKER, &Ouml;sterreich (zit. Anm. 44), S. 59.<br \/> \t233.) WIESFLECKER, Kaiser Maximilian, 5 (zit. Anm. 40), S. 212.<br \/> \t234.) Vgl. Ebenda, S. 293.<br \/> \tabgehalten und ein politisches Zentrum entstand.<br \/> \tDie in der Beschreibung der Sierndorfer Emporen hervorgehobenen Einfl&uuml;sse der an diesem Bau verwendeten Zierformen auf die Sierndorfer Werke, kennzeichnen beispielhaft die Bedeutung dieses Bauvorhabens f&uuml;r das Wiener Umland.<br \/> \tDar&uuml;ber hinaus legen sie nahe, dass die Beeinflussung &uuml;ber den Bereich des Motivischen und Stilistischen hinaus auch auf der Ebene der Intention zur Verwirklichung des Bauvorhabens erfolgte. Zeigten die Nieder&ouml;sterreichischen St&auml;nde mit der Errichtung ihres Landhauses nun Selbstbewusstsein und St&auml;rke gegen&uuml;ber dem Kaiser, so wollte auch der einzelne Adelige seine Position durch entsprechende bauliche Ma&szlig;nahmen verdeutlichen.<br \/> \tDer Venezianerkrieg darf aber auch ob der direkten Einfl&uuml;sse der italienischen Renaissancest&auml;dte auf die in die milit&auml;rischen Auseinandersetzungen verstrickten M&auml;nner nicht untersch&auml;tzt werden. Von 1494 bis 1516 hielten sich deutsche Militaristen auf italienischem Boden auf, und brachten dadurch die eingehende Kenntnis der italienischen Renaissancekunst ins Reich.<br \/> \t235.) G. STANGLER, Das nieder&ouml;sterreichische Landhaus, in: Ausst. Kat., Adel im Wandel, Rosenburg 1990, S. 307.<br \/> \t236.) E. EGG, Maximilian (zit. Anm. 219), S. 93.<br \/> \t<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><strong>6.3. Das Moment der Rechtssicherung und Besitzsicherung<br \/> \t<\/strong><\/span><\/p>\n<p> \t<span style=\"font-size: 14px;\"><strong> 6.3.1. Adelige Baut&auml;tigkeit in Nieder&ouml;sterreich nach 1500 als Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins des Landst&auml;ndigen Adels unter besonderer Ber&uuml;cksichtigung der Einfl&uuml;sse des Humanismus<\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">An der Wende vom Mittelalter zur Fr&uuml;hen Neuzeit bewirkte die Rezeption des Humanismus einschneidende Ver&auml;nderungen in der adeligen Hochkultur.<br \/> \tEin neues, an der Antike orientiertes Bildungsideal entstand. N&ouml;rdlich der Alpen wurde diese Str&ouml;mung seit dem 15. Jahrhundert aufgenommen.<br \/> \tKaiser Friedrichs III. &bdquo;Zweite Romfahrt&ldquo; von 1468\/69 brachte die Begegnung mit dem S&uuml;den und demnach mit der italienischen Renaissance. Als wesentliche Elemente des &bdquo;Renaissace-Humanismus&ldquo; nennt STRNAD die Wiederbelebung und den Aufschwung der klassischen Gelehrsamkeit, die neben dem &auml;sthetischen Element vor allem durch die Begeisterung f&uuml;r den lateinischen Stil, f&uuml;r Textkritik und Klassikerrezeption gekennzeichnet waren. Nach einer ersten Bl&uuml;tephase der Wiener Universit&auml;t um die Mitte des 15. Jahrhunderts, war der Humanismus im Reich und in &Ouml;sterreich um 1500 besonders stark ausgepr&auml;gt. Einen Entwicklungsr&uuml;ckschritt brachten die Auseinandersetzungen mit Mathias Corvinus gegen Ende des 15. Jahrhunderts.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<p> <\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">Mathias Corvinus<\/p>\n<p> \t<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/mcorvinus.jpg\" style=\"width: 137px; height: 178px;\" \/><br \/> \t<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Ungarische Briefmarke<\/span><br \/> \t<\/span><\/div>\n<div> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Doch Kaiser Maximilian I. verschaffte dem Humanismus eine zweite kurze Bl&uuml;tephase vor dem erneuten Niedergang durch die Pest 1521 und die T&uuml;rkengefahr.<br \/> \tNach der Vertreibung der Ungarn hatte sich &Ouml;sterreich unter der Enns rasch erholt, das Entstehen von 50 neuen Marktorten, zeugte vom ungew&ouml;hnlichen<br \/> \t237.) Vgl. K. VOCELKA, Geschichte &Ouml;sterreichs. Kultur &ndash; Gesellschaft &ndash; Politik, Wien 2002, S. 128.<br \/> \t238.) Vgl. A. STRNAD, Die Rezeption der italienischen Renaissance in den &ouml;sterreichischen Erbl&auml;ndern der Habsburger, in: Die Renaissance im Blick der Nationen Europas, Wiesbaden 1991, S. 158.<br \/> \t239.) Vgl. Ebenda, S.136.<br \/> \t240.) Vgl. VOCELKA, Geschichte &Ouml;sterreichs (zit. Anm. 231), S. 129.<br \/> \twirtschaftlichen Wachstum.<br \/> \tKaiser Maximilian I. wollte die Wiener Universit&auml;t zur ersten Hochschule Europas machen.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/maximilian i.jpg\" style=\"width: 138px; height: 175px;\" \/><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Kaiser Maximilian I. auf einer afrikanischen Briefmarke<br \/> \t(nach einem Gem&auml;lde vom Albrecht D&uuml;rer)<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&bdquo;Er stattete sie j&auml;hrlich mit einer Hofgabe von 1000 Gulden aus (ca. 5 Millionen &ouml;S oder 363.372 Euro); die Ausstattung h&auml;tte kaum gro&szlig;z&uuml;giger sein k&ouml;nnen. Die Wiener Universit&auml;t hatte das Verdienst, dass hier die ersten humanistischen Vorlesungen n&ouml;rdlich der Alpen gehalten wurden&ldquo;, pr&auml;zisiert WIESFLECKER. Gelehrte aus Italien und Deutschland wurden an die Universit&auml;t geholt und da die adelige Oberschicht zum Teil in Wien studierte, durchdrang der neue Geist auch Nieder&ouml;sterreich und Ober&ouml;sterreich. So nahmen der Adel, die Kl&ouml;ster, die St&auml;dte und viele Pfarrherrn am geistigen Leben Anteil, vom Volk wurde diese Elitekultur jedoch kaum aufgenommen. Kaiser Maximilians Anteil an dieser Entwicklung darf keinesfalls untersch&auml;tzt werden. Sein Engagement f&uuml;r die Hochschule kann indirekt auch als M&auml;zenatenverdienst in Bezug auf die bildenden K&uuml;nste angesehen werden.<br \/> \tIn Wien stand der Bau von St. Stephan vor seiner Vollendung (Einstellung des Nordturmprojekts 1511), das Dominnere wurde mit Kanzel (1495<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1498) und Orgelfu&szlig; (1510<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1513) kunstvoll ausgestattet. Die Humanisten der Wiener Universit&auml;t, wie Celtis (1508),<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/celtis.jpg\" style=\"width: 186px; height: 279px;\" \/><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\">Conrad Celtis<br \/> \t(aus dem Internet entnommen)<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Slatkonia (1513<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">1519) und Cuspinian (nach 1529)<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/cuspinian.jpg\" style=\"width: 164px; height: 214px;\" \/><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\">Portr&auml;t des Johannes Cuspinian<br \/> \tvon Lucas Cranach d. &Auml;. 1503<br \/> \t(Wikipedia)<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">lie&szlig;en sich hier ihre pr&auml;chtigen Grabdenkm&auml;ler setzen. Mit diesen nahmen das neue Menschenbild und die neuen Stilmittel des Renaissancehumanismus ihren Ausgang. Die Impulse im Bereich des Kunstschaffens und der Baut&auml;tigkeit wurden vom Umland aufgenommen und umgesetzt. Da es sich bei den meisten, der in der Folge entstehenden Alt&auml;re und Epitaphen um Auftragswerke handelt, liegt es nahe, die Besteller f&uuml;r die<br \/> \t241.) Vgl. WIESFLECKER, &Ouml;sterreich (zit. Anm. 44), S. 63.<br \/> \t242.) Ebenda, S. 399f.<br \/> \t243.) Ebenda, S. 397ff.<br \/> \t244.) OETTINGER, Pilgram (zit. Anm. 120), S. 83.<br \/> \t245.) Ebenda, S. 63.<br \/> \tVerwendung der modernen Formen verantwortlich zu machen. Auftraggeber und Stifter lernten das Werk nicht erst im fertigen Zustand kennen, sondern waren aktiv an dessen Entstehungsprozess beteiligt, indem sie ihre W&uuml;nsche &auml;u&szlig;erten.<br \/> \tDie Auftraggeber sch&auml;tzten die Renaissanceformen wohl vor allem aufgrund ihrer N&auml;he zum Humanismus, ihre Verwendung sollte die eigene Bildung demonstrieren. Gleichzeitig konnten sie so die eigene Fortschrittlichkeit unter Beweis stellen und zeigen, dass sie &uuml;ber die neuesten Moden informiert waren.<br \/> \tViele adelige Landschl&ouml;sser wurden in der Folge erneuert. W&auml;hrend des 16. Jahrhunderts war die Umgestaltung der herk&ouml;mmlichen mittelalterlichen Burgen und Schl&ouml;sser zur Gewinnung bequemerer, ansehnlicherer und sicherer Wohnverh&auml;ltnisse auf dem Lande die Hauptaufgabe des adeligen Bauens. Je nach Stand und Rang des Adeligen verf&uuml;gte er &uuml;ber eine Burg, ein Schloss, eine Herrschaft, einen Edelmannssitz, einen Freihof oder ein Gut, mit jeweils genau definierter Rechtsqualit&auml;t. Permanent nach au&szlig;en sichtbar repr&auml;sentierte die Architektur des Adelsitzes die Bedeutung und den Einfluss des Eigent&uuml;mers. Die Legitimation des eigenen Machtanspruches war demnach einer der Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r den Bauboom um 1500. Mit den Umbauarbeiten der mittelalterlichen, stark befestigten Anlagen zu neuzeitlichen Repr&auml;sentationsbauten wurden in der adeligen Baukultur die s&uuml;dlich der Alpen ausgebildeten Renaissanceformen eingef&uuml;hrt.<br \/> \tViele der adeligen Schlossbesitzer hatten in Italien studiert und dort die Pal&auml;ste und Villen der italienischen Renaissance kennengelernt. Ebensolch prunkvolle<br \/> \t246.) C. J&Auml;GGI\/ H. MEIER (Hg.), F&uuml;r irdischen Ruhm und himmlischen Lohn: Stifter und Auftraggeber in der Mittelalterlichen Kunst, Berlin 1995, S. 9.<br \/> \t247.) Vgl. C. BAER, Die italienischen Bau- und Ornamentformen in der Augsburger Kunst zu Beginn des 16. Jahrhunderts, Berlin 1993, S. 302.<br \/> \t248.) Vgl. BERGER, Adelige Baukunst, (zit. Anm. 71), S. 118.<br \/> \t249.) Ebenda, S. 113.<br \/> \t250.) Ebenda, S. 115.<br \/> \tBauten wollte auch der landst&auml;ndische Adel im Wiener Umland besitzen.<br \/> \tDie neu gestalteten Schlossanlagen offenbarten die verfeinerte Wohnkultur und den wachsenden Reichtum der Bewohner und waren nicht selten Wohnh&auml;user und Verwaltungsgeb&auml;ude zugleich.<br \/> \tIn der N&auml;he der Schl&ouml;sser wurden gleichzeitig zumeist Pfarrkirchen und Schulen errichtet. Diese Bauma&szlig;nahmen zeugen von der Tendenz, eigenst&auml;ndige verwaltungs- und bildungsm&auml;&szlig;ige Zentren zu bilden und zeigen eine weitere Facette des anspruchsvollen adeligen Selbstbewusstseins.<br \/> \tDieser Entwicklung entsprechend geht auch das Sierndorfer Schulgeb&auml;ude auf das Jahr 1543 zur&uuml;ck.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><strong>6.3.2.<\/strong><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Das Goldene Dachl zu Innsbruck und sein Einfluss auf die Stiftungen Wilhelms von Zelking als Beispiel f&uuml;r politische Legitimation, Rechtssicherung und Besitzsicherung innerhalb des Memorialgedankens Dokumente, die den Aufenthalt Wilhelms von Zelking in Innsbruck eindeutig belegen k&ouml;nnten, sind bis dato keine bekannt.<br \/> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/gd 2.jpg\" style=\"width: 205px; height: 207px;\" \/><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"> <span style=\"font-size: 14px;\">&Ouml;sterreichiscche Landeshauptst&auml;dte 1923<br \/> \t<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&bdquo;Ver&ouml;ffentlichung mit freundlicher Genehmigung der &Ouml;sterreichischen Post AG<\/span><span><span style=\"font-size: 14px;\">&ldquo;<\/span><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Dennoch legen einige Stationen im Leben des Zelkingers eine Durchreise durch die Residenzstadt nahe. Einen Anlass f&uuml;r einen zumindest kurzen Aufenthalt in Innsbruck gibt Wilhelms Teilnahme am Krieg wider die Venezier im Sommer 1509.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/gd.jpg\" style=\"width: 123px; height: 189px;\" \/><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Das Goldene Dachl, gemalt von Bischof Reinhold Stecher <\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> Weihnachtsmarke 2010<br \/> \t<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&bdquo;Ver&ouml;ffentlichung mit freundlicher Genehmigung der &Ouml;sterreichischen Post AG<\/span><span><span style=\"font-size: 14px;\">&ldquo;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Wie bereits in seinem Lebenslauf erw&auml;hnt, befand sich Wilhelm im Zug jener 1000 Reiter, die die nieder&ouml;sterreichischen St&auml;nde Kaiser Maximilian als Kriegshilfe zukommen lie&szlig;en. Eingehende Informationen zu diesem Kriegszug bietet einmal mehr WIESFLECKER: &bdquo;Am 1. Juni 1509 &hellip; &uuml;berschritt das kaiserliche Heer, gr&ouml;&szlig;tenteils Tiroler &ndash; insgesamt kaum 10.000 Mann und 1.500 Reiter &ndash;, mit drei sehr schwachen Heeresgruppen die venezianischen<br \/> \t260.) Vgl. Ebenda, S. 82.<br \/> \tGrenzen im Etschtal, Valsugana und Cadore &hellip;&ldquo;<br \/> \tDie kaiserlichen Truppen sammelten sich also im an Venedig angrenzenden Tirol und &uuml;berschritten von dort aus die Grenze. Eine Durchreise des jungen Adeligen durch die Residenzstadt w&auml;re demnach nur plausibel.<br \/> \tGest&auml;rkt wird die Theorie des Innsbruckaufenthalts des Zelkingers durch die in diesen Zeitraum fallende Wahl seiner Gemahlin.<br \/> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/gemeinde\/gd 3.jpg\" style=\"width: 168px; height: 163px;\" \/><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Die moderne Version (2008)<br \/> \t<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&bdquo;Ver&ouml;ffentlichung mit freundlicher Genehmigung der &Ouml;sterreichischen Post AG<\/span><span><span style=\"font-size: 14px;\">&ldquo;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">&nbsp;<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Nur zwei Jahre nach dem Feldzug, nahm Wilhelm das Hoffrauenzimmer Margaretha von Sandizell zur Frau. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Blick auf den Standort des kaiserlichen Hofes. Die Wiener Burg spielte um 1500 als fester Standort des kaiserlichen Hofes so gut wie keine Rolle mehr.<br \/> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">WIESFLECKER pr&auml;zisiert &bdquo;In Wien und Umgebung hielt sich Maximilian von 1490 bis 1519 nur etwa 39 Wochen auf. Innsbruck war neben Mecheln der eigentliche Sitz des Hofes und die Hauptstadt der aufsteigenden habsburgischen Gro&szlig;macht.&ldquo; Es ist daher anzunehmen, dass Wilhelm am Innsbrucker Hof auf seine sp&auml;tere Gattin traf. Der Zeitraum w&auml;re mit 1509, dem Jahr seiner Teilnahme am Venedigerfeldzug, und 1511, dem Jahr der Heirat, einzugrenzen.<br \/> \tAusgehend von diesen &Uuml;berlegungen liegt die Vermutung nahe, dass Wilhelm von Zelking die von Kaiser Maximilian neu gestaltete Innsbrucker Hofburg kennenlernen durfte. Ein Denkmal der Residenzstadt hat er jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kennen gelernt &ndash; das Goldene Dachl am Neuenhof. Allein der Standort des Denkmals an der Hauptroute von Augsburg nach Italien bewirkte, dass Generationen von Kaufleuten, Reisenden, Pilgern und Soldaten &ndash; in dieser Funktion bereiste auch Wilhelm von Zelking die Stadt &ndash; am Goldenen Dachl vorbeiziehen mussten.<br \/> \tDenn bis zum Bau der Universit&auml;tsbr&uuml;cke (1930\/31) verlief der<br \/> \t261.) H. WIESFLECKER, Kaiser Maximilian I.. Das Reich, &Ouml;sterreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, Bd. 4, Wien 1981, S. 51f.<br \/> \t262.) Ebenda, S. 278.<br \/> \tgesamte Verkehr durch die Innsbrucker Altstadt und somit durch die Herzog-Friedrich-Stra&szlig;e, dem Standort des Neuenhofs. Den Bekanntheitsgrad des Kunstwerkes dokumentiert folgender Abschnitt des im Jahr 1558 gedruckten &bdquo;Tiroler Landreimes&ldquo; des Gerold R&ouml;sch von Geroldshausen:<br \/> \tDas guldin Dach gar wol bekhanndt<br \/> \tsein Ruemb erschollen in weytte Lanndt.<br \/> \tWilhelm von Zelking befand sich ausgehend von den bereits eingangs formulierten &Uuml;berlegungen zwischen 1509 und 1511 in Innsbruck. Das hei&szlig;t das Goldene Dachl bestand zum Zeitpunkt seines Aufenthaltes sowohl nach den Datierungen Franz-Heinz HYES, der die Entstehung des Prunkerkers um 1494 bis 1496 ansetzt, als auch nach den Ausf&uuml;hrungen Johanna FELMAYERS, die die Fertigstellung vor 1500, dem Jahr des Augsburger Reichstages annimmt.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/gd 1.jpg\" style=\"width: 183px; height: 215px;\" \/><br \/> \t<\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"> <\/span><\/span> \t<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t\t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Freimarke &bdquo;Bauten&ldquo; (1957\/63)<br \/> \t\t<\/span><\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&bdquo;Ver&ouml;ffentlichung mit freundlicher Genehmigung der &Ouml;sterreichischen Post AG<\/span><span><span style=\"font-size: 14px;\">&ldquo;<\/span><\/span><\/span><br \/> \t\t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/span><\/span><\/div>\n<\/p><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">FELMAYERS Thesen widersprechen der landl&auml;ufig &uuml;berlieferten Legende, Kaiser Maximilian I. h&auml;tte das Goldene Dachl<br \/> \t263.) Vgl. F. H. HYE, Das Goldene Dachl Kaiser Maximilians I. und die Anf&auml;nge der Innsbrucker Residenz, Innsbruck 1997, S. 42.<br \/> \t264.) G. R&Ouml;SCH von GEROLDSHAUSEN, Tiroler Landreim, o. O. 1558, zit. nach: F. H. HYE, Das Goldene Dachl Kaiser Maximilians I. und die Anf&auml;nge der Innsbrucker Residenz, Innsbruck 1997, S. 42.<br \/> \t265.) Vgl. F. H. HYE, Das Goldene Dachl (zit. Anm. 263), S. 42.<br \/> \t266.) Vgl. Ebenda S. 40.<br \/> \t267.) Vgl. J. FELMAYER, Das Goldene Dachl in Innsbruck. Maximilians Traum vom Goldenen Zeitalter, Innsbruck 1996, S. 11.<br \/> \tanl&auml;sslich der Heirat mit seiner zweiten Frau Maria Bianca Sforza errichten lassen. Die Verm&auml;hlung hatte laut FELMAYER den rein politischen Zweck Italien zu sichern und das Verm&ouml;gen zu vermehren.<br \/> \tDer noch nicht ganz 30-j&auml;hrige Wilhelm von Zelking kam aus dem ganz unter dem Einfluss Wiens stehenden Osten des Landes in die Residenzstadt Innsbruck. Hier wollte er seine Gemahlin ausw&auml;hlen und hier traf er auch auf das beeindruckende Prestigedenkmal Maximilians, der sich selbst und seine beiden Frauen in Stein gemei&szlig;elt verewigen lie&szlig;. Es handelt sich bei den<br \/> \tbeiden Portr&auml;treliefs Maximilians um die &auml;ltesten &ouml;ffentlichen Portr&auml;ts des Kaisers, wie HYE in seiner Befassung anmerkt.<br \/> \tNoch nie zuvor kann dem Zelkinger ein Werk begegnet sein, das so unverhohlen das Selbstbewusstsein des, von der eigenen Bedeutsamkeit &uuml;berzeugten, Auftraggebers repr&auml;sentiert.<br \/> \tDer nun folgende Abschnitt des vorliegenden Kapitels soll aufzeigen<br \/> \t268.) Vgl. Ebenda S. 14f.<br \/> \t269.) Vgl. Hye, Das Goldene Dachl (zit. Anm. 263), S. 42.<br \/> \t270.) Vgl. Ebenda, S. 116.<\/p>\n<p> \t<\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.zelking.grafikweb.eu\/images\/stories\/goldenes dachl 1.jpg\" style=\"width: 157px; height: 136px;\" \/><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Goldenes Dachl (Postkartenausschnitt)<\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&bdquo;Ver&ouml;ffentlichung mit freundlicher Genehmigung der &Ouml;sterreichischen Post AG<\/span><span><span style=\"font-size: 14px;\">&ldquo;<\/span><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">inwieweit die zentralen Mittelreliefs des Goldenen Dachls als Vorbild f&uuml;r die Intentionen, die zur Herstellung der Sierndorfer Plastiken gef&uuml;hrt haben, gedient haben k&ouml;nnen, und wo die Grenzen dieses Zusammenhangs liegen.<br \/> \tF&uuml;r das adelige Portr&auml;t stellt Sabine FELLNER, in ihrem Beitrag zum Ausstellungskatalog Adel im Wandel, fest, dass &bdquo; f&uuml;r die Selbstdarstellung des Adels das h&ouml;fische Portr&auml;t in gewisser Weise stets verbindlich bleibt.&ldquo; Beh&auml;lt diese Annahme auch f&uuml;r den Bereich der Skulptur ihre G&uuml;ltigkeit?<br \/> \tJedes der beiden 72,5 x 83 Zentimeter gro&szlig;en Reliefs aus Mittenwalder Sandstein zeigt eine Dreierkomposition &uuml;ber einer teppichgeschm&uuml;ckten Balustrade. Das linke Relief gibt Maximilian I. mit seinen beiden Gemahlinnen wieder. Im Zentrum befindet sich die ihm eben angetraute Bianca Maria, Maximilian wendet sich ihr von der linken Seite her zu. Die im Jahr 1482 verstorbene Maria von Burgund wird im rechten Bildteil mit verschr&auml;nkten Armen und v&ouml;llig unbeteiligt am Geschehen dargestellt.<br \/> \tDie an der Balustrade oberhalb ihres Wappens sitzende Eule kann nach FRENZEL als Symbol ihres Todes gedeutet werden.<br \/> \tDie rechte Dreierkomposition zeigt mittig Maximilian I. en face in Herrscherpose flankiert von einem Hofnarren wie einem Ratsherrn.<br \/> \tWilhelm sah sich demnach mit einem profanen Denkmal konfrontiert, das den amtierenden K&ouml;nig gleich zweimal unmittelbar nebeneinander, einmal im Profil und einmal en face zeigt. Diese doppelte Darstellung kann eigentlich nur dadurch erkl&auml;rt werden, dass der beinahe ununterbrochen durch das Reich reisende Monarch, f&uuml;r seine Innsbrucker Untertanen zumindest optisch allezeit pr&auml;sent<br \/> \t271.) S. FELLNER, Das adelige Portr&auml;t. Zwischen Typus und Individualit&auml;t, in: Ausst. Kat. Adel im Wandel. Politik. Kultur. Konfession. 1500<\/span><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">&ndash;<\/span><\/span><span style=\"font-size: 14px;\">1700, Rosenburg 1990, S. 499.<br \/> \t272.) Vgl. M. FRENZEL, Innsbruck um 1500, in: Ausst. Kat., Maximilian I. Triumph eines Kaisers. Herrscher mit europ&auml;ischen Visionen, Innsbruck 2005, S. 36.<br \/> \t273.) Vgl. Ebenda, S. 36.<br \/> \tsein wollte. Er wusste schon damals um die Bedeutung der bildenden Kunst f&uuml;r den pers&ouml;nlichen Bekanntheitsgrad.<br \/> \tDie erste Gemeinsamkeit der hier zu besprechenden Kunstwerke besteht darin, dass beide Auftraggeber zum Zeitpunkt der Auftragserteilung voll im Leben, ja sogar noch am Anfang ihrer jeweiligen Karriere standen und mit den lebensechten Selbstportr&auml;ts ihren Machtanspruch postulierten beziehungsweise gleichzeitig auch rechtfertigten. Keines der beiden Bildwerke steht auch nur im Entferntesten mit Begr&auml;bniskultur in Zusammenhang, hier z&auml;hlt das pure Leben und es bleibt noch viel Zeit um die selbst gesteckten Ziele in diesem Leben zu verwirklichen.<br \/> \tWilhelm von Zelking hatte gerade erst die wirtschaftliche Unabh&auml;ngigkeit erreicht, die ihm erm&ouml;glichte den Bund f&uuml;rs Leben zu schlie&szlig;en. Als ehrgeiziger junger Adeliger lag noch eine gro&szlig;e Karriere vor ihm &ndash; man bedenke den Ritterschlag zu Aachen 1521, die Bestellung zum Oberhofmeister der K&ouml;nigin Maria von Ungarn, sowie die Teilnahme am Reichstag zu Augsburg 1530. Doch gleichzeitig schien es f&uuml;r ihn von Bedeutung zu sein, seinen Anspruch auf das bisher erreichte &#8211; den Adelsitz sowie die damit verbundenen Privilegien &#8211; durch diese gro&szlig;z&uuml;gige Stiftung zu rechtfertigen. Schon die rein formalen Gesichtspunkte f&uuml;r sein pers&ouml;nliches Repr&auml;sentationsobjekt entlehnte der Zelkinger dem Innsbrucker Vorbild. Er gab einen vorspringenden architektonischen Bauk&ouml;rper in Auftrag, die Entscheidung f&uuml;r einen Erker beziehungsweise ein Scheinoratorium wird durch die Positionierung im Innenraum gerechtfertigt. Der in Innsbruck verwendete S&ouml;ller entspricht der dortigen Anbringung an der Au&szlig;enfassade. Eine solche &Ouml;ffnung nach au&szlig;en hin war in Sierndorf nicht zweckm&auml;&szlig;ig, das Schloss gab sich zum Umland hin wehrhaft geschlossen. Als f&uuml;r sich allein stehender Adelssitz musste es die Funktionen Repr&auml;sentation und Befestigung<br \/> \t274.) Vgl. HYE, Das Goldene Dachl (zit. Anm. 263), S. 77f.<br \/> \t275.) Vgl. WISSGRILL, Genealogische Collectanen (zit. Anm. 11), S. 76f.<br \/> \tin einem einzigen Geb&auml;ude vereinen. Die Repr&auml;sentationsfunktion wurde folglich in den inneren Bereich der Anlage verlegt, Wilhelm von Zelking w&auml;hlte den Sakralraum als Ort f&uuml;r die Legitimation seines Machtanspruchs.<br \/> \tZu Wilhelms Lebzeiten verweilten Reisende beziehungsweise G&auml;ste meist mehrere Tage und Wochen bei ihrem Gastherrn, der t&auml;gliche Messbesuch war obligatorisch. Mit der Schlosskapelle als Standort f&uuml;r sein pers&ouml;nliches Prestigeprojekt konnte der Schlossherr sicher sein, alle von ihm gew&uuml;nschten Adressaten zu erreichen. Hier ergibt sich eine Parallele zur Verbreitung der prunkvollen Ruhmesschriften Maximilians, auch sie waren dargestellt nur f&uuml;r einen ausgew&auml;hlten Kreis von Adressaten bestimmt. Die Idee der widerspr&uuml;chlichen Doppelfunktion eines Raumes, einerseits als Kirche und andererseits als Tr&auml;ger zur Darstellung au&szlig;erreligi&ouml;ser, politischer Inhalte ist durchaus kein Einzelfall und wird im Laufe des 16. Jahrhunderts immer wieder aufgegriffen.<br \/> \tSinn und Zweck vorkragender Architekturteile sind prim&auml;r das Sehen und Gesehenwerden.<br \/> \tSpielen bei Au&szlig;enbauten &ndash; insbesondere an einem derart belebten Ort wie der Innsbrucker Herzog- Friedrich-Stra&szlig;e das Sehen und die unmittelbare pers&ouml;nliche Teilnahme am Treiben der B&uuml;rger eine gro&szlig;e Rolle, so tritt im Innenraum deutlicher das Gesehenwerden in den Vordergrund.<br \/> \tZwar ist auch in der Sierndorfer Schlosskapelle ein Betreten der Empore &ndash; &uuml;ber die Wendeltreppe des dahinter liegenden Turmes &#8211; m&ouml;glich, der Ausblick bleibt jedoch auf die von den Zelkingern selbst vorgenommenen Stiftungen sowie die Messg&auml;nger<br \/> \tbeschr&auml;nkt. Entscheidend ist vielmehr das bewusste Sichsehenlassen, das sowohl in Innsbruck als auch in Sierndorf von den Stellvertreterbildnissen der Auftraggeber &uuml;bernommen wird. Auch in ihrer Abwesenheit, sei es zu Lebzeiten durch Reisen oder durch die endg&uuml;ltige Abwesenheit im Tode, bleiben die lebensecht abgebildeten Bauherrn alle Zeit pr&auml;sent.<br \/> \t276.) Vgl. HOLZSCHUH-HOFER, (zit. Anm. 247), S. 93f.<br \/> \tR&uuml;ckte HYE den Baubeginn des Goldenen Dachls in das Jahr der Verm&auml;hlung Maximilians mit seiner zweiten Gattin 1494, so lassen sich bei den Sierndorfer Werken auch in diesem Bereich Parallelen erkennen. 1511 nahm Wilhelm seine Margaretha zur Frau, mit 1516 sind die beiden Portr&auml;tb&uuml;sten datiert. Die Jahreszahl 1516 markiert allerdings nur einen ausgew&auml;hlten Zeitpunkt im Zusammenhang mit der Entstehung der B&uuml;sten, f&uuml;r deren Entwicklung von der Planung bis zur Ausf&uuml;hrung und Fertigstellung<br \/> \tist freilich ein l&auml;ngerer Zeitraum einzukalkulieren. Mit der, wie schon im Forschungsstand erw&auml;hnten, bei KECK erstmals vorgenommenen Datierung der Umgestaltung der Schlosskapelle in die Jahre 1511 bis 1516, kommt man einer Errichtung der Portr&auml;tb&uuml;sten aus Anlass der Eheschlie&szlig;ung schon wieder sehr nahe.&nbsp;<br \/> \t1516 markiert demnach punktuell das Jahr der Fertigstellung der B&uuml;sten. Doch wie schon beim ber&uuml;hmten Vorbild des Innsbrucker Dachls geschehen, wollte auch Wilhelm von Zelking mit seinem Prestigeprojekt keinesfalls in erster Linie seine eben erfolgte Eheschlie&szlig;ung oder gar seine junge Gemahlin in den Vordergrund stellen. Im Mittelpunkt der von ihm geschaffenen Inszenierung stand einzig sein eigenes Prestige. Es scheint, als wollte der ehrgeizige Zelkinger mit der Errichtung dieses selbstbewussten Denkmals aufzeigen, wie weit er es als Drittgeborener und von Geburt an f&uuml;r den Kirchendienst bestimmter Mann in seinem Leben bereits gebracht hatte. Mit diesem modernen Kunstwerk f&uuml;hrt er dem Betrachter seinen Reichtum, seine Bildung und seinen au&szlig;erhalb der Landesgrenzen geschulten Kunstsinn vor Augen. Die sch&ouml;ne und nach der teuersten Mode zeitgem&auml;&szlig; gekleidete Gattin zeugt wiederum von der Weltgewandtheit und dem Geschmack des Hausherrn. Der gewinnende Eindruck, den Margaretha hinterl&auml;sst, f&auml;llt wie ein Spiegelbild auf den Mann zur&uuml;ck, der ihr diesen gehobenen Lebensstandard erm&ouml;glicht hat. Es entsteht der Eindruck, als w&auml;re ein derart erfolgreicher und gut situierter Adeliger jedes weiteren Karrieresprunges w&uuml;rdig. Wilhelm pr&auml;sentiert sich als der Mann, der er gerne sein m&ouml;chte. Diesem Balanceakt zwischen Realit&auml;t und vorausschauendem Wunschdenken begegnet man ebenso in der Darstellung Maximilians I. an den beiden Mittelreliefs des Goldenen Dachls.<br \/> \t<\/span><\/p>\n<p> \t<strong><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><strong><span style=\"font-size: 14px;\">7. Zusammenfassung<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: center;\"> \t&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Ausgehend von der Frage nach der Motivation zur Errichtung des vorliegenden Doppelportr&auml;ts, lag der Schwerpunkt der Studien in der Erarbeitung der Bedeutung von Memoria f&uuml;r den Schlossherren und seine Zeitgenossen.<br \/> \tIn erster Linie wird Memoria mit dem Totengedenken im christlichen Kult in Verbindung gebracht. Im Mittelalter bedeutet der Tod f&uuml;r den Menschen nicht das Ende des Lebens. Er sieht seiner Auferstehung am J&uuml;ngsten Tag entgegen. In Erwartung des letzten Gerichts bleibt er somit auch nach seinem Ableben in einer Gemeinschaft mit den Lebenden. Der Schlossherr und seine Gemahlin zeigen sich, ins ewige Gebet versunken, als Teilhabende an der Messfeier. Sie sind Teil der Kirchengemeinde. Das Ged&auml;chtnis an die Verstorbenen soll bis zum Tag des J&uuml;ngsten Gerichts gewahrt werden. Die Lebenden und die Verstorben werden dann gemeinsam an der Erl&ouml;sung teilhaben. Um die Erinnerung an sich lebendig zu halten, stiftet Wilhelm von Zelking die Schlosskapelle und l&auml;sst sein eigenes Antlitz und das seiner Gemahlin in Stein verewigen. Die Messbesucher als Nutznie&szlig;er der Stiftung gedenken ihrer G&ouml;nner und schlie&szlig;en sie in ihre Gebete mit ein. Nimmt der Betrachter die Stifterb&uuml;sten dar&uuml;ber hinaus als Teil eines Beziehungsgef&uuml;ges im Kircheninnenraum wahr, so leitet der Blick des Schlossherrn die Aufmerksamkeit auf den Hochaltar weiter.<br \/> \tIn der Predella, eingebettet in eine Epiphanias Darstellung, erscheint wiederum das Ehepaar Zelking. Nun wird die tief empfundene Religiosit&auml;t deutlich und unmissverst&auml;ndlich in der Teilnahme an der Anbetung der Gottesmutter mit dem Christuskind zur Schau gestellt.<br \/> \tDoch die religi&ouml;se Motivation zur Errichtung der B&uuml;sten kann nicht ihren nahezu herrschaftlichen Charakter erkl&auml;ren. Es zeigt sich, dass mittelalterliche Memoria nicht allein auf den religi&ouml;sen Aspekt beschr&auml;nkt bleibt, sondern alle Lebensbereiche durchdringt.<br \/> \tKaiser Maximilian I. wendet sich mit seinem Ged&auml;chtniswerk prim&auml;r an die Nachwelt.<br \/> \tEr n&uuml;tzt genealogische Studien zur Untermauerung seines Herrschaftsanspruchs und betreibt ungehemmt Propaganda f&uuml;r seine eigene Person. Er handelt nach der Maxime:<br \/> \tWer ime im leben kain gedachtnus macht, der hat nach seinem tod kain ged&auml;chtnus und desselben menschen wird mit dem glockendon vergessen&hellip;<br \/> \tAm Innsbrucker Goldenen Dachl treibt er die Werbung f&uuml;r die eigene Person auf die Spitze. Ohne noch den entsprechenden Rechtsanspruch erlangt zu haben, l&auml;sst er sich mit der Kaiserkrone darstellen. Auch die nieder&ouml;sterreichischen St&auml;nde entwickelten ein immer st&auml;rkeres Selbstbewusstsein. Als der Kaiser im Venezianerkrieg auf ihre materielle Unterst&uuml;tzung angewiesen ist, n&uuml;tzen sie ihre Chance und setzen lange gehegte Forderungen durch.<br \/> \tMehr Mitbestimmung in Regierungsangelegenheiten und Garantien f&uuml;r ihre eigenen Besitzungen sind die Folge. Die daraus resultierende h&ouml;here Selbsteinsch&auml;tzung wird in der Schaffung eines politischen Zentrums, dem Nieder&ouml;sterreichischen Landhaus, sichtbar.<br \/> \tParallel dazu verl&auml;uft eine Welle der Neu- und Umgestaltungen einzelner Adelsitze. Eine weitere Ursache f&uuml;r das gesteigerte Selbstwertgef&uuml;hl der jungen Adeligen liegt in der wachsenden humanistischen Bildung. Vom Wirkungskreis der Wiener Universit&auml;t ausgehend verbreiten sich das neue Menschenbild und die neuen Stilmittel der Renaissance. Ihre Verwendung<br \/> \t279.) H. Th. MUSPER u. a., Kaiser Maximilians I. Wei&szlig;kunig,1, Stuttgart 1956, S. 225f., zit. nach: J. M&Uuml;LLER, Gedechtnus. Literatur und Hofgesellschaft um Maximilian I., M&uuml;nchen 1982, S. 82.<br \/> \tsoll vor allem die Bildung und die Fortschrittlichkeit der Auftraggeber unter Beweis stellen.<br \/> \tDie aus all den genannten Faktoren resultierende Selbstsicherheit des Zelkingers ist die Grundvoraussetzung f&uuml;r den von ihm erteilten Auftrag. Er stellt die Inszenierung seines Prestiges in den Mittelpunkt. Von Geburt her nur mit m&auml;&szlig;igen Karrierechancen bedacht, hat der drittgeborene Wilhelm von Zelking den Ehrgeiz, seine M&ouml;glichkeiten optimal auszusch&ouml;pfen. Mit der Erlangung des Herrschaftsanspruchs &uuml;ber das Gut Sierndorf schafft er sich eine gute Ausgangsposition f&uuml;r eine Laufbahn bei Hof. Die Stifterportr&auml;ts gibt der junge Adelige zu einem Zeitpunkt in Auftrag, an dem er schon stolz auf seine bisherigen Erfolge, wie etwa den Triumph im jahrelangen Erbschaftsstreit, verweisen kann. In erster Linie soll die B&uuml;ste nun das ihm eigene Potential verdeutlichen und seine Eignung f&uuml;r kommende, herausfordernde Aufgaben unterstreichen. Er pr&auml;sentiert sich als gebildeter und kunstsinniger Mann von Welt, die Darstellung erh&auml;lt den Charakter einer Visitenkarte.<br \/> \tVerfolgt man den beruflichen Werdegang des Zelkingers weiter, so wird offensichtlich, dass diese offensive Taktik des Werbens f&uuml;r die eigene Person Erfolg hat. Wilhelm von Zelking zeigt, was er ist und was er kann, damit ihn auch die Au&szlig;enwelt entsprechend wahrnimmt.<br \/> \tNoch heute raten Motivationstrainer zu &auml;hnlichen Strategien und auch ein wenig Gottvertrauen ist nie fehl am Platz.<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\">Sierndorf, im April 2010<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p> \t<strong>Es wurden weitgehend nur Ausz&uuml;ge (ohne Literaturhinweisen) die das Geschlecht Zelking betreffen, genommen.<\/strong><\/p>\n<p> \t<u> <\/u><\/span><\/span><\/span><span style=\"color:#ff0000;\"><span style=\"font-size: 14px;\"><strong><u>Vielen herzlichen Dank f&uuml;r die Bereitstellung des CD-Manuskriptes (und der Abdruckgenehmigung) seitens Frau Mag. phil. Ute Bixa!<\/u><\/strong><\/span><\/span><br \/> \t<span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\"><span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><br \/> \t<span style=\"font-size: 14px;\"> <\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Ein Beitrag aus Sierndorf Diplomarbeit von Frau (Mag. phil.) Ute Bixa &nbsp; &nbsp; Titel der Diplomarbeit &bdquo;Die Portr&auml;tb&uuml;sten&nbsp; des Wilhelm von Zelking und der Margaretha von Sandizell in der Sierndorfer Schlosskapelle&rdquo; Verfasserin Ute Bixa &nbsp; Angestrebter akademischer Grad Magistra der Philosophie (Mag.phil.) Wien, im April 2008 &nbsp; Studienkennzahl lt. Studienblatt: A 315 Studienrichtung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40],"tags":[],"class_list":["post-109","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-burgstaelle-und-wallanlagen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=109"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zelking.grafikweb.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}