Burgställe und Wallanlagen

Erinnerungen

 
 
Erinnerungen…
 
 
… an die Primiz 1911 in Zelking
 
1911 feierte Franz Gruber aus Zelking Nr. 12 (vormals Bauernhaus Buchinger, Pöchlarnerstraße 12) seine Primiz (*)
 
 
 
(v. l. n. r.) Pfarrer ?, Pfarrer Alexander Platzer und der „Jungpriester“ Franz Gruber vor dem Portal der Pfarrkirche in Zelking
 

(* Die erste hl. Messe eines neu geweihten Priesters wird Primiz bezeichnet)

 
Ein in Kurrent geschriebener Spruch vom ehem. Zelkinger Pfarrer Alexander Platzer:
Zwei Bücher sind Dir aufgetan,
Die Liebe Gottes zu zeigen an:
Es ist die Bibel und die Natur,
In beiden erkennst du die göttliche Spur –
In Wort und Tat, in Geist und Sinn,
Schlag auf – und lies recht fleißig drinn.
Zelking, 20. 1. 1918

Alexander Platzer Pfarrer
 
 
… an Jakob Sardena
 
 
Sardena als „Waldmensch“ verkleidet (Foto von Frau Friederike Starzer zur Verfügung gestellt)
 
(*) Jakob Sardena, ein Italiener aus Südtirol, war als Schmied beim Bau für die II. Wiener Hochquellenleitung im Gemeindegebiet der KG Zelking einstmals tätig.
Er befand sich mit einer Feldschmiede am Hiesberg, um diverse Krampen, Meißel usw., die für Steinmetzarbeiten gebraucht wurden, zu schärfen. Die vom Hiesberg herausgebrochenen Steine wurden hier bearbeitet und dienten für die Aquädukte der „Wiener Wasserleitung“ im Bereich von Kettenreith.

(*)  Frau Starzer berichtete u. a. auch, dass Sardena, der sich im Hiesberggebiet sehr gut ausgekannt hatte, Himbeeren usw. pflückte, Pilze sammelte, um so zu seinem bescheidenen Lebensunterhalt beizutragen.

(**) Sardena befand sich oft in der Küche des Gasthauses Erber (früher spielte sich größtenteils alles in der Wirtsküche ab, was heute unmöglich ist) und dürfte auch oft einen „entsprechenden“ Durst mitgebracht haben.
Da er für Frau Barbara Erber vermutlich nicht sehr angenehm duftete, sprach diese öfters zu ihm, dass er stinkt und nach Alkohol säuert. Er antwortete dann immer: „Ich nix stinkein und seilein“!
(**) Franz Hilber berichtete mir diese nicht gerade „wohlriechende“ Anekdote.

Jakob Sardena, geboren am 24. März 1870, r. k. Seine Geburtsgemeinde war Rottmannsdorf/Krain; Heimatberechtigt in Primero/Italien.
Laut Anmeldeformular wurde er in Zelking am 2. März 1936 angemeldet und hatte die österreichische Staatsbürgerschaft. Sardena (bei einem Anmeldeformular wurde auch Sartena geschrieben) wurde im örtlichen Friedhof bestattet (laut Erinnerungen einiger Zelkinger).

Laut freundlicher Auskunft seitens des Standesamtes Melk (zu  dem die Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf gehört), verstarb Jakob Sardena am 22. Oktober 1948 an Lungenentzündung/Herzschwäche in Zelking). Eine Eintragung – worum es sich bei Nessmarkt oder Nezzmarkt (Südtirol?) handelt, konnte auch via Internet nicht eruiert werden! Die Eintragung Südtirol, bestätigt obige (*) Erwähnung.

 
Die II. Wiener Hochquellenleitung
 
Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde 1910 der Grundstein für die II. Wiener Hochquellenleitung unter Bgm. Karl Lueger, mit einem finanziellen Aufwand von 100.000.000 Kronen, die durch Anleihen aufgebracht wurden, gelegt.
10.000 Arbeiter waren vier Jahre lang mit dem Bau der über 180 km (ohne Zweitleitungen von etwa 22 km Länge) langen Wasserleitung – vom steirischen Salzatal (Hochschwabgebiet) ausgehend bis Wien beschäftigt.
Über 100 Aquädukte mussten errichtet werden. Diese führten das in großer Menge benötigte Wasser an die Stadt Wien heran und überquerten Täler und Flüsse. Syphone (unterhalb eines Gewässers geführte Leitungsrohre werden so genannt) von mehr als 1 km wurden ebenfalls verlegt.
Die Fließzeit beträgt ca. 36 Stunden; die Höhendifferenz beläuft sich auf 361 m.
Am 2. Dezember 1910 eröffnete Kaiser Franz Joseph I. im Sitzungssaal des Wiener Rathauses die II. Wiener Hochquellenleitung.

Steine für das Kettenreithaquädukt wurden aus dem Hiesberggebiet heraus gebrochen und zum Bau verwendet!
Es wurden verschiedene Spaltwerkzeuge im Hiesberggebiet gefunden. Vermutlich wurden einige der Fundstücke auch schon zum Bau der Eisenbahnbrücken in unserer Umgebung (vor 1858) verwendet.

Das Bild Kettenreithaquädukt wurde seitens der Ma 7 – Kultur, Referat Stadtarchäologie, Leitung Frau Mag. Karin Fischer Ausserer zur Verfügung gestellt!

 
Aquädukt (der; lat.), heute im allgemeinen Bezeichnung für die Talbrücken der römischen Wasserleitungen, ursprünglich diese selbst.

 

 
… an den RAD einer jungen Wienerin in  Matzleinsdorf
(von Frau Hildegard Schweda, Wien, vom Jahre 1944)

 
 
Briefmarke Grossdeutsches Reich, Juni 1944 (mit einer Arbeitsmaid)
 
 
RAD ist die Abkürzung für Reichsarbeitsdienst.
Vom 6. Juni 1944 bis in den Spätherbst 1944 waren junge Wiener Mädchen in ihrer RAD-Zeit im Schloss Matzleinsdorf einquartiert, von wo sie per Fahrrad zu verschiedenen  Familien in der Gemeinde und näheren Umgebung hinfuhren um ihren zugewiesenen Dienst zu verrichten. Je nach körperlicher Eignung wurden sie der Bevölkerung zugeteilt.
Frau Hildegard Schweda („Gardi“ war ihr Rufname), geborene Gröhsl, suchte in der Nr. 17/95 (*) der Wochenzeitschrift „Die ganze Woche“ in einem Bild und Textbericht nach ihren ehemaligen Kameradinnen, die mit ihr in diesem Zeitraum hier auch ihren RAD ableisteten.
Nach diesem, von mir nach ein paar Jahren (des vergeblichen Suchens) wieder entdeckten Zeitungsartikel telefonierte ich „auf
gut Glück“ und wurde „fündig“ und blieb schriftlich und telefonisch – einige Zeit mit Frau Schweda in Kontakt.
Frau Hildegard Schweda (Jahrgang 1926) musste sich mit vielen ihres Jahrganges, (aber auch die 1924/1925 geborenen) beim zuständigen Arbeitsamt melden. Damals war Frau Schweda in einer Uniform herstellenden Fabrik als Schneiderin tätig. Zu ihrer (und vermutlich vieler anderer Mädchen) Überraschung wurden diese Jahrgänge dem RAD zugeteilt!
Allzuviel Erlebtes gab es in diesen kurzem Zeitraum nicht!
Frau Rosa Müllner, als Gattin von Herrn Ing. Josef Müllner (ehemalige Gärtnerei Müllner in Pöchlarn – seit 21. 11. 2003 „Gärtner-Oase“ Fuchs) bestätigte, dass damals ein junges RAD-Mädchen  bei dem (ca. 22 Jahre) jüngeren Bruder von Herrn Müllner als Kindermädchen zugeteilt, hier ihren Dienst versah, per Rad gekommen ist und dass sie auch damals einen Hund mit Namen „Struppi“ hatten!
Der von allen „Peterle“ (Peter) genannte, ist inzwischen auch schon etwas „herangewachsen“.
In Zelking war sie (weil als zierliche Person zur Kinderbetreuung zugewiesen) bei der ehemaligen Familie Brunner (vormals Zelking 15 – jetzt Pöchlarnerstraße 17), wo sie auch bei den Kindern Maria Anna („Marianne“) und Friedrich („Fritz“) zur Betreuung eingesetzt war. Im Spätherbst 1944 wurde sie unter anderem nach Dornach (OÖ.) zur Ausbildung zum Dienst bei der Flak „gerufen“. Danach ging es ab nach Fernbach bei St. Florian (OÖ) und an das Funkmeßgerät in Stellung 25.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges standen (so schilderte Frau Schweda ihr damaliges Erlebnis) wir plötzlich auf der Straße!
Durch die schwierige Bekleidungssituation trug Frau Schweda noch immer ihre RAD-Uniform, was dazu führte: Von den Besatzungsmächten in eine Woche Lagerhaft genommen zu werden.
Zuerst mit einigen Kameradinnen, später alleine, schlug sie sich bis nahe Hannover durch, um nach geraumer Zeit wieder in Wien in die Arme ihrer Mutter zu fallen.

Teile von Wien und NÖ bis zur Enns standen damals unter der „Hoheit der Russen“ (wie allen älteren  Personen noch bekannt, hatten wir die russische Besatzung 10 Jahre „im Genick“)!

 
Der damailge Zeitungsausschnitt –
vierte von links Frau Hildegard (Gardi)
Schweda, geborene Gröhsl
 
Der Zeitungsausschnitt (*)  zeigt von links nach rechts: Helene (Helli) Bachmann, Margarete (Grete) Pichler, Hr. (?) Finke, Hildegard (Gardi) Gröhsl (Schweda), Erna Fischer, Maria Kastl, Maria Rebhan, (…?) Schimmerer (oder Schimera) und Maria Koppensteiner (?).

 

Reichsarbeitsdienstlager Schloß Matzleinsdorf (Aufnahmejahr 1941)
Ansicht der Eingangseite, die sich im Garten befindet!
 

 
… an die Tagebucheintragungen von Margarete („Gretl“) Stürmer, Sommer 1945
 
 
(v. l. n. r.) Frau Therese und Herr Hans Brečka, Frau „Gretl“ Stürmer und ihre Mutter Josefine
(vermutlich hat Vater Karl Stürmer Fotograf „gespielt“)
 
Tagebucheintragungen der Frau Stürmer, Sommer 1945
Ich versuche in diesen Blättern die Tage und Monate des Jahres 1945 so zu schildern wie ich sie erlebt habe.
Mit diesen Erlebnisberichten möchte ich an Hand eines Einzelschicksals einen Zeitabschnitt illustrieren den spätere Generationen nur nach der jeweils politischen Richtung gefärbt, serviert bekommen werden.
So kann ich mit meinen Schilderungen vielleicht ein Körnchen dazu beitragen, späteren Geschlechtern ein wahres Bild der Zeit zu entwerfen, die sie nur aus Büchern kennen, die uns zu erleben, aber vorbehalten blieb.

Zelking, 24. VII. 1945
Ich liege mit einer Ruhr ähnlicher Krankheit, die halb Zelking schon befallen hat und die auch in unserer Familie recht umgegangen ist und habe endlich einmal Zeit mich zu besinnen und die Ereignisse der letzten Zeit wieder zu schreiben. Schon oft habe ich es vorgehabt, aber es fehlte einfach die nötige Ruhe und Sammlung.
Wie lange ist es schon her seit ich das letzte Mal einige Zeilen in mein Tagebuch geschrieben habe? Wie? – Etwas über 3 Monate nur? Ich meine, es müsste seither schon eine halbe Ewigkeit vergangen sein! Sollte ich all das Erlebte zu Papier bringen, ich müsste wohl Wochen oder Monate schreiben! So will ich also versuchen, mich so knapp wie möglich zu fassen, aber doch das Wichtigste aus unserem Leben in diesen Tagen festzuhalten.

Mitte April: Täglich waren Tiefflieger da und schossen wild in die Gegend. Sie kamen zu jeder Tageszeit und man mußte ständig auf der Hut sein wenn man einen Schritt außer Haus machte. Die Sorge um die Kinder, die man doch nicht ständig einsperren konnte war grässlich und oft und oft mußte man rufen: „Hanserl, Christl, wo seid ihr? Sofort hereinkommen, so hört ihr nicht? Flieger sind da!“ Auch im Haus musste man darauf achten, solange die Geschoße draußen prasselten nicht in der Nähe der Tür oder eines Fensters zu stehen. Christl erkannte das Geräusch dann schon und sauste bei Gefahr mit dem Hanserl ins Haus herein. Gegend Abend war es immer besonders arg, da wollte das Schießen gar kein Ende nehmen. Auch in der Nacht krachte es oft sehr heftig und gewaltig, aber man ließ sich da schon nicht mehr stören.
Die Bauern waren bei ihrer Feldarbeit durch die Tiefflieger recht geplagt. Ich habe es beim Erdäpfellegen beim Rudionkel selbst zu spüren bekommen! Ich arbeitete mit einer Ukrainerin und einer Polin auf dem Feld und mir mussten einige Male in Deckung gehen. Dazu hörte man das Grollen und Dröhnen der schweren Geschütze an der Front immer deutlicher, es war eine scheußliche, recht unheimliche Zeit. – Damals traf ich in der Herrenmühle einen Kameraden vom Volkstanzen – den Adolar (mit ihm hab ich immer so besonders gut Kärntnerlandler getanzt). Er erzählte seinen Kameraden blaue Wunder von meiner Tüchtigkeit als Singleiterin und dass wir unbedingt einmal miteinander singen müssten. Am Abend saßen wir dann richtig beisammen auf dem Hausbankerl und dann klangen all unsere lieben alten Volkslieder aus 50 rauhen Landserkehlen, die aber bald Geschmack fanden an dieser Art des Singens und ohne dass ich viel sagen musste, sich der Stimmung anpassten, in Tonstärke und Wahl der Lieder. Es war eine wunderschöne Vollmondnacht damals – weißer Nebel lag über dem Pielachtal – und deutsche Soldaten sangen noch einmal alte liebe Lieder. Zum Schluß waren wir nur mehr 20, aber das waren die echten, die richtig begeisterten und mit denen hätte ich auch bis in der Früh Weitersingen können. Man muß dann den richtigen Augenblick zum Abschluß finden, sonst schmälert man die schönsten Erlebnisse durch in die Länge ziehen und kein Ende finden! Ich habe dieses Abendsingen mit deutschen Soldaten in dieser Stunde ganz bewusst als Abschied empfunden von einer Zeit und von arbeitsreichen Jahren die mir viel Schönheit und tiefstes Erleben geschenkt haben.

Vom Westen her besetzten die Amerikaner im Sturmschritt weiteste Gebiete und hatten bei Passau schon die ehemalige österr. Grenze überschritten. Trude kam noch einmal aus Spital a/Pyhrn und holte sich noch soviel sie von ihrer Habe schleppen konnte. Sie wollte mich noch einmal bewegen mit ihr zu gehen, denn nach Spital käme bestimmt der Amerikaner, was man – von hier noch nicht sicher wissen könne. Aber wir meinten alle, sie hätte sich das Fortgehen ruhig sparen können, denn jetzt kämen die Amerikaner auch zu uns. Das wäre wahrscheinlich, aber noch nicht ganz sicher sagte sie und in Pöchlarn trennten wir uns schweren Herzens, wie überhaupt jede Trennung und jeder Abschied von lieben Menschen in diesen Tagen besonders schwer würde, weil es ja auch fürs Leben sein konnte.

Ich blieb mit dem Bewusstsein das rechte zu tun, wenn ich in dieser schweren Zeit alles Leid und alle Sorgen mit meinen Lieben teile.

Drehte man das Radio an, so meinte man in einem Narrenturm geraten zu sein! Auf einer normalen Welle bekam man überhaupt keine Station mehr. Also verlegte man sich aufs Suchen. Und was man da alles durch Zufall innerhalb einer halben Stunde zu hören bekam. lässt sich schwer wiedergeben. Da gab es Freiheitssender ohne Zahl, einen Soldatensender West, Radio London und Moskau, die Stimme Amerikas, die uns alle von dem einzigartigen Siegeszug ihrer Armeen berichteten. Der einzige Reichssender, den man noch hörte, war der Ostmarksender Graz–Linz. Hier wurde uns erzählt, dass der Vormarsch der Feindkräfte zwar bitter sei, uns aber niemals zu Boden zwingen werde, weil das deutsche Volk von der Vorsehung ausersehen sei, einstmals die Führung Europas zu übernehmen, dass sich in allen deutschen Gassen die Wehrwölfe erhoben hätten und dem Feind die schwersten Verluste beibrächten, die dieser auf die Dauer nicht ertragen werden können und dass wir alle auch Wehrwölfe werden müssten. Dann hörte man auf der österr. G Welle den alten Wiener Wecker ticken, es meldete sich Radio Wien und brachte Nachrichten der siegreichen roten Armee und der roten Stadtverwaltung. Danach waren in Wien Friede und Ordnung eingekehrt, nachdem man die Stadt von den nazistischen Mörder- und Verbrecherbanden befreit hatte, es gäbe dank der großzügigen Hilfsaktion, die Marschall Stalin eingeleitet hatte genug zu essen, dass die Hungersnot gebannt sei und man konnte auch hören, was heute Abend im Burgtheater und in der Oper gespielt werde. Im darauf folgenden Abendprogramm umgaukelten uns Melodien von Strauß, Lanner, Ziehrer und Edmund Eysler und zauberten uns eine Welt voll Lebenslust und Lebensfreude vor. – Bei uns stiegen Leuchtraketen, knatterten Tiefflieger und grollte die nahe Front und das war grausige Wirklichkeit.

Am 7. Mai noch erwirkte ich bei einem Spaziergang durch den Äther die Stimme des Gauleiters Dr. Jury, der uns mitteilte, dass alle Opfer die unser Volk gebracht habe nicht umsonst sein werden und wenn es jetzt auch den Anschein habe als würde alles Zusammenbrechen, wir sollten den Glauben niemals sinken lassen – wir werden siegen, weil wir siegen müssen! U. s. w. Ja, so war es! So unfassbar es auch scheinen mag, dass ein Gauleiter einen Tag vor dem Zusammenbruch noch die Siegesfanfare bläst!

Wir haben in dieser Woche wie allen anderen Zelkinger unser Hab und Gut vergraben und (oder) in die Sandgasse geschleppt. Vom Herrn Gattringer bekamen wir seine Kellerschlüssel und richteten uns so gut es ging, häuslich ein. Onkel Hans holte Bretter aus der Mühle, Vater vom Zeilinger Stroh, ich brachte Matratzen, Polster und Decken und dann bauten wir eine prächtige Liegestatt für 9 Personen.
Daheim wurde gebacken und gepackt wie für eine weite, tagelange Tour, man wusste ja auch wirklich nicht, wo die „Reise“ hingehen werde. An alles wurde gedacht; Leuchter, Wasserkannen und Kübeln noch hinübergeschafft und dann stand der Keller, fix und fertig – bereit zur Benutzung.

Am 7. Mai um 20 Uhr stand plötzlich Herr Budweg, der Breslauer Soldat da – er hatte noch einmal nach vorne an die Front müssen und war sehr schwer weggegangen – jetzt strahlte er übers ganze Gesicht. Der Krieg sei aus und heute habe er endlich auch Post von seiner Familie bekommen auf die er schon monatelang gewartet hatte, Frau und Kinder seien gesund in einem kleinen Ort in Mitteldeutschland. Dorthin käme der Amerikaner. Er – Herr Budweg – habe von seinem Kompaniechef Befehl nach Bayern zu ziehen. Dort würden sie entwaffnet und könnten dann heim zu ihren Familien; so hätte es ein Stab von deutschen Offizieren, dem auch sein Hauptmann angehörte, mit den Amerikanern persönlich ausgemacht. Nur wenige Männer blieben als Sicherung vorne an der Front bei den Geschützen. Alle anderen setzten sich – vom Feinde unbemerkt – ab und marschieren in amerikanische Gefangenschaft. Es sei mit den Amerikanern sogar auf die Stunde genau vereinbart, wann sie die deutsche Sicherungsmannschaften an den Geschützen ablösen würden und wir könnten uns freuen, denn morgen abends sei der Amerikaner auch hier bei uns. Soweit Herr Budweg. Er war in großer Eile, verabschiedete sich bald und sprang vergnügt davon. Der arme Teufel, er hat sich die Zukunft auch anders vorgestellt! Wir nahmen seine „Betrachtungen zur Lage“ nicht kritiklos hin, waren aber doch eher bereit ihm zu glauben, sowie man immer geneigt ist, lieber das Gute anzunehmen als das Schlechte. In der Schweiz sagten sie an diesem Abend noch, dass die Friedensgerüchte jeder offiziellen Bestätigung entbehrten und dass sie ihre Hörer bitten, alle diesbezüglichen Anfragen beim Sender zu unterlassen, da diese zwecklos wären. Der geneigte Hörer möge bedenken, dass sich der Schweizer Nachrichtendienst in schwerster Zeit erprobt und bewährt habe. Alle wichtigen Nachrichten würden – nachdem sie ihre amtliche Bestätigung erfahren – sofort verlautbart.

Und dann kam der 8. Mai. Während die Schweiz ganz offiziell die Friedensglocken läuten ließ, krachten bei uns noch endlos Schüsse, Brücken wurden gesprengt, Munition, die nicht mehr mitgenommen werden konnte flog teilweise in die Luft oder blieb liegen, Luftkämpfe spielten sich über uns noch ab, dass man schon meinte, es wäre das letzte End! Ich musste oft an das Buch: Tirol am atlantischen Ozean denken, wo der lange Tschullerer davon spricht, dass der Frieden ausbricht! Bei uns hatte man wirklich das Gefühl, dass er ausbricht!!

Im Laufe des Vormittags hörten wir, dass die Russen vor Loosdorf wären und über Ober Grafendorf, Mank zu uns her vordringen. Gegen Mittag wanderte ganz Zelking in die Sandgassen. Auch wir machten nach dem Essen, mit dem allernötigsten Habseligkeiten bepackt, in den Sandkeller auf. Dort saßen wir nun, wie in einer Angriffspause in der „seligen“ Bombenzeit vor dem Keller in der Sonne und erwarteten unser weiteres Schicksal. Ich hatte eine Stopferei mit und stopfte in diesen Stunden ein Paar – von Tante geerbte – weiße Sockerln. Da fiel mir ein, dass Trudes Koffer vielleicht noch in der Wohnung stünde und ich sauste mit dem Schubkarren hinunter. Lediglich vorm Starzerhaus saß der Hausherr auf den Stufen und in der Stube drin saßen die Hausfrau und die Ukrainerin Sascha mit einer Näherei. Auf dem Tisch standen Brot und Salz und die Starzerleut waren ganz ruhig. Der Koffer war schon in Sicherheit, also wandte ich mich wieder zum Gehen, wir wünschten uns Glück und Frau Starzer sagte: „Auf Wiedersehen, nach dem Krieg!“ Starzer Friedl war mit der Kraus Hermi per Radl noch im letzten Augenblick auf und davon, ebenso Frau Zeilinger mit dem Toni.

Als wir so in höchster Spannung in der Sandgassen hockten und ein dunkles Schicksal erwarteten, da kam der erste Erlebnisbericht eines Zelkingers. Herr Huber war mit dem Motorrad auf der Reichsstraße den Russen begegnet und sie hätten ihm das Motorrad weggenommen, sonst aber laufen lassen. Dann kam die Nachricht, Herr Schwaiger wäre auch zwischen Melk und Pöchlarn mit den Russen zusammengestoßen und sie hätten ihm seine Uhr abgenommen, ihm sonst nichts angetan. – Die Spannung stieg immer mehr. Das hieß es plötzlich in Pöchlarn wären die Amerikaner! Nun gab es für uns nur die Frage: Wer würde zu uns kommen (wir hofften natürlich die Amerikaner!)? Oder würde es ein Geplänkel geben, wenn sich die beiden Herrschaften über die Besetzungszonen nicht einig würden – dann kämen wir da schön zum Handkuss! Jeder mutmaßte und keiner wusste etwas Authentisches. Die Spannung war auf ihrem Höhepunkt angelangt. Da krachten bei uns im Dorf unten Schüsse. Na, Mahlzeit, das kann ja gut werden!! Wie wir später erfahren haben, meinten ein paar närrische Buben da bei uns Wehrwölfe spielen zu müssen. Sie wurden von einigen Handfesten Bauern in Gestalt der Herren Kraus, Wieseneder und Erber hopp genommen, tüchtig verbläut und in die Gemeindekanzlei gesperrt. Und – wie sich später herausstellte um keine Minute zu spät. Jetzt brachte uns nämlich der Zeilinger Toni, der mit seiner Mutter schon wieder zurückgekehrt war, die Hiobsbotschaft, in Mannersdorf sind schon die Russen. Also jetzt wussten wir’s! Die Russen kommen! Na schön! Aus ist der amerikanische Traum und die russische Wirklichkeit rückt heran.

Der Zeilinger Toni, der sich heute sehr wichtig vorkam, weil er von allen Leuten gefragt wurde und ja schließlich die Russen schon gesehen hatte, berichtete: Zu Mannersdorf standen die Russen und „d’Leut“ beisammen auf der Strasse und es sei weiter gar nichts los! Sie wären auf ihren Radln durchgefahren und nicht einmal angehalten worden!

Nun kam auch noch die Nachricht, die Russen rückten über Matzleinsdorf vor, also kamen sie von beiden Seiten nach Zelking. Zu ihrer Begrüßung flatterten auf der Panzersperre am Dorfeingang eine rotweißrote Fahne und ein weißes Leintuch. Einige serbische Gefangene standen bereit um ihnen entgegen zu gehen, sobald man ihrer ansichtig wurde. Und so geschah es dann auch. Als die Russen heranzogen, gingen ihnen die Serben entgegen, beteuerten gleich, dass es ihnen immer gut gegangen sei und dass das Dorf absolut friedlich gesinnt sei. darauf umarmten sie ihre Befreier vor lauter Glück und Freude mit Tränen in den Augen. Ein paar Tage später waren sie schon anderer Meinung über die „Befreiung“, wie wir gleich später erfahren werden.

Als die Kunde, dass auch in Zelking die Leute und die Russen auf der Strasse beisammen ständen“, zu uns in die Sandgasse drang, zogen die Mutigen und Neugierigen gleich ab, um „d’Leut“ oder besser noch – die staunende Menschheit zu vermehren – die Vorsichtigen und Ängstlichen blieben noch oben und wollten erst einmal abwarten. Ich hatte mein Paar Sockerln fertig gestopft und schickte mich an, meine 7 Sachen zum Heimtransport zusammenzupacken. Onkel Hans und meine Eltern waren endlich auch wieder da und man war allgemein der Ansicht, dass man nach Hause gehen könne da sich der Einmarsch so ruhig vollzogen hätte. So packten wir unsere Koffer und Rucksäcke wieder auf den Schubkarren und fuhren heoamzua. Auf unserem Haus prangte die rotweißrote Fahne.

An diesem Abend saßen wir alle beisammen in der Küche bei einem köstlichen Glas Wein (Kremser Spezial 34) und einem guten Kuchen, einer „Kellerbäckerei“. Wir hörten auch noch Radio. Der Äther war erfüllt von Siegesfeiern und Reden in fremden Sprachen. In deutscher Sprache wurde an diesem Tag wenig berichtet – höchstens – Gräuelmeldungen über Untaten der Nazifaschisten und der deutschen Wehrmacht. Das deutsche Volk sei schuld an all der Not und dem Elend das der Krieg über Europa gebracht hat und es müsse nun auch die Folgen tragen. Da sich Österreich gegen Hitler nicht aufbegehrt hatte, sei es als mitschuldig zu betrachten. Mit dieser friedlichen Eröffnung im Herzen begaben wir uns zur Ruhe; die erste Nacht im befreiten Land, unter russischer Besetzung!! Ich schlief verdammt schlecht und war bei jedem Schuss hellwach und es krachte ziemlich oft in dieser Nacht.

Die Morgensonne des neuen Tages warf ihre Strahlen auf die rotweißrote Fahne vor meinem Fenster und diese erfüllte mein kleines Stübchen mit rötlichem Schein. Es war kein freundliches Erwachen und die rauhe Wirklichkeit fiel mir gleich einer Zentnerlast auf die Seele. An diesem Tag holten wir nichts ahnend noch alle restlichen Gepäcksstücke aus dem Keller; auch mein Fahrrad holte ich heim.

Am Nachmittag ging ich mit den Eltern in den Wald, Holzklauben. Auf der Pöchlarner – Straße holte uns ein Russenfahrzeug ein. Darauf saßen einige Russen, die sehr gut aufgelegt waren. Erst als sie vorbei waren wagte ich hinzuschauen. Sie hatten rechte Erdäpfelgesichter und einer winkte mir, was mich sehr „beglückte“. Durch den Wald hallte ein wüstes Gegröle und Geschrei, sodass mir schon recht unheimlich wurde, weil wir meinten, mit einer Russenstreife zusammenzustoßen. Dem war aber nicht so. Im Einsiedlerwald räumten unsere Leute eine Panzersperre weg, wobei es recht laut und lustig zuging. Ein Faßerl Most war zu dieser schweren Arbeit notwendig, heiß war es auch, also hatten die Leute einen ordentlichen Durst.
Herr Eckl muß den größten Durst gehabt haben, denn seine Stimme hallte weithin durch den Wald.

 Herr Alois Eckl (Ausschnitt aus einer Fotografie), bereits im hohen Alter
 
Am nächsten Tag hörte man schon von Russenbesuchen in den einzelnen Bauernhäusern. Beim Leonhardsberger haben sie gewütet und ein Pferd und ein Schwein weggenommen. Man führte es damals noch darauf zurück, dass wohl der L. Serb seine Bauersleut bei den Russen angeschwärzt habe. Er hat sich schon immer beklagt, dass er nicht genug zu essen bekommen habe. Die Serben und Ukrainerinnen gingen fein geputzt spazieren und durften absolut nichts arbeiten. Die Russen hatten es verboten. Am nächsten Tag hörte man, die Russen wären in der Gassen gewesen und hätten gut zu essen begehrt, darauf das Haus durchsucht und allerhand mitgenommen. Sie fliegen besonders auf Uhren, Schmuck und Genussmittel jeder Art, hieß es. Schnaps verlangten sie immer wieder und wurden wütend, wenn sie keinen bekamen. Man überlegte: Das waren doch lauter brave, biedere Kleinhäusler dort drüben in der Gassen, die nie einen Serben gehabt haben, der sie verklampfeln hätte können! Also kamen die Russen willkürlich und in jedes Haus, ganz unabhängig von den serbischen Informationen. Jeden Tag hörte man von russischen Besuchen und anschließenden Plünderungen in den Häusern unserer Nachbarschaft. Die Serben waren darüber ganz bestürzt und sagten, sie wollten gar nicht nach Hause, denn dort wären ja auch die Russen und da sähe es jetzt bestimmt genau so aus wie bei uns. Sie wollten lieber dableiben und arbeiten – aber das durften sie nicht. Manche von Ihnen taten es trotzdem – heimlich – aus Dankbarkeit und Anhänglichkeit für ihre Bauern.

Vom Erber Gasthaus hörten wir das bisher Schlimmste. Dort kamen sie schon besoffen hin, verlangten Most und Schnaps und gut zu essen. Darauf schäkerten sie mit den Weiberleuten, wurden immer zudringlicher, sperrten die Männer schließlich in den Keller und fielen über die Frauen her. Die arme Frau Erber lag auf den Knien, ihre 4 Kinder klammerten sich an sie und bat mit aufgehobenen Händen sie zu schonen. Alte Frauen (Fr. Heger u. Gaißbauer) haben auch dran glauben müssen; die Leonhardsberger Minnerl mußte sogar wochenlang nach Melk ins Krankenhaus.

Mir wurde es immer heißer und unheimlicher in meiner Haut. Täglich hörte man von neuen Plünderungen und Gewalttaten in unserer nächsten Umgebung und wir blieben noch immer verschont. Die Leute im Dorf begannen schon so merkwürdig zu fragen und auch zu schauen: „Na, warn’s scho bei euch? Was – no net? Na, a so was! Euch geht’s guat! Ja, was wißt’s denn es, was wir herunten mitmachen!” – Das Gerede wurde uns schon langsam unangenehm. Am Ende meinten wirklich einige Leut, wir sind mit den Russen im Bandl und darum verschonen sie uns! Wir haben sogar dann schon gelogen: Sie waren schon umstieren da – weil uns die neidige Fragerei schon zu blöd war.

Hederl und die Wallner Mizzl schliefen bei uns auf dem Boden; zwei Nächte kam auch eine junge Frau aus dem Dorf, in alten Lumpen gehüllt, als altes Weiberl verkleidet, um die Nacht bei uns zuzubringen. Da waren wir also 12 Leute im Haus und davon 7 Frauen! Wir haben jede still gebetet dass keine Russen kommen, denn die hätten uns für ein Freudenhaus gehalten! Wir haben Glück gehabt! Zu diesem Überbelag sind sie nicht gekommen!

Bei Tag ging man natürlich keinen Schritt aus dem Haus, zeigte sich auch nicht auf der Veranda und war überhaupt möglichst unsichtbar. Das Dorf war in diesen Tagen wie ausgestorben, man sah keine Menschenseele auf der Straße. Am Sonntagvormittag kam der junge Zoechling zu uns und zerlegte mein Radl vollständig und gründlich. Jedes Trumm wurde woanders versteckt. Er hatte auch mit Onkel Hans eine heimliche Besprechung bezüglich eines Selbstschutzes der Bevölkerung, so wie es in anderen Gegenden schon praktiziert werde. Aber näheres ließ der Herr Onkel nicht verlauten.

Genau 8 Tage nach dem Russeneinmarsch hatten wir ersten Russenbesuch im Haus. Plötzlich standen sie vorm Türl und begehrten heftig Einlass. Onkel Hans wollte sie erst abwimmeln und sagte sie wären keine Bauern, aber sie wollten trotzdem herein. Also blieb nichts über als aufzumachen. Sie besichtigten das ganze Haus, auf Schritt und Tritt begleitet von Onkel Hans und meinem Vater. Mauki und ich waren inzwischen hinterm Haus und wir versuchten unser Herz „ausklopfen“ zu lassen. Wie Onkel Hans meinte, machte die Stimmung des Hauses doch Eindruck auf sie, denn sie nahmen weiter nichts mit. Mit seinen slowakischen Brocken erzählte ihnen Onkel Hans er sei Schriftsteller und schreibe Bücher, was ihnen anscheinend imponierte. Tolstoi (Lew Nikolajewitsch Graf, Schriftsteller) und Dostojewski (Fjodor Michailowitsch, Dichter) lagen auf dem Tisch und der eine war sogar soweit „gebüldet“ dass er seine Dichter kannte. Sie bekamen Zigarren und Zigaretten, einen Händedruck und verließen daraufhin das Haus. Also die hätten wir glücklich draußen! Inzwischen kam die Kunde, alle Radioapparate mussten abgeliefert werden und zwar bei der Kommandantur in Matzleinsdorf. Nun hieß es Radio verstecken. Das ist nicht so einfach, aber wir haben es zuwege gebracht. Die beiden großen Apparate waren so versteckt, dass es sogar für einen schlauen Kriminalbeamten eine harte Nuss gewesen wäre sie zu finden und dann erst für den „Wikerl!“ (der Tante ihr Ausdruck für unsere „Freunde“! Abgeleitet vom Bolschewik!). In allen Häusern haben sie’s ähnlich gemacht, keiner hat sein Radio abgeliefert. Und kam einer nachfragen, dann hieß es: „Unsern Apparat haben die Russen schon mitgenommen!“ Verstand einer nicht deutsch, dann sagte man, mit der nötigen Handbewegung: „Ruski zaprali“ und das verstanden sie.

Jeden Tag versteckte man etwas anderes. Einmal hieß es die Russen gehen die Häuser ab und verlangten überall Essbestecke. Also versteckten wir unser gutes Besteck und ließen nur das schäbige in der Tischlade. Dann hieß es wieder, sie holen Matratzen, Polster; dann wieder Kübeln und Geschirr. So wäre täglich etwas anderes gewesen! Schließlich konnte man ja nicht alles wegtun und wartete eben, ob man durchkommen werde oder ob sie sich auch bei uns das Gewünschte holen kämen.

Hiermit endet die Tagebucheintragung von Frau Stürmer!

(Mit keinen Absätzen und Zurückstellungen am Blockanfang, aber ansonsten in den handschriftlichen Aufzeichnungen wiedergegeben!

 
… an die Russenzeit
 
Als Schulkinder – wenn die Russen mit ihren Militärautos  auftauchten, verdrückten wir uns „vorsichtshalber“ (obwohl die „Russen“ sehr freundlich zu Kindern waren  – wie auch meine Mutter mir mitteilte). Ein negatives Erlebnis gab es für mich nicht, obwohl die „Befreier“ auch in Zelking ganz schön gewütet hatten; laut manchen (persönlichen) Notizen und Erzählungen und – verschwiegenen „Erlebnissen“ – im negativen Sinne!
Kindheitserinnerung ab 1950

 
… an das „Märzenkaibl“
 
Das „Märzenkaibl“ –  Aquarell von Frau Susanne Überbacher-Thonner (Wieselburg). Danke für das Originalbild!
 
In meiner Kindheit schreckte man unfolgsame Kinder gerne mit dem „Märzenkaibl“.
Wenn im März die ersten warmen Sonnenstrahlen die Frühlingsboten zuhauf hervorlockten, liefen wir Kinder immer schon barfuß und nur leicht bekleidet aus dem Haus hinaus in Flur und Feld (früher war es im März viel wärmer als heute). Oftmals rief mir meine Mutter mit den Worten nach: „Schau, dass dich das ´Märzenkaibl` nicht beißt!“ Man konnte sich durch die doch noch kalte Luft eine Halsentzündung oder eine andere Erkältungskrankheit holen. Davor warnten wahrscheinlich alle besorgten Mütter ihre (unfolgsamen) Kinder.  Hatte man dann Husten oder Halsweh und mußte dann bittere Medizin schluckend das Bett hüten, hieß es: „Auch den hat das ´Märzenkaibl` gebissen“! Heute ist das „Märzenkaibl“ in Vergessenheit geraten und die Kinder des 21. Jahrhunderts glauben sicher nicht daran, so wie wir einstmals.
Kindheitserinnerung um 1950/51
 
 
… an: Gemma Pummerin schau’n!
 
 

Die alte „Pummerin“
(Wikimedia.org)

Den Namen „Pummerin“ erhielt die alte wie die neue Glocke durch den tieferen Klang als viele ihrer Schwestern.

Die alte „Pummerin“ war, und die neue ist Österreichs größte Glocke.
Die alte „Pummerin“ wurde 1711 aus (türkischen) Beutekanonen gegossen.
Als 1945 auf Wien die Bomben fallen, wird auch der „Steffl“ (wie der Stephansdom von der Wiener Bevölkerung liebevoll genannt wird) getroffen.
Seitens der deutschen Wehrmacht wurde der Befehl gegeben, den Dom mittels Granatenfeuer zu Zerstören – als Vergeltung, weil die Wiederstandsgruppe 05 die „Kapitulationsfahne“ (eine weiße Fahne) am Dom gehisst hatten, aber durch eine List konnte wenigstens dies verhindert werden.
Horden von Plünderern zünden nach erfolgreicher Plünderung der umliegenden Geschäfte diese an um ihre Spuren zu verwischen und das wird dem mit Einschusslöchern „bepflasterten“ Dach zum Verhängnis. In der Nacht vom 11. auf den 12. April brannte der Dachstuhl vom „Steffl“. Die „Pummerin“ (im Südturm befindlich) mit einem Glockengewicht von 17 t (der Klöppel wog 813 kg) stürzt ab und zerschellt am Boden.

 
Die neue „Pummerin“
 
Aus Resten der alten „Pummerin“ und anderer Glocken des Doms, wurde in der ehem. Glockengießerei St. Florian (bei Linz,) die neue mit einem Gewicht von kapp 22 Tonnen gegossen. Die Gußkosten hatte das Land Oberösterreich übernommen.

 

Die „Pummerin“ (Wikimedia.org)

Bei der Überstellung der neuen „Pummerin“ im April 1952 (am 25. begann die Fahrt von Linz nach Wien und am 26. übergab LH Dr. Heinrich Gleißner die Glocke Kardinal Theodor Innitzer. Am 27. fand ein feierliches Pontifikalamt und das erste Läuten der „Pummerin“ statt) wurde diese, auf einem Tieflader befindliche Glocke von der an der B 1 wartenden Bevölkerung stürmisch begrüßt.

Die neue „Pummerin
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“

Meine Mutter fuhr mit meinem, ein Jahr alten, im Kinderwagen sitzenden Bruder und mich bei der Hand haltend, „über Stock und Stein“ um in Ornding (anstelle auf der Bundesstraße zu fahren und bei Matzleinsdorf zu „staunen“) die „Pummerin“ auf ihrer Fahrt nach Wien „life“ zu erleben, welche sich nun im Nordturm befindet.

Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages erklang das unverwechselbare Geläute, welches die schon lange herbeigesehnte frohe Botschaft verkündete: Österreich ist frei, ebenso, aber auch zu besonderen Anlässen wie z. B. beim „Neujahrläuten“ und lässt so ihren tiefen Klang ertönen.
Der Begriff „Dom“ kommt vom lateinischen „Domus Dei“: Haus Gottes.

Kindheitserinnerung von 1952

… an: Die Glocken „fliegen“ nach Rom
 

Die Glocken von Zelking fliegen nach Rom – Aquarell von Frau Melanie Fröschl (Bild freundlicherweise zVg)

Als Kinder schauten und schauten wir gegen den Himmel, sahen aber keine Glocken „fliegen“! Es dauerte schon etwas, bis wir dahinter gekommen sind, dass die Glocken im Turm unserer Pfarrkirche bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht nur „schwiegen“ und nicht „weggeflogen“ sind.
Heute, könnte man nicht einmal einem Kindergartenkind einen solchen „Bären aufbinden“.

Am Gründonnerstag, nach der Abendmahlmesse, wenn die Glocken nicht mehr läuten und wir „Ratscherbuben“ (heute gibt es schon mehr „Ratschermädchen“, was in meiner Ministrantenzeit unvorstellbar gewesen wäre) von Haus zu Haus gezogen sind und den „Englischen Gruß“ aufsagten bzw. unser „Gebet- oder Zwölferatschen“ vorgebracht hatten (auf Kommando zum Ratschen begannen, aber auch gleichzeitig mit dem Ratschen aufhörten – bei uns gab es kein „Nachratschen“, denn dies war streng verboten!), sind inzwischen die Glocken nach Rom „geflogen“.
2004 waren „unsere (drei) Ratscherbuben“ schon mobil, denn diese waren mit ihren Fahrrädern unterwegs; auch gab es nur mehr ein kurzes „Anratschen“ (wir mussten alles zu Fuß erledigen und auch die „Ratschzeit“ je Haus/Wohnung war damals bedeutend länger ausgefallen – allerdings gab es damals noch nicht so viele Häuser/Haushalte als heute!).

Kindheitserinnerung aus meiner Ministrantenzeit (1953/54)

 
 
… an die Anfänge des ORF

Wir Kinder (der Jahrgänge ab 1945) durften im „Harrerhaus“ (es ist das Eckhaus Mankerstraße 9) in Zelking bei der Familie Harrer Fernsehen. Zuerst hieß es die Schuhe ausziehen und dann durften wir es uns am Boden im Eckzimmer (Richtung Gasthof Erber) bequem machen. Solange wir durften, wurde alles angesehen obwohl es uns manchmal nicht so interessierte, was da geboten wurde.


Das „Harrerhaus“; Aquarell von Anton Eibensteiner, 2011
Hinter dem linken oberen Zimmerfenster war das ehemalige „Fernsehzimmer“

Die Harrer’s (Adolf und Maria) waren aus der heutigen Sicht gesehen sehr geduldige Leute. Ob das auch Menschen in unserer Zeit machen würden – eine Schar Kinder für eine Weile im Haus zu haben?


Universal-Testbild aus den 1950er Jahren
(Wikimedia.org)

 
Damals gab es nur Schwarz-Weiß Programme zum sehen. Das Testbild brachte sieben Sekunden lang eine Melodie, und acht Sekunden lang rückte der Zeiger der Testbilduhr lautlos fort bis die Sendezeit des jeweiligen Programmes erreicht wurde.
Fury (Produktionsjahr 1955) wurde mit Begeisterung angesehen. Dieser schwarze Hengst (Rappe) konnte beinahe alles was ein Mensch konnte. In der Hauptrolle neben Fury war der Waisenknabe Bobby Diamond.

 
Der Filmtitel und die Hauptdarsteller von einst (Wikimedia.org)
 
Es gab damals wenige, aber doch interessante Programme für Kinder – wie Fury, Lassie (später Flipper) usw.

„Lassieansichtskarte“
 
Eines Tages, wurde das berühmte Spiel vom reichen Mann und dem Tod – „Jedermann“, gebracht (und wir sahen „natürlich“ auch zu, wenn uns auch die Begeisterung fehlte). Ein heute ehemaliger Gemeindepolitiker (nenne den Namen nicht, da er sich selbst unter Umständen nicht mehr an dieses Ereignis erinnert!) sah auf einem Stuhl sitzend – die für uns Kinder langweilige Sendung an. Ob aus Müdigkeit oder betreffs der „einschläfernden“ Sendung, kurz und gut – er machte ein „Nickerchen“. Auf einmal machte es „Plums“ – der Betroffene kippte vom Stuhl und befand sich neben dem Stuhl kopfüber – ohne Aufzuwachen – am Stuhl angelehnt.
Wie lange das so gedauert hatte, kann ich mich nicht mehr erinnern.

Ein „Straßenfeger“ (wenn es von den Löwingers eine Theatheraufführung im Fernsehen gab, sah man damals keine Menschen auf der Straße!) waren die Sendungen mit der „Löwingerbühne“.
Paul, Sepp, Liesl  Löwinger (usw.) brachten immer ein „volles Haus“. Das „Fernsehzimmer“ im Gasthaus Schaider war bei jeder Sendung „ausgebucht“, denn in den Anfangszeiten konnten sich nur wenige ein TV-Gerät leisten (heute nicht mehr vorstellbar). Man freute sich – trotz Schwarz-Weiß, wenn wieder einmal ein Theaterstück von den Löwinger gebracht wurde.

Kindheitserinnerungen vermutlich ab1953

 

 
… an die Firmung im Mai 1954


  Franz Kardinal DDr. König; Alterzbischof von Wien
(* 3. August 1905 in Warth bei Rabenstein; † 13. März 2004 in Wien)
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“

Am 6. Mai 1954 fand in Zelking eine Firmung statt. Der damalige Bischof-Koadjutor (Titularbischof mit Weihegewalt und Nachfolgerecht am jeweiligen Bischofssitz – in diesem Falle von St. Pölten) Dr. Franz König nahm diese vor. Eine Abordung von Männern der Freiwilligen Feuerwehr Zelking bildeten ein Spalier (beim Aufgang zur Pfarrkirche). Zahlreich ist die Bevölkerung zur Begrüßung des Ehrengastes gekommen. Der Kirchencor – damaliger Leiter war Anton Harrer, Oberlehrer an der hiesigen Volksschule, sang zur Erbauung des Ehrengastes einige passende Lieder.

 
Aufnahme vor dem Eintreffen des Ehrengastes …

Als 9-jähriger trug ich (ohne umherzustottern) folgendes Firmungsgedicht (Titel?) – so ich es heute noch in Erinnerung behalten habe, folgend vor:

Willkommen, tausendmal Willkommen, 
du unser Seelen Oberhirt 
wir preisen dankbar heut dem Schöpfer, 
der uns zum Heil‘ Dich hergeführt.
O weise uns des Heiles Pfade,
wir wollen tun, nach deinem Wort …
(hier enden leider die weiteren Zeilen)

 
… und im „Steireranzug“ vor dem Ehrengast (das Gedicht aufsagend)
 

Der spätere Erzbischof von Wien (und Kardinal) hat mit die Hand gereicht!

Das Firmengedicht wurde innerhalb von zwei Tagen (vor dem Firmungstermin) von mir auswendig gelernt, da ein andererer, der das Gedicht vortragen sollte, erkrankt war.

 

 
… an den  Bau des Donaukraftwerkes Ybbs-Persenbeug
 
 
Abbildung des Donaukraftwerkes Ybbs-Persenbeug
(aus der Serie: 15 Jahre Vertstaatlichte Elektrizitätswirtschaft 1962)
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“

Das älteste Donaukraftwerk in Österreich ist jenes von Ybbs–Persenbeug.
Bereits 1910 hat es betreffs eines Kraftwerkes Projektierungen gegeben, die aber wegen des Ersten Weltkrieges aufgeschoben wurden. Man wollte den zweitlängsten Fluß Europas (2850 km) als Energiepotential nutzen.
1924 erkannte der Schweizer Ing. Oskar Höhn die Eignung zu einer Staustufe welches die natürliche Talsperre durch ein „Abgesprengtes“ Massiv der Böhmischen Masse oberhalb der Stadt Ybbs ergab. Die Konzession für dieses revolutionäre Großprojekt wurde schon 1932 erteilt, aber die Rezession der Zwischenkriegszeit brachte das Projekt wieder zum erliegen. Die Rhein-Main-Donau AG erwarb die Rechte für den Kraftwerksbau 1938 und wollte diesen im großen Stil betreiben. Schon bald wurde mit dem Bau von Anlagen zur Herstellung für den massenhaft benötigten Beton begonnen, es wurden die ersten Dämme aufgeführt und Barackenlager für die Arbeiter errichtet, sowie eine Seilbahn über die Donau zwischen Ybbs und Persenbeug hergestellt.
1944 mussten die Aktivitäten abermals eingestellt werden.
Die Österreichische Donaukraftwerke AG wurde im August gegründet um den Kraftwerksbau wieder in Gang zu bringen.
Das 1948 neu eingereichte Projekt konnte nicht in Angriff genommen werden, da die Baustellenanlagen noch deutsches Eigentum waren und nicht in österreichischer Verfügungsgewalt standen.
Die Besatzungsmacht gab im Juli 1953 die Baustellenanlagen frei und so konnte man an das schon lange geplante Großvorhaben herangehen. Am 1. Oktober 1954 erfolgte der Spatenstich für die Wiederaufnahme (nach Abschluss aller Wasserrechtsverhandlungen) der Bauarbeiten.

 
Baustelle Donaudorf (für das Kraftwerk)

Dieses Datum brachte für die Stadt Ybbs einen Höhepunkt in wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Hinsicht.
Mit dem Aushubmaterial wurde die Verbreiterung und Auflandung des Donauufers erreicht (= verbesserter Hochwasserschutz).
In nur dreijähriger Bauzeit wurden im Herbst 1957 die ersten drei Maschinensätze des Kraftwerkes in Betrieb genommen.
Im Juni 1959 war das Kraftwerk fertig gestellt.


Schleusenansicht (Innen)

Die Massenmedien waren damals voll von Berichten über den Kraftwerksbau. In einem Leitartikel in den Ybbser Nachrichten betreffs der Kraftwerkseröffnung (1959) schrieb der ehemalige Bgm. Josef Traxler: „Plötzlich stehen wir im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, mit den Beginn des Donaukraftwerkes Ybbs–Persenbeug ist unsere Stadt nicht nur in Österreich überall bekannt, auch Europa kennt plötzlich den Namen der Stadt Ybbs, auch viele Menschen in der Welt wissen wo die Stadt Ybbs liegt, bedingt
durch die vielen Besucher, die das Donaukraftwerk besichtigt haben!“

Schleusenansicht (Außen)

(*) Ab 1955 fuhr ich öfters mit unserem ehemaligen Nachbarn, Herrn Anton Hartl (Februar 2002 verstorben), der damals für die Quarzwerke Otto Hansmann Quarzsande aus Zelking nach Ybbs (mit einem Saurer Lkw) brachte, zu dieser damaligen Großbaustelle mit.

 
 

Saurer-Lkw aus der damaligen Zeit

Das mitfahren in der damaligen Zeit war für mich wie eine „Weltreise“ (heute kaum mehr vorstellbar!). Als „Lohn“ (Vater hatte dazumal einen sehr guten Most), gab es ein „Krügerl vom Fass“, dann hieß es „einsteigen und ab ging die Post“. Mit dieser „Kindertechnik“ wurde ein mitfahren leicht erreicht – für die heutige Jugend wäre so etwas uninteressant.
Dieser Lkw (und auch andere bzw. Pkws) hatte(n) damals noch „Winker“ – seitlich am Führerhaus angebrachte, in orange gehaltene, ausklappbare Richtungsanzeiger und die Lkws am Dach der Fahrzeugkabine noch ein aufgestelltes, nach oben zeigendes Dreieck mit gelben Glas (bei Mitnahme eines Anhängers ansonsten war es umgelegt – siehe obige Abbildung).
Im Sommer 2002 sah ich zufällig  auf der B 1 bei Neuwinden fahrend noch so einen alten Lkw mit aufgestelltem Dreieck, da ein Anhänger mitgeführt wurde.
(*) In den Jahren 1955 bis 1958 bin ich oft mit den „Sandwägen“ (Lastkraftwagen) mitgefahren – ob auch damals mit Herrn Leitgeb, weiß ich heute nicht mehr!

Kindheitserinnerung aus 1955–1957

Auszüge aus dem Zeitungsartikel „Strom und Liebe – Energie des Lebens aus: Unser Bezirk vom 8. November 2007, Seite 6/7 über Leopold Waizer
und 50 Jahre Donaukraftwerk Ybbs

1955 zog es den jungen Mann (Leopold Waizer) wieder in die Heimat.
Seinen Dienst begann der Elektrofachmann am linken Donauufer, wo er für die Notstromversorgung zuständig war. „Die 20.000 Volt-Newag-Leitung aus der Kriegszeit war oft überlastet, denn die Abwasserpumpen in den Schleusengruben liefen Tag und Nacht. Mit Dieselaggregaten erzeugten wir bei Leistungsausfall den Notstrom für die Pumpen“, berichtet Waizer. Gearbeitet wurde auf drei Schichten rund um die Uhr, sonn- und feiertags. Etwa 4.000 Männer waren am Kraftwerk und stromaufwärts im Rückstaubereich beschäftigt.
Auch an den riesigen Kabelkran über der Kraftwerksachse kann sich Waizer gut erinnern: „Mit neun Tonnen Tragkraft transportierte der Kran alles, vom Caterpillar bis zu Betonkübeln. Dirigiert wurde er vom Turm per Funk  zur Schaltstelle am linken Ufer.“
„Früher stellten wir zu Pfingsten die Maschinen ab, weil zuviel Strom im Netz war, heute muss Strom importiert werden“, weiß der Schaltwart (Waizer). Auch die Belegschaft ist von ehemals 120 auf etwa 26 geschrumpft.


… an „Fligaschaun“ (*)

Als Kind und Jugendlicher (vor 1965), wenn ein Einmotoriges Flugzeug über Zelking „hinwegdonnerte“, hieß es immer „da Bogenreida fliagt“ (*). Den Kopf verrenkend, schaute ich dem Kleinflugzeug nach, bis es nicht mehr für mich sichtbar war. Manches Mal, wurden Runden über Zelking gedreht, wo, wie sich später für mich herausstellte, Aufnahmen für Ansichtskarten, aber auch Flüge mit Privatpersonen gemacht wurden.


Herr Franz Bogenreiter an seinem 90. Geburtstag, 2011 in Erlauf

Herr Bogenreiter kam mir dann durch das jahrzehntelange Arbeiten in Wien, aus dem Sinn.

Durch einen Zufall, kam ich an den Wiener Verein ÖFH (Österreichische Flugzeug Historiker), 1160 Wien. Suchte für einen Vorfall, welcher sich im 2. Weltkrieg hier in der Gemeinde abgespielt hatte (ein unrühmliches Ereignis im Bereich  des Flurdenkmals „Gedenkstein Februar 45“)  und mit Flugzeugen in Zusammenhang stand, Auskunft (wegen Flugzeugtypen). Da man seitens des Vereines Personen suchte die in irgendeinem Zusammenhang (Piloten, Mechaniker, …) mit der Fliegerei des 1. und 2. Weltkrieges standen, so kam mir der Name Bogenreiter wieder in Erinnerung.
Man schickte nach etlichen „Urgenzen“ meinerseits, jemanden, der dann mit Herrn Bogenreiter Verbindung aufgenommen hatte und mit seinem Lebenslauf als Pilot des 2. Weltkrieges, auch eine Veröffentlichung anstrebt.

Von einer SW-Ansichtskarte aus dem Jahre 1961, wo Teile des Ortes Zelking zu sehen sind, war auch Herr Bogenreiter der Pilot, ebenso bei einer Aufnahme der Autobahnbrücke bei Neuwinden, als an derer gerade gebaut wurde (usw.).


Die Schwarz-Weiß-Ansichtskarte von 1961, wo Herr Bogenreiter Pilot war für Flugaufnahmen (nicht nur von Zelking)

 

Erhielt zum Jahresbeginn 2013 etliche Flugaufnahmen zum Kopieren, welche unseren Ort (1964) betroffen hatten (die damaligen farbigen Fotos waren nicht schlecht, entwickelten sich – Jahren nach der Aufnahme, nicht zum Vorteil), wo Herr Bogenreiter Pilot war.

 
   
Drei von mehreren Luftbildaufnahmen aus dem Jahre 1964
Leider sind die damaligen Farben nach einiger Zeit ziemlich unansehnlich geworden
Entstanden nach einen Flug mit Privatpersonen, von dem Herr Bogenreiter auch Pilot war (Aufnahmen freundlicherweise zVg)
(von links nach rechts) Die Ruine Zelking, die Pfarrkirche und die ehemaligen Quarzwerke Zelking

(* Franz Bogenreiter, geboren am 5. Mai 1921, verstarb am 31. Dezember 2012. Er war ein leidenschaftlicher Pilot, dem es nur ums Fliegen ging, aber kein Anhänger des „Hitler-Regimes“!)
Fliegen war sein Leben!

(* „Fligaschaun“ – einem Flugzeug nachschauen)
zVg – zur Verfügung gestellt
 
 
 
… an die Erzählung: Die Rache des Toten

 
Diese Zeilen berichten von einem Ereigniss, als es noch kein elektrisches Licht und daher auch keine Straßenbeleuchtung gab.

Es war an einem kühlen, feuchten Spätherbsttag, als sich einige junge Männer zu einem Umtrunke in eine Taverne begaben. Nach einiger Zeit schon des zu vielen Weines berauscht, hatte einer der Zechbrüder eine Idee, um den Mutigsten unter ihnen zu ermitteln und er sagte: „Wer getraut sich um Mitternacht auf einem Grab im nahen Friedhof einen Holzpflock einzuschlagen?“ Vorerst herrschte einige Zeit Stille, so dass man eine Nadel herunterfallen gehört hätte.

Einer der Zechkumpane entschloss sich, diese Wette anzunehmen, um als der Mutigste der schon etwas zu lauten Runde dazustehen.
Eingehüllt in einem Mantel und mit einem Pflock und einem Hammer bewaffnet strebte der junge Mann eilenden Schrittes und mulmigen Gefühls dem nahen Friedhof zu. Dort angekommen wollte er schnellstens den Pflock einschlagen und dann sofort in die Taverne zurückkehren.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Fröstelnd auf der kalten Erde des Friedhofs kniend, schlug er hastig den Pflock ein.

Inzwischen tranken die anderen Zechkumpane fröhlich weiter und wollten so die Rückkehr des „Helden“ abwarten. Doch der Morgen graute schon und der junge Mann war noch immer nicht zurück, da entschloss man sich, zum Friedhof zu gehen um zu sehen, ob die Wette eingehalten wurde. Jeder dachte, sie würden zum Narren gehalten und ihr Zechkumpane liegt Zuhause in seinem Bett und schliefe sich den Rausch aus.

In aller Herrgottsfrühe strebten die Zechkumpane noch schwankenden Schrittes dem Friedhof zu. Dort angekommen suchten diese alle Gräber ab. Einer der jungen Männer entdeckte ihren Zechkumpanen wie auf dem Grab schlafend und rief die anderen mit lauter Stimme her: „Hier liegt unser Held und schläft sich seinen Rausch aus“! Als alle bei dem Grabe standen gewahrten diese, dass ihr Zechkumpan nicht schlief, sondern tot war.

Was war um Mitternacht geschehen?

In seiner Angst vor den Toten wollte er rasch den Pflock einschlagen und übersah dabei, dass er seinen Mantel mit einschlug. Als er aufstehen wollte und nicht konnte, dachte er, der/die in diesem Grabe liegende Tote wolle ihn in das Grab hinunter ziehen und erschrak so sehr, dass er tot auf dem Grabhügel zusammenbrach.
Hatte sich der in dem Grab liegende wegen der Störung der Totenruhe gerächt?

Diese wahre Begebenheit erzählte mir mein Vater in meiner frühesten Kindheit, denn diese soll sich tatsächlich so (um 1900) zugetragen haben.

Erstveröffentlichung am 15. November 1998 in: Heimatkundliche Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Melk Nr. 11. Zweitveröffentlichung in: Sagenhaftes Melktal 2004 Seite 72/73

Kindheitserinnerung um 1957/58


… an Erich Dörner

Am Sonntag, den 26. Dezember 2010 brachte man ab 14.05 in ORF 2 das Liebesmelodram aus dem Jahre 1957: Heimweh – Dort wo die Blumen blühen. Hauptdarsteller: Sabine Bethmann, Rudolf Prack, Hans Holt, … Regie Franz Antel.
Unter anderem sah man in einer Nebenrolle (als Kellner) Herrn Erich Dörner.
Erich Dörner war laut meinen Kindheitserinnerungen bei der ehemaligen Bauernfamilie Halmer, in Zelking, einquartiert.
Ab 1930 bis maximal 1958 verbrachte Dörner hier seinen Urlaub (nicht jedes Jahr, aber die allermeisten davon). Laut Auskunft von Herrn Franz Halmer, hatte Erich Dörner (es dürfte sein „Künstlername“ gewesen sein) einen tschechischen Familiennamen wie etwa Dworschak (Familiennamen „Dworschak“ schreibt man in Tschechisch nur „Dvořák“ – laut tschechischer Auskunft).

Da ich Informationen über die Person Dörner beim ORF-Kundendienst einholte um diese unter Erinnerungen „einbauen zu können“, erhielt ich per Mail untenstehende Antwort:

Sehr geehrter Herr Pichler!

Vielen Dank für Ihr E-Mail.
Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich auch nach intensiver Recherche keine Informationen zu Herrn Dörner finden konnte.
Ich bedaure keine positive Nachricht für Sie zu haben.

Freundliche Grüße
Bettina Bauer

Herr Dörner dürfte allerdings meist nur in Nebenrollen eingesetzt worden sein, da es anscheinend überhaupt keine Daten über das Leben und Wirken von diesem ehemaligen „Zelkinger“ gibt. Nehme daher an, dass Dörner sich nur so recht und schlecht mit seiner Schauspielerei „über Wasser halten konnte“.

Inhalt des Films (Auszug):

Spielfilm, Österreich 1957 – Länge: 01:25
OT: Heimweh – Dort wo die Blumen blühen
Heimatfilm
Österreich 1957
Regie: Franz Antel
Buch: Franz Antel, Kurt Nachmann, Rolf Olsen
Musik: Hans Lang
Produzent: Franz Hoffmann

Darsteller: Sabine Bethmann, Rudolf Prack, Joseph Egger, C. W. Fernbach, Erik Frey, Hans Holt, Paul Hörbiger, Thomas Hörbiger, Mozart Sängerknaben, Christiane Nielsen, Rudi Priefer, Annie Rosar, Gretl Schmidek, Oskar Sima, Markus Stummvoll, Oskar Wanka, Jürgen Wilke
Kurzinhalt:
Aus enttäuschter Liebe will sich die hübsche Renate (Sabine Bethmann) in der Donau das Leben nehmen. Musiklehrer Pater Benedikt (Hans Holt) und seine Chorknaben können das Mädchen retten. Obgleich ein Teil der Klosterbrüder mit Unverständnis reagieren, findet Renate Zuflucht in der Klosterschule. Dem gütigen Abt gelingt es, den Mann ausfindig zu machen, der Renates Lebensüberdruß auf dem Gewissen hat: Robert Wagner (Rudolf Prack), Chefingenieur der Schürmann-Werke. Dieser hat allerdings nur Augen für die kapriziöse Erika (Christiane Nielsen), die Tochter seines Chefs.

 

Filmplakatabbildung (Wikimedia.org)

PS: Leider war bis dato kein Bild von Herrn Dörner aufzutreiben!

Kindheitserinnerung vor 1958

 
 
… an Mutters selbst gemachter Schokolade

Ein „süßes“ Erlebnis als Heranwachsender, welches durch einen älteren Zeitungsausschnitt mir wieder in Erinnerung gekommen ist.

Naschwerk (zum Beispiel Schokolade), wie es heute schon im Überfluss gibt, gab es zur damaligen Zeit (um 1960 und auch „einige Zeit danach“) noch nicht so wie heute, jedoch auch wir als Kinder schätzten Süßigkeiten. Die Mütter halfen sich, indem sie selbst gebacken hatten. In der Faschingszeit wurden so genannte „Faschingskrapfen“ selbst hergestellt. Damals eine Seltenheit, da es diese nur zur Faschingszeit gab. Leicht mit Staubzucker bestreut, hatten wir immer rund um dem Mund weiße Stellen und konnten nicht ableugnen, keinen Krapfen verspeißt zu haben. War alles aufgegessen – war Schluß damit (ebenso bei allen anderen „Leckereien“ die im Laufe des Jahres gemacht wurden)! Es gab veschiedene Kekssorten, welche vor Weihnachten gebacken und dann in Blechdosen aufbewahrt wurden – und nicht rund ums Jahr. Die Blechdosen waren nicht „Luftdicht“, sodass der Vorrat langsam aber sicher immer weniger wurde. Heute hat man sich bald an dem Überangebot satt gegessen.
Torten waren auch eine Seltenheit (meine Mutter aß ihre erste Torte als sie 12 Jahre alt war und ihre erste Banane etwas früher!).

Auch Schokolade wurde selbst gemacht. Je nach der beigefügten Menge an Kakao – dunkler oder heller, bzw. je nach der Gewichtseinheit an Staubzucker, mehr oder weniger süß.

Die Herstellung ist mir etwa so in Erinnerung geblieben: Es wurde Kokosfett in einem Topf auf dem Herd gestellt und durch Erhitzen zum Schmelzen gebracht, dann Kakao, Staubzucker und ein wenig Rum beigefügt. Durch Rühren wurde die Massse zum „Gießen“ geeignet. Es wurden kleinere Modell aus Weißblech mit verschiedenen Motiven genommen und in diese die noch flüssige Masse randvoll gefüllt, dann (damals waren die Winter kälter und schneereicher) eine Waschschüssel (oder anderes, größeres Gefäß) mit Schnee halb aufgefüllt, in welche die Models zum Erkalten hineingegeben wurden (unter Umständen wurde für einige Minuten auch draussen diese den Minusgraden ausgesetzt). Nach dem erstarren der Masse, wurden die Modells umgedreht und die Schockolde ist so leicht herausgefallen, dann war der selbstgemachte Schokolade „Verzehrbereit“.
Man konnte diese auch auf manchen Christbäumen sehen – wo diese mit der Zeit „verdunsteten“ (aufgegessen wurden).

 
 
Meine Mutter beim Herstellen der selbst gemachten Schokolade und beim
Herausnehmen der Modells mit der erstarrten Schokolademasse

Es kann keine Gewähr gegeben werden ob das eine oder andere „Ergebnis“ besser oder weniger gut schmeckt (kenne den „Zeitungsschokolade“ nicht).

Im Februar 2012 versuchte meine Mutter wieder solche Naschereien herzustellen. Es wurden zum Erkalten der Gefrierschrank verwendet. Nach kürzester Zeit war die Masse erstarrt und es konnte gekostet werden wie diese schmecken.
Das „Rezept“: 50 g (Gramm) Kokosfett. je 50 g Kakao und Staubzucker, ganz wenig Rum (oder Likör für die Geschmacksbetonung).

Eine Erinnerung „weit“ vor 1960

Ein Rezept aus einem älteren Zeitungsausschnitt.
Zutaten: 50 g Kakao, 50 g Pflanzenmargarine, 200 g Milchpulver, 100 g Honig, 125 ml Schlagobers
Zubereitung: In einem großen Topf etwas Wasser zu Kochen bringen und einen kleineren Topf hineinstellen. Margarine in den kleineren Topf geben und flüssig  werden lassen. Milchpulver mit Kakao vermischen und zu der flüssigen Margarine rühren, danach das Schlagobers hinzufügen, aus dem Wasserbad nehmen, weiterrühren bzw. kneten und auf etwa 50° C abkühlen lassen, dann den Honig zugeben. Den Scholodadenteig auf einem gefetteten Backblech etwa fingerdick verteilen. Je nach Geschmack gehackte Haselnüsse, Mandeln oder Rosinen hineindrücken. Bei niedriger Temperatur, 50–100° C, im Backofen etwa 10–20 Minuten trocknen, herausnehmen und an der Luft fest werden lassen.
g = Gramm, 125 ml = ⅛ l, l = Liter

… an die Kurrentschrift

Diese Schriftart wurde auch noch den 1945 Geborenen (wie ich einer bin) beigebracht. Da die heutige Generation von dieser Schrift keine Ahnung hat, kann sie auch nicht die alten Dokumente, Briefe usw. „entziffern“!
Wegen der verschiedenen Arten von „spitz“ (ist sehr schwer zu lesen) bis „rund“ geschrieben, haben auch noch ältere Generationen – da aus der Übung gekommen ihre Probleme damit. Sollte auch noch „geschmiert“ worden sein (was gar nicht so selten vorkam), so „eckt“ es auch sie ganz schön beim Lesen. Leider lehrt man die Kurrentschrift an den Schulen nicht mehr, sodass der Inhalt alter Zeitdokumente den heutigen Generationen verborgen bleibt.

 

(Wikipedia.org) 
Alphabet der  Kurrentschrift, um 1865 (die vorletzte Zeile zeigt die Umlaute ä, ö, ü und die entsprechenden Großbuchstaben Ae, Oe, Ue; die letzte Zeile zeigt die Ligaturen (*) ch, ck, th, sch, sz und st)
(Oben eine von mehreren Arten der ehemaligen Kurrentschrift. In meiner Schulzeit wurde es „Schönschreiben“ genannt)
Die deutsche Kurrentschrift war lange Zeit die übliche Verkehrsschrift im gesamten deutschen Sprachraum. In Österreich etablierte sich Kurrent auch als Amts- und Protokollschrift. Bis 1952 gab es noch die „Schulschrift Kurrent, schöne Schreibschrift, mit Feder“ parallel zu erlernen. Die entscheidende Veränderung im Kurrent wurde in Preußen durch den Grafiker Ludwig Sütterlin eingeleitet. Er entwickelte 1911 eine sehr ähnliche, aber eigenständige Schriftart. Diese Neuerung zog in Deutschlands Schulen ein, doch in Österreich konnte Kurrent lange Zeit überleben.
 
(*
) Ligaturen sind Verbindungen von mehreren Buchstaben

Dankesschreiben seitens der Gemeindevorstehung von Zelking 1874 an Herrn von Linde betreffs einer Zahlung von 100 fl. (Gulden, Währung in der Monarchie) wegen des Brandes vom 4. September 1874 in Zelking, wobei 17 von 21 Gebäuden einem Brand zum Opfer fielen. Es gab 4 Tote zu beklagen. Durch eine Spendensammlung einer in Melk stattgefundenen Wohltätigkeitsveranstaltung wurde den Betroffenen dieses Brandes 100 Gulden durch den Obmann, Franz Xaver Linde (Apotheker) gespendet.

Genaueres über diesen Brand unter: Ereignisse (Der Großbrand in Zelking von 1874)

 
 
Die Abschrift wurde in der heutigen Schreibweise wiedergegeben!
Wertester Herr von Linde!

Von Seite beider Unterzeichneten wird hiermit bestätigt, dass durch Ihren wohltätigen Zweck erzielte Summe von 100 fl., sage einhundert Gulden richtig hieramts angekommen ist.
Wir sprechen Ihnen im Namen aller Verunglückten  in Zelking vorderhand, Ihnen Herr von Linde, wie auch allen geehrten Mitgliedern, welche bei diesem Konzert mitwirkten, unseren verbindlichsten Dank aus.

Gemeindevorstehung Zelking am 29. November 1874

Karl Laßletzberger (Bürgermeister)
Johann Göstl (Gemeinderat)


 Vorderseites eines Gerichtsprotokolls von 1853…


… und dessen Rückseite sowie…

 
… die Übersetzung
Erstveröffentlichung in Homepage www.zelking.grafikweb.eu

 

… an Franz Horaczek
 

Herr Franz Horaczek
 
 
Das von Herrn Horaczek oft gesungene Lied!

Es war noch vor 1960, da kam Herr Horaczek öfters bei der Familie Pichler vorbei. Vater hatte für ihn immer ein, zwei Krügel Most „übrig“ (je nach dem „momentanen“ Bedarf).
Damals war es noch üblich (fast in jedem Haus) Most zu pressen. Unser „Tröpferl“ war in dem damals noch brauchbaren Sandkeller gegenüber dem Haus (vormals Nr. 14, jetzt Pöchlarnerstraße 16) in etlichen Fässern eingelagert. Ich mußte dann „Kellner spielen“ und den gerne gesehenen Gast damit aufwarten.

Nach der Konsumation (der „Geist“ des Mostes stieg ihm meistens bald in den Kopf), sang Herr Horaczek immer (nur im Dialekt):
„Schiaß ma an Rehbock z’somm, foit a, oda foit a net. Foit a net, …
Dies brachte ihm den Spitznamen „Da Rehbock“ ein.

Da Herr Horaczek im II. Weltkrieg sehr viel mitgemacht hatte, stiegen ihm nach dem konsumieren des nicht gerade schwachen Mostes, immer die Tränen in die Augen.
Etwas schwankend und „sein“ Lied trällernd begab er sich – ohne laut zu werden, oder sonstwie negativ aufzufallen, dann Nachhause.

Wer das kleine Häuschen zwischen dem Bauernhaus Halmer (heute Hubmann) und dem ehemaligen „Moserhäusl“ einstmals befindlich gekannt hatte, wird heute noch an die „Horaczek-Leute“ zurückdenken.

Kate Horaczek (Aufname von ca. 1935)

Erinnere mich an die heute, bald 50 Jahre zurückliegende Begebenheit, als sei es erst vor „kurzem“ gewesen.
(Niedergeschrieben 2005)

Kindheitserinnerung vor 1960

 
… an den Briefträger Josef Teufel
 
 
Vor der ehemaligen „Bauer-Mühle“ (Aufnahme vor 1960?)
Links im Vordergrund sein Dienstfahhrrad
 

Herr Josef Teufel auf der (damals noch unasphaltierten) Landesstraße 5331 aus Einsiedl kommend,
Richtung Zelking am 6. September 1962 befindlich
 
 
Josef Teufel (* 1900, † 18. Jänner 1978) wohnte einstmals im Matzleinsdorfer Ortsteil „Mösel“.
Er war Briefträger von 1946–1962, unter anderem auch in Zelking.
Genau an die Zeit kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es war noch vor 1960, wo folgendes stattfand: Wir hatten bis 1985 noch ein hölzernes Küchenfenster mit einem breiten, hölzernem Fensterbrett (durch die Mauerstärke bedingt). Dieses hatte mittig einen etwas breiteren Spalt, welcher vermutlich durch das eintrocknen des Holzes entstanden war.
In dieser Zeit, wurde immer per Post die diversen Auszahlungen (Milchgeld usw.) vorgenommen. Erinnere mich deshalb so gut, weil ich sehr oft zugesehen habe wie die Banknoten und Münzen am Fensterbrett gelegen sind. Herr Teufel nahm stets beim Fenster stehend die Auszahlungen vor. Zuerst wurde der Tintenblei (giftig!) durch in den Mund nehmend befeuchtet, damit so die Unterschrift sichtbarer vorgenommen werden konnten.
Ein angefeuchteter Tintenblei schrieb deutlicher (dunkler) als ein trockener.

Im Zuge eines Fensteraustausches, so auch das Küchenfenster betreffend, wurden gleichzeitig neue Fensterbänke eingesetzt. Es befanden sich zahlreiche Münzen unterhalb des Fensterbrettes, die allerdings starke Spuren an Korrosionsschäden aufwiesen.
Sehe jetzt noch Herrn Teufel beim Fenster stehend die Auszahlungen vornehmend, wenn ich mir die Münzen betrachte (die meisten waren allerdings „Hitlermünzen“ – 1, 5 und 10 Reichspfennigmünzen, die noch vor seiner Zeit in den Spalt gekommen sind).

 
 
Kindheitserinnerung vor 1960

 
 
Der „Bunker“

Wann, von wem und warum dieser einstmals gegraben wurde, weiß man heute längst nicht mehr.
Die „Entstehungszeit“ dürfte weit vor 1900 gewesen sein.
Als „Fluchthöhle“ völlig ungeeignet!!

Wunderschöne „Muster“ schuf einst die Natur
Beidseitiger „Eingang“ (dahinter noch ein „Aufenthaltsbereich“)

Als Kinder (vor 1960) hielten wir uns schon oftmals hier auf.

Bildmittig (etwas links oberhalb der Sandwand) und durch die Belaubung „unsichtbar“, befindet sich der „Bunker“

Wenn Laub die Robinienbäume bedeckt, dann war man fast „unsichtbar“ hier oben, vor allem wenn man sich still verhielt, bemerkte uns kaum jemand!

Kindheitserinnerung ebenfalls noch vor dem Jahre 1960

 
… von Frau Liselotte  Hansmann

Baden, 11. 12. 93

Lieber Herr Pichler!

Heute komme ich endlich dazu einen Beitrag zur Zeitgeschichte von Zelking zu liefern. Ich glaube dass Sie am Zustandekommen des Quarzwerkes interessiert sind, dazu kann ich wohl aus der Erinnerung viel beitragen.
Bevor mein Mann die Quarzwerke gegründet hatte existierte schon ein kleiner Betrieb der vom Vater meines Mannes betrieben wurde. Es wurde damals Sand im Untertagebau abgebaut. Die Arbeiter schlugen mit der Spitzhacke Sand von der festen Wand. Ich kann mich erinnern als mein Mann das Geschäft übernahm wurde noch auf  diese Weise der Sand gewonnen. Herr Potz aus Pöchlarn war damals Vorarbeiter und schaffte mit der Spitzhacke an einem Arbeitstag 9 Tonnen, das war eine besondere Leistung.
1949 übernahm mein Mann den Betrieb. 1950 oder 51 wurden Abbauverträge mit dem Ehepaar Peham – Leonhartsberger abgeschlossen und von da an wurde  im Tagbau abgebaut. Um diese Zeit entstand auch die erste Wasch- und Klassieranlage unterhalb vom Pehamhof an der Landesstrasse. Sie war aus Holz und vollkommen offen. Nur mit Dach gebaut. Ein paar Jahre später wurde ein festes Gebäude aufgestellt. Ich kann mich erinnern dass es anlässlich des Neubaues zu dramatischen Zuständen kam. Unterhalb des Pehamhofes und hinter der Waschanlage fing der Berg zu rutschen an. Das Bauernhaus war schwer gefährdet. Es kostete viel Arbeit, Nerven und Geld diese Hangrutschung zu sanieren.
In den sechziger Jahren wurde eine Trockenanlage gebaut, weil wir nicht nur Kunden für die Glasindustrie, sondern auch für die vielen Giessereien bekamen. Die sechziger Jahre brachten für den Betrieb den grossen Aufschwung.
In Melk am Bahnhof wurde die Verladerampe mit unserer Beteiligung gebaut. Die Verladung des Sandes musste nicht mehr händisch geschehen. Das Büro, das Laboratorium, das Flotationsgebäude die grosse Trockenanlage wurde in dieser Zeit gebaut.
Wir konnten durch alle diese Massnahmen Sand für die Giessereien, für die Glasindustrie, für Weiss- und Buntglas konnte der Sand verwendet werden.
Viel wichtiger war aber, dass man durch das von meinem Mann entwickelte Flotationsverfahren, Quarz von Feldspat trennen konnte. Feldspat war in Europa eine Mangelware. Dieser Umstand führte zu einer ganz üblen Werksspionage. Dr. Hammer der damalige Leiter des Laboratoriums verkaufte die Forschungsunterlagen meines Mannes an eine deutsche Firma aus dem bayrischen Wald, die Dorfner Kaolinwerke. Die wollten in Oberösterreich ein Konkurrenzunternehmen aufmachen. Durch einen glücklichen Zufall erhielten wir davon Kenntnis, konnten Abbauverträge mit Grundbesitzern in St. Georgen abschliessen und einen Betrieb hinstellen. Alles in einem halben Jahr und so dieser Firma zuvorkommen.
Mein Mann war zu dieser Zeit nicht gesund er wusste, dass er sich einer Hüftoperation unterziehen musste, er hatte durch einen Skiunfall einen Schaden an seinem Hüftgelenk erhalten und konnte sich nur unter grossen Schmerzen und ständigem Pulveressen fortbewegen. Damals war diese Operation noch ein Wagnis, sie wurde in Österreich noch nicht durchgeführt und über ihren Ausgang, ob gut oder schlecht, war nichts bekannt. Aus Sorge um den Betrieb und mich, verhandelte mein Mann mit den Quarzwerken für eine Beteiligung an unserem Betrieb. Sie gehörte auch zu den Firmen die uns damals bedrängten. Die Konditionen unter denen eine Beteiligung zustande kam waren fürs erste verlockend, das war 1971. Mein Mann sollte alleiniger Geschäftsführer bis zu seinem 65. Geburtstag bleiben.
Es kam aber anders. Im Jänner 1975 hatte mein Mann einen folgenschweren Unfall. In der Flotation stürzte mein Mann 6 m tief ab. Er war lebensgefährlich verletzt. Sein Brustkorb war zertrümmert, verschiedene innere Verletzungen kamen noch dazu. Zwei Monate schwebte er zwischen Leben und Tod. Seinen Geschäftspartnern kam der Unfall sehr gelegen, sie hatten jetzt freie Hand im Betrieb. Zum 60. Geburtstag im April 1975 eröffnete ihm Herr Grosspeter sen. er möge aus der Firma ausscheiden, Herr Grosspeter jun. und Herr Hohnrat werden die Geschäftsführung übernehmen. Sie können sich vorstellen wie das meinen Mann getroffen hat.
Nach zähen Verhandlungen bekamen wir unseren Anteil am Geschäft ausbezahlt. Leider steckten wir unser ganzes Vermögen und Kredite die wir aufnehmen mussten, in einen neuen Betrieb in Steyreck hinein. Es war ein wunderschöner Betrieb, aber die Gemeinde, die uns zuerst hingeholt hatte, verweigerte uns die Betriebserlaubnis aus geänderten politischen Dingen.

Wir sind damals in eine tödliche Falle getappt.
Wie Sie wissen haben wir alles verloren, die Heimat dazu.

Dieser schöne Vierkanter, war das ehemalige Wohngebäude der Familie Hansmann
(wie einstmals fast alle in Zelking Landwirtschaft betrieben, so wurde auch dieses Gebäude landwirtschaftlich genutzt.
Es befanden sich Wohnungen, Stall- und Wirtschaftsgebäude unter einheitlichem Dach)

Ich bin lange nicht darüber hinweggekommen, aber der Tod meines  Mannes mit dem ich 40 Jahre verheiratet und den ich vor 50 Jahren als 16 jährige kennenlernte, war für mich noch viel, viel schlimmer.
Sie wollten Fotos von mir haben, ich habe Fräulein Fohringer vor einiger Zeit Bilder vom Sandwerk gegeben. Vielleicht können Sie sich von ihr Kopien besorgen.
Ich hoffe dass ich Ihnen behilflich sein konnte und würde mich freuen wann ich wieder von Ihnen hören würde.
(Abschrift eines mit Schreibmaschine geschriebenen Antwortschreibens an mich)

Herzliche Grüße
(Unterschrift)

 

 

… an den Schuhmachermeister Alois Waldinger
 

Alois Waldinger in seiner Zelkinger Werkstatt
(Diese Aufnahme dürfte aus 1966 stammen)
 
Der letzte Schuhmachermeister aus der Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf ist am 19. April 1989 im 84. Lebensjahr verstorben. Waldinger hatte das Gewerbe von Franz Staufer 1946 übernommen, und übte es bis 1967 aus.
 
 
Meisterbrief des Herrn Alois Waldinger
 
 
„Berge“ an Schuhen wurden in den vielen Jahren seines Wirkens zum „flicken“ (heute repariert man fast keine Schuhe mehr) in die Werkstatt Waldingers gebracht. Der Geruch des Leders war für mich (als Kind) bis heute einprägend, wenn ich mich an diese Zeit zurückerinnere. Auch ich befand mich öfters in der Werkstatt ein, um beim „Schustern“ (Nähen, Nageln oder Kleben von abgetragenem Schuhwerk – damals konnte man sich nicht so oft ein neues paar Schuhe leisten wie heute), zuzusehen. Außerdem war das damalige Schuhwerk fester gefertigt als heutzutage. Man konnte einen so genannten „Doppler“ anbrigen lassen. Hier wurden die Gummisohlen erneuert; auch kaputtes Leder wurde „zusammengeflickt“. Die Schuhe waren allerdings nicht so modern wie in „unseren“ Tagen.

 

… an die Drittletzte Postamtsleiterin
 
 
Die Drittvorletzte Amtsleiterin Frau Maria Wojta
 
 
Frau Maria Wojta, eine Bewohnerin von Matzleinsdorf, war als Urlaubs- und Krankenvertretung zwischen 1966 und 1972 am Postamt in Matzleinsdorf tätig.

 
Letzter Arbeitstag von Frau Wojta (mit dem Postleitzahlstempel 3393)
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 
Eine Einschulung als Amtsleiterin für das  Postamt in Matzleinsdorf, erfolgte am Postamt 3244 Ruprechtshofen im Jahre 1972/73.
Die Amtsleitung wurde 1973 übernommen, und endete am 30. August 1995. Mit ihren gut 22 Arbeitsjahren als Amtsleiterin im Dienst, dürfte Frau Wojta eine der Dienstältesten Amtsleiterinnen an diesem kleinen Postamt gewesen sein!
 
Die „Umstellung“  – Einführen der Postleitzahlen (zur leichteren und rascheren Weiterleitung der Sendungen), erlebte Fr. Wojta an dem hiesigen, jetzt mit 3393 bezeichnetem Postamt seit Jänner 1966 als „Aushilfskraft“ mit.
 

Sondermarke zur Einführung der Postleitzahlen in Österreich (1965)
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 
Die Stempelbezeichnung ab Juni 1965 lautete daher: MATZLEINSDORF bei MELK 3393
 
„Jahrhundertstempel“ und Sonderstempel „100 Jahre Postamt Matzleinsdorf“!
Durch die Einführung der Postleitzahlen 1… für Wien, 2… u. 3… für NÖ. usw., gab es auch für so manches Postamt einen „Jahrhundertstempel“. An einem bestimmten Tag, Monat und Jahr, war das Datum mit der Postleitzahl identisch.

Der „Jahrhundertstempel“
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 
10 Tage bevor „100 Jahre Postamt  Matzleinsdorf“ gefeiert wurde, erlebte dieses Postamt einen „Jahrhundertstempel“.
Mit dem dritten März 1993, war das Datum identisch mit der Postleitzahl  -3. -3. 93 = 3393.
 
 
Die beiden (ersten und gleichzeitig letzten) Sonderstempel 3393 Matzleinsdorf bei Melk (mit Unterscheidungszeichen 1 und 2)
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“

 
 
Am 13. und 14. März 1993, wurden aus Anlass „100 Jahre Postamt“ – 3393 MATZLEINSDORF bei MELK, dessen Werbeschau der BSV (Briefmarken-Sammlerverein) „donau“ Tst (Tauschstelle) Melk 410 veranstaltete, mittels eines Sonderstempels mit den Unterscheidungszeichen 1 und 2,  Belege aller Art entwertet.
Unter anderem, zeigte das Stempelbild einen Stempelabdruck aus dem Anfangsjahr 1893 und einen „Merkurkopf“ abgebildet.
Merkur, war in der römischen  Mythologie Gott des Handels; Götterbote, daher der „geflügelte“ Helm auf seinem Kopf!
Diese zwei „Stempeltage“ waren ein voller Erfolg, nicht nur für den Verein!
Wie es die Zeit zeigen sollte, war es der erste und letzte Sonderstempel dieses „Dorfpostamtes“! Bei diesen zwei Ausstellungstagen konnte man nicht nur alte Ansichtskarten aus der Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf bewundern, sondern – unter anderem auch den ältesten Brief aus Matzleinsdorf vom Jahre 1817 (es war ein Beleg vor Einführung der Briefmarken – diese gab es erst ab 1858)!
Neue NÖN Melker Zeitung Nr. 9 1993 und Nr. 11 1993 sowie die Neue Kronen Zeitung (vom 15. März) brachten Berichte über diese schöne Ausstellung!
 

Erinnerungsfoto von Pressefotograf Franz Crepaz
 
 
Eine lustige Anekdote erzählte mir Frau Maria Wojta so:
Als man „100 Jahre Postamt Matzleinsdorf“ feierte, wurden die drei am hiesigen Postamt Beschäftigten als „gut Erhalten“ bezeichnet!
Bei „100 Jahren“, sahen diese ja wirklich  recht „rüstig“ aus!

 
Zweimaliger Einbruch in das Postamt 3393
 
 
Zeitungsbericht vom 28. September 1995 mit dem 600 kg schweren Tresor des ehemaligen Postamtes Matzleinsorf und dem gestohlenen VW-Bus, der für den Abtransport bereit stand (Bild/Text aus: Neue Kronen Zeitung)
Als Herr Herbert Wojta, Sohn von der langjährigen Amtsleiterin Frau Maria Wojta von 1995 bis 1997 das Postamt in Matzleinsdorf leitete, wurde 1995 zweimal in dieses Postamt eingebrochen. Nicht gerade ideal für einen (jungen) Amtsleiter, wenn solches passiert.

„Sekuritate“-Trupp schlug zu, oder Panzerknacker-Bande flüchtete im Kugelhagel und ähnlich, lauteten die Schlagzeilen im „Kurier“, in der „Kronenzeitung“ und in der inzwischen eingestellten Tageszeitung „täglich Alles“.
Bei dem ersten Einbruch am 27. September 1995 erbeutete die „Rumänenbande“, wobei diese den 600 Kg schweren Tresor bis vor das gestohlenen Fluchtauto geschleppt hatten (noch) nichts, da der Tresor mit einem Inhalt von 60.000 Schilling, Stempelmarken im Wert von 100.000 Schilling und Brieflosen, durch das Eintreffen  einer Gendarmeriestreife nicht abtransportiert werden konnte!
Gegen halb drei Uhr (in der Nacht) trennten zuerst die Täter die Elektroleitungen, brachen mit brutaler Gewalt die Eingangstüre auf, und schleppten auf Holzrollen den Tresor vor das Auto, wobei Nachbarn auf diesen Coup aufmerksam wurden.
Durch das auslösen der Alarmanlage, kamen  die Gendarmen noch rechtzeitig um einen Abtransport des Tresors zu verhindern.
In NÖ gab es in diesem Zeitraum zahlreiche Verhaftung von Tresoreinbrechern und die Exekutive vermutete in dieser Zeit, dass zahlreiche Banden nicht nur in Österreich ihr Unwesen treiben.
80.000 in Schillingbanknoten und Briefmarken im Wert von 97.000 Schilling, sowie der a-Stempel wurden bei dem zweiten Einbruch am 7. Dezember desselben Jahres erbeutet! Wegen des abhanden gekommenen a-Stempels, stand für einige Tage nur der b-Stempel zur Verfügung!

Der rumänische Geheimdienst „Securitate“ – „bildete“ (laut Zeitungsartikeln in den diversen Tageszeitungen) regelrecht für diese „Arbeit geeignete“ Menschen aus.

 
 
… an die Vorletzte Postamtsleiterin
 
 
Die Vorletzte Amtsleiterin Frau Marion Danzinger

 
 

Abstempelung vom 1. Arbeitstag
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 
Als vorletzte Amtsleiterin des kleinen Ortspostamtes Matzleinsdorf fungierte hier vom Anfang November 1997 (provisorisch und ab 1. 4. 1998 definitiv) bis 6. Juni 2000 Frau Marion Danzinger.


Stempel vom letzten Arbeitstag im Postamt 3393

„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 
Da Frau Danzinger von der Umleitung hierher zu uns kam, war alles für sie „Neuland“. Noch kam dazu, dass sie Ortsfremd war und keine „Menschenseele“ kannte!
Ein (am Anfang nicht für sie lustiges) Ereignis war (mündlich und in einem Brief aus Mitte Dezember 2003 geschrieben) mit Bürgermeister Leopold Labenbacher.
Durch die, ihr (noch) nicht bekannten GemeindebürgerInnen mussten die Vorschriften –  „Vurschrift is Vurschrift“ – eingehalten werden!
Eines Tages kam ein Herr in das Postamt um eine hinterlegte Sendung für die Gemeinde abzuholen.
Da dieser Herr ihr ja unbekannt war, wurde (natürlich) „vorschriftsgemäß“ ein Ausweis verlangt; da wurde dieser Herr gleich um „einen halben Meter größer“ und erklärte mir, dass „ER“ der Bürgermeister sei!
Im Schreiben steht: „ … und ich wurde um einen halben Meter kleiner“ und sagte: „Ich kenne sie trotzdem nicht“!
Dieses  lustige Erlebnis vom November 1997 „bereichert“ – da inzwischen ein Bestehen des Postamtes aufgehört hat – diese „Postamtschronik“.
Das waren die ersten und letzten „Schwierigkeiten“ mit unserem „Gemeindeoberhaupt“ für sie (lt. Brief)!
Leider gibt es fast keine Aufzeichnungen von Postamtsleitern bzw. Leiterinnen.  Anno dazumal wurde auf diesen wichtigen Schritt (!) aus irgendeinem, heute nicht mehr nachvollziehbarem Grund ein Archiv anzulegen, „vergessen“.
Oder wurde auf (vollständige) Aufzeichnungen bewusst wenig Wert gelegt?

Es wäre interessant, gebe es eine lückenlose Aufstellung seit dem Gründungstag im  März 1893 von diesem ehemaligen „Dorfpostamt“.

 

… an die Letzte Postamtsleiterin
 
 

Die Letzte Postamtsleiterin Frau Cäcilia Roitner
 

„Ersttag“ (Erster, selbstständiger Arbeitstag im Postamt 3393)
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 
Anfang Juli 2000 (unter „Aufsicht“ und ab 7. 8. selbsttätig arbeitend)  begann die leider viel zu kurze „Karriere“ der letzten Postamtsleiterin des Postamtes 3393 Matzleinsdorf.

Frau Cäcilia Roitner (als junge Gemeindebürgerin der KG Matzleinsdorf) wurde in monatelangen Einschulungen an diversen Postämtern auf die Leitung des hiesigen Postamtes vorbereitet.          
Mit der Postamtsleitung vertraut zu werden, bedeutet nicht den „Chef spielen“, sondern „Knochentrockenes“ Arbeiten, die in so einem (kleinen) Postamt zu bewerkstelligen sind; vom Verkauf von Briefmarken und anderer Artikeln, über das entwerten der Marken, Bestellen und Abrechnen, Ein- und Auszahlungen von Geldbeträgen vornehmen usw.
Viele dachten, dass nun auf eine sehr lange Zeit eine Amtsleiterin hier vorhanden sein könnte – aber es wurde die Rechnung ohne den „Wirt“ (= Generalpostdirektion) gemacht!
Schon etliche Monate vor der endgültigen Schließung hörte man durch „Mundpropaganda“ von einem eventuellen Aus; aber niemand nahm davon so richtig Notiz, dass auch dieses Postamt einer Einsparung zum Opfer fallen könnte bis alles „schwarz auf weiß“ in den Zeitungen zu lesen war.
Ob man seitens der betroffenen Gemeinden „alles“ unternommen hat (diese kleinen Postämter zu „retten“ wie in den Massenmedien zu lesen war) oder „klein“  beigeben musste – wer weiß es schon genau?
Zum Leidwesen (sehr vieler GemeindebürgerInnen – wie sich bei späteren Gesprächen herausstellte) brachte der 31. Mai 2002 den Traum zum platzen für „ewig“ ein kleines, aber doch ein eigenes Postamt in der Gemeinde Zelking-Matzleinsdorf  besitzen zu dürfen! Vor allem bei der älteren Generation mag so manche Träne in den Augen gestanden sein an diesem Tag.
Ein Stück „Dorfgeschichte“ war hiermit für immer der Vergangenheit anheim gefallen!!

Das 110. Jahr seit dem Bestehen dieses Postamtes, war auch gleichzeitig das Ende der „Postherrlichkeit“ in unserer Gemeinde.

 
 

Erinnerungsblatt mit der Letzten Amtsleiterin Frau Cäcilia Roitner
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
Erinnerungsblatt mit Zusteller Herrn Johann (Hannes) Teufel
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 

Erinnerungsblatt mit Zusteller Herrn Johann (Hannes) Teufel
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“

 
 
 
 
BEDANKE MICH FÜR ALLE PHILATELISTISCHEN BELEGE RECHT HERZLICh!
(Inzwischen sind es schon Zeitdokumente geworden!)
 
 
 
 … an den „malenden Fährmann“ Franz Knapp
 
 
Franz Knapp bei seiner liebsten Beschäftigung
Dieses Foto (Ludwig Pichler), wurde auch für das Totenbildchen genommen!
 
 
Um eine Doppelgleisigkeit zu verhindern, wurde dieser Beitrag gelöscht.
Bitte unter: Künstler Franz Knapp die weiteren Lebensbeschreibungen dieses graphischen Ausnahmekünstlers zu entnehmen!
 
 
Die erste, offizielle Briefmarke nach einem Motiv von Franz Knapp
Ersttag: 16. Mai 2010
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
Die erste Briefmarke von Franz Knapp nach einem Aquarellausschnitt aus Anlass der Grundsteinlegung der Wallfahrtskirche Maria Taferl 1660
(Kuvertausschnitt mit Ersttags- und Sonderstempel)
„Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG“
 
 
Alle weiteren Angaben aus philatelistischer Sicht, Franz Knapp betreffend, finden Sie ebenso unter: Künstler Franz Knapp!